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Unübersichtlich: Das Studieren des Fahrplans kostet Gabriele Oswald viel Zeit und Nerven.

Aufenthalt von fünf Stunden nötig

Leserin beklagt "katastrophale" Busverbindung zur Klinik

  • Gabi Werner
    vonGabi Werner
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Tegernsee - Gabriele Oswald hat das Studieren des Bus-Fahrplans satt. Täglich muss die Tegernseerin (80) derzeit zu ihrem Mann ins Krankenhaus Agatharied – dorthin zu kommen, ist für sie aber ein Riesenakt.

Nach einem schweren Herzinfarkt erholt sich der Mann von Gabriele Oswald derzeit in der Kreisklinik in Agatharied. Die 80-jährige Tegernseerin benötigt all ihre Kraft und ihre Nerven, um die Situation zu meistern und ihrem Mann bei der Genesung beizustehen. Um täglich nach Agatharied zu gelangen, ist Gabriele Oswald auf den Bus angewiesen – einen Führerschein hat sie nicht. Doch die Verbindung zwischen Tegernsee und dem Kreiskrankenhaus sei schlicht „eine Katastrophe“, moniert die Seniorin. 

„Zwei Stunden brauchte ich, um den Fahrplan zu studieren“, beklagt die 80-Jährige in einem schriftlichen Hilferuf an unsere Zeitung. Schließlich fand sie doch eine Bus-Verbindung, die sich aber als nicht praktikabel erwies. Mit der RVO-Linie 9554 fuhr Oswald um 10.45 Uhr in Tegernsee los und kam um 11.32 Uhr am Krankenhaus an. Die Rückfahrt nach Hause ermöglicht ihr diese Linie aber erst wieder um 16.27 Uhr. Ein Aufenthalt von fünf Stunden also. „Wer hat so viel Zeit?“, fragt sich die Tegernseerin. Zudem blieben bei einem derart langen Besuch die Ruhepausen der Patienten auf der Strecke. „Was denken sich die Planer?“, fragt Gabriele Oswald, die mittlerweile resigniert hat. 

Ein Nachbar fahre sie jetzt täglich in die Klinik nach Agatharied – ein Freundschaftsdienst, den die Seniorin aber nicht dauerhaft in Anspruch nehmen möchte. Sie appelliert deshalb an die Verantwortlichen des Regionalverkehr Oberbayern, ihre Fahrpläne zu überdenken. „Bitte überlegt Euch etwas!“. Mit dem Problem stehe sie im Übrigen nicht alleine da, betont Gabriele Oswald. Sie habe in ihrer Nachbarschaft schon häufig die gleichen Klagen gehört. Auch am Empfang des Krankenhauses würden bisweilen Besucher die schlechte Bus-Anbindung vom Tegernsee aus beklagen, bestätigt eine Mitarbeiterin. 

Vereinzelte Beschwerden gebe es durchaus, räumt Peter Bartl, stellvertretender RVO-Niederlassungsleiter in Tegernsee, ein. Seiner Ansicht nach könne von einer schlechten Verbindung zwischen dem Tegernseer Tal und dem Krankenhaus Agatharied aber keine Rede sein. „Das Krankenhaus ist von zwei Seiten an den Tegernsee angebunden“, sagt Bartl. Heißt im Klartext: Die Busse fahren über zwei verschiedene Strecken, der Fahrgast muss also mehrere Linien im Blick haben. „Das ist ein bisserl ungut“, gibt Bartl zu. Aber tatsächlich: Die Linie 9558 würde Gabriele Oswald zum Beispiel auch eine Rückfahrt ins Tal um 13.16 Uhr ermöglichen. Allerdings fährt dieser Bus nicht am Krankenhaus, sondern in Agatharied direkt ab. Haben die meisten also nur ein Problem damit, die Fahrpläne richtig zu lesen? Bartl glaubt schon, dass dies häufig der Grund für Beschwerden ist. „Hier wollen wir immer wieder verbessern und optimieren“, versichert er. Gabriele Oswald stellt diese Auskunft allerdings nicht zufrieden. Sie bleibt dabei: „Für einen alten Menschen, der keinen Führerschein hat, ist die Bus-Verbindung ein echtes Problem.“

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