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Große Feuerwerke, wie hier beim Seefest in Rottach-Egern, gehören bei den Festen am Tegernsee dazu. Der privaten Knallerei stehen die Gemeinden aber zunehmend kritisch gegenüber.

Knappe Entscheidung im Stadtrat

Tegernsee genehmigt keine Kleinfeuerwerke mehr

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Die einen lieben sie, für die anderen sind private Feuerwerke ein lästiges Übel. Tegernsee schafft jetzt die Kleinen jetzt komplett ab. Mit knapper Mehrheit.

Tegernsee– Die Kommunen im Tegernseer Tal werden offenbar immer sensibler, was die vielen Feuerwerke rund um den See betrifft. Allerdings ist ihr Einfluss begrenzt: Sie sind lediglich zuständig für die Genehmigung von Feuerwerken der so genannten Kategorie 2 – also Kleinfeuerwerken. Über Mittel- und Großfeuerwerke (Kategorie 3 und 4) wird ohnehin an höherer Stelle, nämlich von der Regierung von Oberbayern, entschieden. Am Tegernsee hat sich sogar schon eine Initiative von Bürgern gegründet, die gegen die Lichterspektakel Sturm läuft.

Im Stadtrat kam nun ein Vorschlag des Finanz- und Verwaltungsausschusses auf den Tisch. Dieser regte an, bei der Genehmigung der Kleinfeuerwerke, die außerhalb von Silvester/Neujahr von Privatpersonen gewünscht werden, künftig zwei Hürden einzubauen: zum einen müssten die Raketen von einem Pyrotechniker abgebrannt werden, zum anderen sei auf Knalleffekte zu verzichten. Diese Regelung habe man sich überlegt, „nachdem für 2017 die ersten Anfragen im Rathaus eingegangen sind“, teilte Geschäftsführer Hans Staudacher mit.

Rudolf Gritsch (CSU) ging dieser Vorschlag nicht weit genug. Er bezeichnete die Feuerwerke als „reine Dreckschleudern“ und forderte daher, „jede Möglichkeit zu nutzen, dass es weniger Feuerwerke werden“. Schließlich sei die Stadt nicht dem Einzelnen verpflichtet, der sein Geld in die Luft feuere, sondern der breiten Masse der Bevölkerung und der Gäste.

Das sah Peter-Friedrich Sieben (FWG) ganz anders. Die Stadt müsse mit zig anderen Urlaubs-Destinationen konkurrieren und könne es sich daher nicht leisten, Gäste durch die Ablehnung eines gewünschten Feuerwerks zu vergraulen. „Wir sollten an den Tourismus denken“, forderte er. Zumal es hier – wie Staudacher bestätigte – lediglich um etwa drei Feuerwerke pro Jahr gehe. Die anderen Lichterspektakel, die anlässlich von Hochzeiten und Geburtstagen in Tegernsee hochgehen, sind demnach offenbar Feuerwerke höherer Kategorien. 

Letztlich gab’s im Stadtrat zwei Haltungen: die einen, die die Kleinfeuerwerke am liebsten zur Gänze abschaffen würden, die anderen, die sie in Einzelfällen zulassen würden. Vize-Bürgermeister Heino von Hammerstein (BürgerListe), der bei der Sitzung den abwesenden Rathaus-Chef Johannes Hagn vertrat, schlug schließlich vor, zunächst über die Grundsatzfrage abzustimmen, ob die Stadt künftig zur Gänze auf die Genehmigung der Kategorie 2-Feuerwerke verzichten wolle. Dafür sprachen sich am Ende sechs Stadträte aus, fünf waren dagegen. Der Vorschlag des Verwaltungsausschusses war damit hinfällig.

Und so machen es die anderen Tal-Gemeinden

Tegernsee folgt mit seiner Entscheidung dem Beispiel von Rottach-Egern. Hier gebe es schon seit Längerem den Beschluss, die privaten Kleinfeuerwerke generell nicht mehr zu genehmigen, wie Vize-Bürgermeister Josef Lang (CSU) auf Nachfrage bestätigt.

In Bad Wiessee – dem dritten Kandidaten am Tegernsee für viele private Feuerwerke – gibt es einen solchen Beschluss zwar nicht, doch Rathaus-Geschäftsleiter Michael Herrmann betont: „Wir halten das so restriktiv wie möglich – jedes Feuerwerk, das nicht stattfindet, ist ein gutes Feuerwerk.“ Allerdings, so räumt Herrmann ein, stelle sich die Frage nicht allzu häufig. Denn die meisten Feuerwerke, die über Wiessee abgeschossen werden, seien ohnehin von einem größeren Kaliber und würden daher von der Regierung genehmigt.

gab

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