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Baden ist an der Schwaighofbucht in Tegernsee eine heikle Angelegenheit. Wegen des Schlamms steht dort auch ein Warnschild.

Anwohner wollen endlich eine Lösung

Baden unmöglich: Schwaighofbucht verlandet

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Tegernsee - Die Schwaighofbucht könnte ein schöner Platz am Tegernsee sein. Wäre da nicht der tiefe Schlamm und bei Trockenheit auch ein übler Geruch. Die Bucht verlandet zunehmend.

Ein Schild am Ufer warnt: „Vorsicht Gefahr! Tiefer Schlamm.“ Nur wenige wagen sich trotzdem ins Wasser. „Aber da zieht’s einem die Badeschuhe aus“, erzählt Gertraud Eberwein (63). Nicht nur der Schlamm stört. „Da ist auch jede Menge Entendreck“, sagt Eberwein. Bei Hitze stinkt’s. Wohl fühlen sich in diesem Bereich vor allem die Mücken. Dass der Bereich an der Schwaighof-Anlage nicht so attraktiv ist wie andere Uferstreifen, nutzt eine ansonsten nicht gern gesehene Klientel: Viele Hundebesitzer kommen mit ihren Vierbeinern dorthin.

Für Eberwein, die in der Nähe wohnt, und etliche andere Anwohner ist das kein hinnehmbarer Zustand. „Da muss man doch was machen“, findet Eberwein. Ihre Forderung: Die Verlandung soll gestoppt und das Seeufer wieder in einen ansehnlichen Zustand versetzt werden. In früheren Zeiten sei dies geschehen, meint Eberwein. Da sei die Bucht immer wieder ausgebaggert worden, den Schlamm habe man auf ein Floß geladen und an einer tiefen Stelle im See versenkt. „Es gibt viele ältere Anwohner, die sich daran noch erinnern“, erklärt Eberwein. Sie findet: Die Zuständigen für den See sollen aktiv werden, um die Verlandung der Bucht zu stoppen.

Eine Interessensgemeinschaft will die Verlandung stoppen

Und sie ist nicht allein. Vor kurzem hat sich eine Interessengemeinschaft Schwaighofbucht zusammengeschlossen, um gemeinsam Druck zu machen. Adressaten des Protests gegen den aktuellen Zustand sind die Stadt Tegernsee und die Gemeinde Rottach-Egern, das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim, der Tourismusverband Tegernseer Tal und die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung. „Es erscheint uns sinnvoll, möglichst viele Ansprechpartner in das Vorhaben einzubinden“, heißt es im Protokoll der Interessengemeinschaft. Man appelliere an alle Beteiligten, die Sanierung der Bucht gemeinsam zu stemmen, statt sich gegenseitig die Verantwortung zuzuschieben.

Das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim sieht sich jedenfalls nicht in der Pflicht. Das Amt sei für Gewässerunterhalt und Hochwasserschutz zuständig, nicht für Badeplätze, macht Leiter Paul Geisenhofer klar. Die Verlandung von Seen sei ein natürlicher Prozess. „Es gibt keinen Anlass, Steuergelder einzusetzen, um die Bucht auszubaggern“, erklärt Geisenhofer. Daran, dass überhaupt jemals in dem Bereich ausgebaggert wurde, kann er sich nicht erinnern.

20.000 Kubikmeter Schlamm müssten weg

Die Tegernseer Bauamtsleiterin Bettina Koch hingegen weiß, dass das Wasserwirtschaftsamt in früheren Jahren die Mündung der Rottach ausgebaggert habe. „Aber weder das Wasserwirtschaftsamt noch die Stadt Tegernsee haben den Schlamm regelmäßig ausgebaggert und an anderer Stelle in den See gekippt“, stellt sie richtig. Ob und mit welchem Aufwand die Schwaighofbucht entschlammt werden könnte, hat die Stadt schon vor 15 Jahren prüfen lassen. Fazit: Die natürliche Verlandung kann man nicht verhindern, bestenfalls verzögern oder geringfügig verlagern.

Geprüft wurde Koch zufolge das Abbaggern oder Absaugen der Schlammschicht bis zu einem Meter Tiefe. Geschätztes Schlammvolumen: 20.000 Kubikmeter. Würde der Schlamm über Land entsorgt, müsste er vor dem Transport monatelang vorgetrocknet werden. „Anblick, Geruch und Insekten wären kaum zumutbar, weder für Anlieger noch Besucher“, gibt Bauamtsleiterin Koch zu bedenken. Zwei weitere Methoden wären die Verladung auf ein Schiff mit Verklappung an einer tieferen Stelle im See oder die Ableitung durch ein großes Rohr. Beides ist ökologisch umstritten. „Die Biologie des Sees wäre nach einer Schlammabsaugung zunächst massiv gestört und würde einige Jahre benötigen, um sich wieder zu erholen“, meint Koch. Alle drei Methoden hätten bereits damals Kosten in Höhe von mehreren 100.000 Euro ausgelöst, ohne eine Beteiligung des Freistaats Bayern. Der Schlamm würde zudem von Neuem wachsen.

Die Interessengemeinschaft will dennoch alles daran setzen zumindest eine Verbesserung zu erreichen. Sie sammelt Unterschriften, die ab Mittwoch ausliegen.

Unterschreiben kann man in Tegernsee bei: Agip Tankstelle, Bäckerei Eberwein, Gärtnerei Rauh, Klosterapotheke, Metzgerei Trettenhann, Ladys Boutique. In Rottach-Egern bei: Sepp’s Tabakinsel, Wallbergapotheke, Hypo Vereinsbank, Markthalle, Getränkemarkt Orterer, Kramerladl Mannhardt, Medicus Tegernsee. In Bad Wiessee bei: Gemüse Kussinger.

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