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Auch in Tegernsee fahren Senioren bald gratis mit dem Bus. 

Stadtrat genehmigt Angebot für ein Jahr

Seniorenticket: Tegernsee unter Zugzwang

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Ist das kostenlose Seniorenticket ein „Königsweg“, um den ÖPNV in Fahrt zu bringen? In Tegernsee gibt’s Zweifel. Dennoch sieht sich der Stadtrat unter Zugzwang und macht mit.

Tegernsee – Die Gemeinden Rottach-Egern,Gmund und Bad Wiessee haben bereits beschlossen, ihren Senioren ab 65 Jahren das kostenlose Ticket für RVO-Busse ab 1. Januar 2020 anzubieten. Daher sahen sich die Stadträte in Tegernsee ein wenig unter Druck, als es jetzt auch hier um die Einführung des Seniorentickets ging. 1154 Personen, also etwa ein Drittel der Stadtbewohner, könnten das Ticket theoretisch beantragen. Wäre das ein Weg, um den Verkehr zu entlasten?

„Ich bin hin- und hergerissen“, gestand selbst Verkehrsexperte Peter Schiffmann (FWG). „Ich bezweifle, ob ein kostenloser ÖPNV der Königsweg ist.“ Er frage sich auch, ob es sinnvoll sei, sich über Jahr

e mit dem Angebot zu binden, während doch das Ziel sei, dem MVV beizutreten, dann werde es ohnehin für Senioren günstiger.

Reihum kamen kritische Stimmen. Norbert Schußmann (CSU) bezeichnete die Aktion als „völlig konzeptionslos“. Er sei skeptisch, sehe sich aber von den anderen Talgemeinden „eingezwickt“. Im Übrigen wäre die Einführung des Seniorentickets durchaus ein Thema für eine talweite Abstimmung gewesen, so Schußmann.

Kostenlos Busfahren für Senioren am Tegernsee: „Weiterer Mosaikstein“

Für eine komplette Überprüfung des Angebots, hin zu kostenlosem ÖPNV oder einem günstigem Ganz-Jahresticket war Thomas Mandl (SPD). Das Angebot sehe er als weiteren Mosaikstein. Es gehöre jedoch dazu, auch Strecken zu optimieren und barrierefreie Busse einzusetzen. Nach Ansicht Mandls sollte es auch Angebote für andere Bevölkerungsgruppen geben, um das Mobilitätsaufkommen zu reduzieren.

Peter Friedrich Sieben (FWG) bezweifelte, dass es damit dazu kommen werde. Das Angebot müsste landkreisweit eingeführt werden, zudem sei die Altersgrenze von 65 Jahren willkürlich gewählt. „Was ist mit Frührentnern?“, fragte Sieben. Fraktionskollege Andreas Obermüller pflichtete ihm bei. Gilt die Karte nur im Tal? Das wollte Rudolf Gritsch (CSU) wissen. Sie kann auf allen RVO-Linien genutzt werden könne, außer nach München und zum Achensee, wusste Geschäftsleiter Hans Staudacher.

Peter Schiffmann meldete sich erneut zu Wort. Er wundere sich, dass es manchen jetzt nicht schnell genug gehen könne, „dabei war der ÖPNV den meisten 25 Jahre lang wurscht.“ Es sei nicht sinnvoll, „den 25. Schritt vor dem ersten zu machen“ und meinte damit die generelle Verbesserung des ÖPNV-Systems. Die Seniorenkarte solle man als Pilotversuch und Testphase deklarieren. „Wenn wir alles subventionieren, dann fehlt uns nämlich am Ende das Geld zur Verbesserung des gesamten Angebots“, sagte Schiffmann, der grundsätzlich eine Sozialkarte auf Landkreisebene favorisiert.

Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) hielt es für „sehr sinnvoll“, die Seniorenkarte auszuprobieren. Der komplette Stadtrat stand am Ende trotz kritischer Stimmen dahinter. Allerdings müssen zu jedem Quartal Zahlen vorgelegt werden. Der Versuch soll ab 1. Januar ein Jahr lang laufen.

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