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Auf dem Grundstück an der Perronstraße findet gerade der Aushub für die Gebäude statt. Die Hangsicherung ist schon vor längerer Zeit erfolgt.

Pläne für Grundstück in Tegernsee sind mittlerweile genehmigt

Klinikbau an der Perronstraße: Nachbarn reichen Klage ein

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Die Pläne für den Bau einer Klinik und eines Sanatoriums an der Perronstraße in Tegernsee-Süd sind genehmigt. Doch der Widerstand einiger Nachbarn dauert nicht nur an – er wird schärfer.

Tegernsee – Bei der jüngsten Sitzung des Tegernseer Bauausschusses wurde die Nachricht eher beiläufig unter dem Punkt „erteilte Baugenehmigungen“ bekannt: Klaus Dieter Burkhart, Chef des in Bad Tölz ansässigen Deutschen Zentrums für Zelltherapie, darf seine Pläne auf einem 12.900 Quadratmeter großen Grundstück an der Perronstraße 7 bis 9 verwirklichen. Entstehen sollen zwei Klinikgebäude mit 99 Zimmern und 108 Betten, dazu ein Sanatoriumsgebäude mit 19 Zimmern und 35 Betten sowie sieben Wohnungen. Vorgesehen ist auch eine Tiefgarage mit 89 Stellplätzen, oberirdisch sollen 26 Parkplätze angesiedelt sein.

Während die Stadt nach den gescheiterten Plänen für ein Hotel der aja-Resort GmbH aus Rostock das Vorhaben Burkharts begrüßt und auch die Zusammenarbeit mit dem Bauherrn lobt, bläst diesem dennoch rauer Wind entgegen. Neben der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) kommt dieser vor allem von der Interessengemeinschaft betroffener Nachbarn.

So sollen die Gebäude für Klinik und Sanatorium aussehen.

Sie kritisiert gravierende Planungsmängel, das Fehlen einer Linksabbiegespur von der Bundesstraße, Mängel des Schallschutzes und zu geringe Abstände zu den Nachbargebäuden. Punkte, die in Stellungnahmen zum Bebauungsplan deutlich gemacht wurden, auf die der Investor und Bauherr bisher aber nicht einging. Zudem liegt nun offenbar ein Gutachten vor, das die Gefährdung der Hangstabilität feststellt. „Regelmäßig flutet die Baustelle mit Wasser, und durch Wasseraustritt aus der Befestigung wird diese destabilisiert“, berichtet Anwalt Bernhard Schex. Bei dieser Thematik gehe es um Leib und Leben, und die bauliche Lösung könnte eine erhebliche Umplanung erfordern.

Nachbarn an Perronstraße wundern sich über Vorgehensweise

Und dennoch nun eine Baugenehmigung: „Die Interessengemeinschaft Perronstraße nimmt die Vorgehensweise mit Verwunderung zur Kenntnis“, lässt Schex wissen und meint damit die Tatsache, dass der Bebauungsplan, der die durch das Vorhaben ausgelösten Probleme planerisch bewältigen soll, noch nicht in Kraft getreten ist. Auch sei nicht bekannt, ob und wie die zahlreichen und schwerwiegenden Einwände vom Stadtrat behandelt werden, wie dies eigentlich nötig wäre, so der Anwalt.

Lesen Sie hier: Perronstraße: Zwist um Klinikbau geht weiter

Die Vermutung der Nachbarn, das Landratsamt habe eine sogenannte „Planreife“ des Bebauungsplans angenommen und auf dieser Grundlage bereits im Dezember eine Baugenehmigung erteilt, bestätigt Tegernsees Bauamtsleiterin Bettina Koch: „Der Verfahrensstand des Bebauungsplans ist so weit fortgeschritten, dass das Landratsamt die Baugenehmigung erteilen konnte.“ Im Rahmen der dritten Auslegung des Entwurfs seien keine neuen Sachverhalte vorgetragen worden, die einem Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan entgegenstehen könnten, so Koch.

Nicht nur die vorzeitige Planreife stimmt die Interessengemeinschaft nachdenklich, sondern auch die Art der Bekanntmachung – über das Amtsblatt. „Üblicherweise werden Baugenehmigungen den Nachbarn zugestellt, wenn sie dem Vorhaben nicht zugestimmt oder Einwendungen gemacht haben“, so Schex. Dies sei nicht unbedingt ein Ausdruck eines offenen Umgangs.

Nachbarn: Bauherr hat Gespräche stets „kategorisch abgelehnt“

Verbunden mit der Veröffentlichung im Amtsblatt ist eine einmonatige Klagefrist. Vor Ablauf dieser Frist haben nun einige Mitglieder Klage beim Verwaltungsgericht München erhoben. „Es ist schade, dass es dazu kommen musste“, so der Anwalt. „Die Mitglieder der Interessengemeinschaft haben in den vergangenen drei Jahren stets Gesprächsbereitschaft gezeigt. Es wurde sogar zugesichert, dass Lösungen ohne Minderung der Baumasse gefunden werden. Der Vorhabenträger hat solche Gespräche stets kategorisch abgelehnt.“

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Überhaupt hält sich Burkhart zurück, was Aussagen zu seinem Vorhaben betrifft. „Der Aushub für die Gebäude ist nahezu fertig. Mehr will ich nicht sagen.“ Burkhart schweigt auch darüber, wer die Klinik künftig betreiben wird, eine Aussage, auf die die Öffentlichkeit längst wartet. Droht nun ein Baustopp? Wie geht’s weiter? Burkhart möchte sich nicht äußern. Bauamtsleiterin Bettina Koch kündigt zumindest an, dass sich der Stadtrat Anfang Februar mit dem Thema befassen und das Bebauungsplanverfahren mit dem Satzungsbeschluss formal beenden werde.

gr

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