Überquellende Mülltonnen an der Tegernseer Länd: Auch die großen Behältnisse können all die Pizzaschachteln kaum fassen.
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Überquellende Mülltonnen an der Tegernseer Länd: Auch die großen Behältnisse können all die Pizzaschachteln kaum fassen.

Bauhof im Dauereinsatz

Ausflügler-Ansturm am Tegernsee: Wenig Abstand, viel Müll - „Viele kriegen es einfach nicht hin“

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Pizza to go heißt Müll en masse. Je schöner die Sonne über dem Tegernsee strahlt, desto mehr quellen die Abfallbehälter am Ufer über. Die Biergärten dürfen nicht öffnen, also drängen sich die Ausflügler auf Parkbänken und essen auch dort.

Tegernseer Tal – „Wir kommen einfach nicht mehr nach“, sagt der Tegernseer Bürgermeister Johannes Hagn (CSU). Dabei fährt der städtische Bauhof inzwischen schon Sonderschichten, um die eigentlich so idyllische Seepromenade sauber zu halten. Doch wenn, wie am Wochenende, Kaiserwetter die Ausflügler scharenweise an den Tegernsee lockt, wachsen die Abfallberge schneller als die Mannschaft ausrücken kann.

Ein Problem ist vor allem die Kundschaft des sehr beliebten Pizzabäckers, dessen Erzeugnisse „to go“ reißenden Absatz finden. „Viele kriegen es einfach nicht hin, den Pizzakarton so zu falten, dass er in den Eimer passt“, seufzt Hagn. Um dem Übel zu begegnen, hat er mittlerweile mehrere große graue Mülltonnen an die Promenade gestellt. Auch dafür hat sich Hagn schon Kritik eingefangen: „Weil die nicht schön sind.“ Aber inzwischen leere der Bauhof die Behältnisse zwei bis drei Mal am Tag. Mehr sei einfach nicht möglich: „Wir haben ja auch noch andere Arbeit.“

Ausflügler am Tegernsee: Besucher drängen sich auf den Parkbänken

Problematischer noch als die überquellenden Mülltonnen ist die Enge auf den Parkbänken. Oft sitzen die Menschen dort dicht an dicht, ohne Abstand und ohne Maske. Nach dem jüngsten Sonnen-Wochenende hat Hagn viele Fotos erhalten, alle mit ähnlichem Motiv: Ausflügler, die im Bereich Schlossbrennerei , Rathaus und Länd Schulter an Schulter sitzen. Er habe die Bilder an die Wiesseer Polizei weitergeleitet, berichtet Hagn. Die Stadt sei für Abstandskontrollen nicht zuständig. Zum Glück, so Hagn, werde die örtliche Polizei vom Polizeipräsidium Oberbayern unterstützt, damit genügend Beamte zur Verfügung stehen.

Tegernsee: Polizei verstärkt Kontrollen zu Ostern

„Aber wir können nicht überall sein“, erklärt Andreas Loeffler, Stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Bad Wiessee. Fotos von Situationen, bei denen Abstände nicht eingehalten werden, seien durchaus hilfreich. „So können wir das Geschehen einschätzen.“ Das Ausflügler-Aufkommen am vergangenen Wochenende habe sich aus Sicht der Polizei aber noch im Rahmen dessen bewegt, was bei einem Schönwetter-Sonntag im Frühling am Tegernsee üblich sei. Für den Streifendienst am kommenden Osterwochenende habe das Polizeipräsidium Oberbayern ein eigenes Konzept entwickelt.

Dass es die Menschen zu den schönsten Plätzen ziehe, sei ja nicht grundsätzlich verwerflich, erinnert Rottachs Bürgermeister Christian Köck (CSU). „Wenn die Gastronomie geöffnet ist, freuen wir uns darüber.“ Aktuell mache sich das To-go-Geschäft aber auch in Rottach-Egern durch unerfreuliche Hinterlassenschaften bemerkbar. An das Bild habe man sich inzwischen gewöhnen müssen: „Es ist aber nicht schön.“ Und es betrifft alle Orte rund um den Tegernsee. Auch die To-go-Stände in Bad Wiessee ziehen an Sonnentagen viele Menschen an.

Viele Verwarnungen für Falschparker

Prägnant bleibt dabei das Verkehrsproblem. Um das schlimmste Chaos zu verhindern macht Rottach-Egern teils die Zufahrt zum Sutten-Parkplatz dicht. „Wenn alles voll ist, muss man halt auch mal zumachen“, erklärt Köck. Die Stadt Tegernsee hat beim Zweckverband eine verstärkte Verkehrsüberwachung gebucht. Allein am vergangenen Sonntag habe es 90 Verwarnungen für Falschparker gegeben, berichtet Bürgermeister Hagn. Die Stadt könne aber nur bedingt gegensteuern, um den Verkehrsdruck zu mildern: „Wir können nicht ganz Tegernsee einzäunen.“

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