Corona Seenschifffahrt Tegernsee
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Freut sich, wenn’s bald losgeht: Stephan Herbst, der Ende September die Betriebsleitung bei der Seenschifffahrt am Tegernsee übernimmt. 

Seenschifffahrt am Tegernsee mit Prognose für Fahrgäste

Leinen los ab 4. Mai?

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Die Flotte am Tegernsee muss sich weiter gedulden, bis sie wieder ablegt. Frühestens ab 4. Mai könnte der Betrieb anlaufen, allerdings in stark eingeschränkter Form.

Tegernsee Seinen Start bei der Seenschifffahrt hatte sich Stephan Herbst anders vorgestellt. Der 30-jährige Tegernseer, der zuletzt im Bauamt der Stadt tätig war, ist seit 1. Januar mit an Bord und wird seitdem eingearbeitet. Ende September soll er die Nachfolge des bisherigen Betriebsleiters Lorenz Höß antreten, der sich in den Ruhestand verabschiedet. Am 21. März hätten die Schiffe wieder den Linienverkehr aufgenommen, eine erste Sonderfahrt mit Zithermusik und Menü wäre schon an Ostern geplant gewesen. Doch wegen der Corona-Beschränkungen ruht auch bei der Schifffahrt der Betrieb. Eine gute Gelegenheit, um alles auf Vordermann zu bringen. Hier ein kurzer Überblick, wie man bei der Schifffahrt die Zeit überbrückt und wann es weitergeht.

Die Schiffe

„Sogar unser Arbeitsboot befindet sich gerade im Dock und wird überholt“, erklärt Stephan Herbst. Die Wartung der kompletten Flotte, die das ganze Jahr über nur in abgespeckter Form durchgeführt werden kann, wird routinemäßig bereits im Winter erledigt. Das ist und war immer so. Schon vor Corona. „Da gehört die Überprüfung aller sicherheitsrelevanten Einrichtungen wie der Schwimmwesten ebenso dazu, wie der Check aller Motoren“, erklärt Herbst. Ein eigener Mechanikermeister sei dafür in den Docks zuständig. Zum Check-up gehört auch die Optik. „Wo nötig, wird der Anstrich überarbeitet“, sagt Herbst. Bei der „MS Tegernsee“ und der „MS Rottach-Egern“, den beiden baugleichen Ausflugsschiffen, war dies der Fall. Die „Wallberg“, Baujahr 1938, ein Schiff mit viel Charme und daher beliebt für kleinere Gesellschaften, wurde sogar komplett saniert. „Die Elektrik wurde komplett erneuert und neu aufgebaut“, berichtet der künftige Betriebsleiter, auch äußerlich steht die alte Dame neu da: Der alte Lack kam weg, ein neuer Anstrich her. Klingt nach viel Arbeit.

Die Verwaltung

„Auch in der Verwaltung haben wir genug zu tun“, betont Stephan Herbst. Was ihn betreffe, sogar mehr als gedacht. „Ich befinde mich ja noch in der Einarbeitung“, sagt der Tegernseer. Er müsse sich einen Überblick über die Dienstpläne verschaffen, die Bestellungen und Ersatzteile. Dann müssen alle Stornierungen bearbeitet werden. Etwa für Hochzeitsgesellschaften oder die Buchungen auf der Ausflugsschiffen. „Die Leute bekommen ihr Geld zurück“, betont Marcus Weisbecker, Prokurist bei der Bayerischen Seenschifffahrt. Es werde immer versucht, flexible Lösungen zu finden.

Das Personal

Corona zwingt auch die Schifffahrt zum Notbetrieb. „Am 1. April beginnen eigentlich die Arbeitsverträge der Saisonkräfte“, weiß Weisbecker. Sie stocken die Stamm-Mannschaft von elf Mitarbeitern in Tegernsee auf. Etwa 20 Mitarbeiter zählt die Schifffahrt im Sommer. „Wir haben niemanden entlassen, weil wir die Leute bei Normalbetrieb alle wieder brauchen“, sagt der Prokurist. Also habe man sie in Kurzarbeit geschickt.

Der Zeitplan

Noch vor Kurzem ging man bei der Seenschifffahrt davon aus, am 20. April den Fahrbetrieb in eingeschränkter Form wieder aufnehmen zu können. Seit dem neuen Corona-Fahrplan, den Bund und Länder festgelegt haben, wird auch für die Flotte am Tegernsee ein neuer Termin angesteuert: 4. Mai. „Das ist der aktuelle Sachstand“, sagt Michael Grießer, Geschäftsführer der Bayerischen Seenschifffahrt auf Nachfrage. Schließlich zähle die Schifffahrt nicht zum ÖPNV, sondern gelte als Ausflugsbetrieb.

Waldfeste und Seefeste wegen Corona abgesagt

Auch wenn es noch keine konkreten staatlichen Anweisungen gebe, so habe man sich schon Gedanken gemacht, wie der Betrieb dann laufen könnte. Am Tegernsee werde man wohl mit einem großen Rundfahrtschiff starten. „Wir werden ein paar Bänke und Sitze rausnehmen, um die Abstände einhalten zu können“, erklärt Weisbecker. So wenig Austausch und Begegnungsverkehr und so viel Schutz für Fahrgäste und Personal wie möglich lautet die Devise. Auf dem Hauptdeck soll noch eine Notkasse hinter einer Plexiglasscheibe eingerichtet werden. „Sollten wir überrannt werden vom Ansturm der Fahrgäste, dann werden wir ein zweites Schiff nachschieben“, kündigt Weisbecker an.

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Stephan Herbst freut sich, wenn’s bald losgeht. „Wir sind startklar“, sagt er. Seinen Schiffsführerschein, verrät der gelernte Packmittel-Technologe, der auch eine Verwaltungsausbildung bei der Stadt absolviert hat, habe er zwischenzeitlich auch in der Tasche.

Alle Infos zu Corona hier im Ticker

gr

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