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Mit einem großen Banner wird für das Sanatoriums- und Klinikprojekt an der Perronstraße geworben – sogar auf Chinesisch. 

Wie steht‘s mit dem geplanten Bauprojekt?

Klinikprojekt an der Perronstraße: Nachbarn bleiben bei Kritik

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Es ist ruhig geworden um das Klinik- und Sanatoriumsprojekt an der Perronstraße. Doch die Anlieger bleiben bei ihrer Kritik. Derweilen ging‘s im Bauausschuss um eine Werbetafel.

Tegernsee– Eine große Werbetafel an der Schwaighofstraßen weist auf die Pläne der Burkhart Immobilien Bau- und Verwaltungs GmbH hin, sogar auf Chinesisch. Unternehmer Klaus Dieter Burkhart möchte auf seinem 12 900 Quadratmeter großen Grundstück ein Sanatorium und eine Privatklinik bauen. Erste Vorbereitungen dafür wurden mit dem Bau einer hangseitigen Stützmauer schon getroffen. Wie sich jetzt herausgestellt hat, ist die Werbetafel, die schon seit Monaten aufgestellt ist, größer, als in der städtischen Satzung erlaubt.

Zur jüngsten Sitzung hat Burkhart also einen Antrag für die Tafel eingereicht, verbunden mit der Ausnahmegenehmigung. Am Ratstisch gab es darüber keine Diskussion. Der Antrag wurde einstimmig genehmigt, allerdings gilt die Genehmigung nur bis Ende 2021.

Ist das Vorhaben bis dahin zu realisieren? Zuletzt war es ruhig geworden um das Projekt. Im März 2018 hatte sich der Stadtrat zuletzt in öffentlicher Sitzung mit dem Bauantrag Burkharts befasst. Damals musste die Stadt den Antrag aber ablehnen, weil zum einen der Durchführungsvertrag noch nicht unterzeichnet und auch der Bebauungsplan noch nicht rechtskräftig gültig waren. Da die Voraussetzungen immer noch nicht erfüllt seien, gebe es auch noch keine Baugenehmigung, so Tegernsees Bauamtsleiterin Bettina Koch jetzt auf Nachfrage. Dass Burkhart beide Verfahren, also Bauantrag und Bebauungsplan, parallel bearbeiten lasse, sei für die Stadt nachvollziehbar. Das spare Zeit.

Nach dem Geschmack Burkharts könnte ohnehin alles schneller gehen. Schon 2018 hätte der Chef des Deutschen Zentrums für Frischzelentherapie mit dem Bau beginnen wollen. Entstehen sollen zwei Klinikgebäude mit 99 Zimmern und 108 Betten, dazu ein Sanatoriumsgebäude mit 19 Zimmern und 35 Betten sowie sieben Wohnungen. Die Tiefgarage ist mit 89 Stellplätzen vorgesehen, oberirdisch befinden sich 26 Stellplätze.

Während Burkhart das Sanatorium selbst betreiben will, ist nach wie vor offen, wer beim Betrieb der Privatklinik einsteigt. Auf Nachfragen blockt Burkhart ab: „Dazu möchte ich mich nicht äußern.“ Überhaupt will er auch zu neuen Zeitplänen und Projekt-Details nichts sagen. „Alles muss erst planerisch Hand und Fuß haben.“ Allerdings lässt die Zurückhaltung viel Raum für Spekulationen. Etwa zu Behandlungsmethoden im Sanatorium. Burkhart selbst hatte vor einem Jahr erklärt, dass die Zelltherapie „zwar Teil des Geschäfts sei, aber in geraumer Zeit unter Umständen eine untergeordnete Rolle spielen werde“. Von einem „Zentrum für ganzheitlich Therapien“ ist auf dem Werbebanner die Rede. Burkhart verweist lediglich darauf, dass der Bebauungsplan im Mai oder Juni wieder in den Stadtrat kommen und dann in die dritte öffentliche Auslegungsrunde geschickt werden solle. Es handelt sich um einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan, der auf einem maßgeschneiderten Konzept basiert. Der Stadt wird ein hohes Mitspracherecht eingeräumt.

Dem Unternehmer bläst immer noch rauer Wind entgegen. Etwa aus der NachbargemeindeRottach-Egern, wo Kritik an der Größe der Baukörper geübt wird. Vor allem die Interessengemeinschaft Perronstraße beharrt nach wie vor auf folgenden Kritikpunkten: Dass eine Linksabbiegespur von der Bundesstraße fehle, dass die Perronstraße als Hauptzufahrt genutzt werden solle, dass der Schallschutz mangelhaft sei und zu geringe Abstände zu den Nachbargrundstücken geplant sind.

Lesen Sie hier: Anwohner sind gesprächsbereit.

„Die Interessengemeinschaft ist jederzeit dialogbereit und hat in der Vergangenheit mehrfach um ein klärendes Gespräch mit Burkhart gebeten“, so Bernhard Schex, Rechtsanwalt der Interessengemeinschaft. „Leider wurde ein Dialog seitens des Vorhabenträgers abgelehnt.“ Die Nachbarn werden weiter bei ihren Forderungen bleiben und diese notfalls vor Gericht verteidigen. Mehrere Kanzleien sind offenbar schon befasst mit dem Fall. Zudem, so Anwalt Schex, hätte sich eine sehr hohe Anzahl an betroffenen Anliegern und Einwohnern von Tegernsee-Süd im Rahmen der öffentlichen Auslegung des Bebauungsplans schriftlich gegen das Bauvorhaben gewandt.

Die Anwohner, so heißt es, seien nicht grundsätzlich gegen das Vorhaben. Sie fordern jedoch eine „rücksichtsvolle“ Erschließung und Planung. „Wir hoffen natürlich, dass der Antrag in dieser Form nicht mehr weiter verfolgt wird“, so Schex. „Einen verbesserten, neuen Entwurf, der auf die Kritikpunkte eingeht, würde die Interessengemeinschaft sehr begrüßen.“

Auch interessant: Weitere Baupläne neben der Perronstraße.

gr

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