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Für den Neubau des Feuerwehrhauses wird der Spielplatz (vorne) in den Kurgarten verlegt, auf seiner Flächen entsteht der Parkplatz für die Feuerwehrler. Der Altbau (hinten r.) wird abgerissen. 

Stadtratssitzung zu Anfragen der Initiative Pro Feuerwehrhaus

Feuerwehrhaus: Stadt bleibt bei Beschlüssen

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Die Initiative Pro Feuerwehrhaus hat für kräftigen Wirbel in der Öffentlichkeit und viel Arbeit im Rathaus gesorgt. Jetzt hat der Stadtrat aber entschieden, bei seinem eingeschlagenen Weg zu bleiben.

Tegernsee – Der Sitzungssaal war rappelvoll. Mitglieder der Initiative Pro Feuerwehrhaus, besorgte Tegernseer, Feuerwehrler, Kreisbrandrat Anton Riblinger, Kommandant Wolfgang Winkler, Architektin Claudia Schreiber – alle warteten gespannt darauf, wie die Verwaltung und der Stadtrat mit den Anträgen der Initiative nach deren Unterschriftenaktion umgehen würden. Noch einen Tag vor der Sitzung schob die Gruppe Ergänzungen nach. Und auch die Bürgerliste legte mit zwei Anträgen und Schreiben nach – obwohl sie am Ratstisch vertreten und an sämtlichen Entscheidungen beteiligt war. Entscheidungen, mit denen die Stadt seit 2015 beschäftigt ist und die darin mündeten, den Altbau abzureißen und mit einem Neubau mit neun Garagen und einer Waschhalle zu planen (Varianten K oder L). 

Obwohl es sich nicht um offizielle, sondern nur um formlose Anträge handelte, setzte sich die Verwaltung akribisch mit der Variante J (Erhalt des Altbaus und Neubau einer Halle) auseinander. Ein neuer Ortstermin wurde organisiert, Stellungnahmen der Feuerwehr und der Regierung von Oberbayern eingeholt. Das Ergebnis wurde auf 22 Seiten zusammengefasst, die Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) und Bauamtsleiterin Bettina Koch abwechselnd Zeile für Zeile vorlasen.

Darin wurde dargelegt, warum es nicht möglich wäre, in einem umgebauten Feuerwehrhaus die DIN-Vorschriften und Unfallverhütungsvorschriften umzusetzen. „Bei der Variante J ist eine zukunftsorientierte Planung nicht möglich“, so das Resümee. Der Bau einer nebenstehenden Halle würde zudem acht Meter über dem Niveau der Hochfeldstraße liegen. „Dann müssen wir halt die Hochfeldstraße anheben“, warf Vize-Bürgermeister Heino von Hammerstein (Bürgerliste) später ein.

Lesen Sie hier auch, was der Kommandant schon zu den Vorschlägen gesagt hat.

Auch das Argument von möglichen Kosteneinsparungen in Höhe von 1,8 Millionen Euro widerlegte die Stadt: Schon der Umbau würde 4,42 Millionen Euro verschlingen, die Kosten seien „unabwägbar“. Zudem gäbe es keine Fördermittel. „Wenn Geld keine Rolle spielt...“, diese Formulierung fand die Stadt zum Thema Tiefgarage. Die Initiative hält sie für machbar und wichtig, weil dann der Spielplatz erhalten werden könnte. Gegen die dafür nötige Rampe (Hammerstein: „Warum nicht beheizt?“) argumentierte auch die Feuerwehr.

Lesen Sie hier auch: Warum die Unterschriften-Aktion nach Ansicht eines Stadtrats formale Mängel aufwies.

Bis ins kleinste Detail wurde jedes Argument der Initiative und der Bürgerliste beackert: Von der dringend nötigen und bislang fehlenden Trennung kontaminierter Kleidung, die für die Initiative lediglich ein organisatorisches und kein räumliches Problem darstellt, bis zur Waschhalle, die nicht erforderlich sei und über die keine andere Wehr im Tal verfüge. Ausführlich ging’s um das Raumprogramm und die Größe und Anzahl der Duschen und Toiletten. „Im Ergebnis geht es um zwei Kloschüsseln mehr oder weniger“, konnte sich Hagn nicht verkneifen. Recht ausführlich begründeten Stadt und Feuerwehr einen vorgesehenen Fitnessraum. Von der Vorbereitung auf körperliche Höchstleistungen beim Einsatz war darin ebenso die Rede wie von der Tatsache, dass dem generellen Interesse der Jugend am Sport Rechnung getragen werden müsse. Die Jugend könnte damit besser an die Feuerwehr gebunden werden. Ausführlich dokumentierte die Stadt zudem die Gründe zum fehlenden Denkmalschutz für das alte Feuerwehrhaus.

Dass Heino von Hammerstein anschließend noch einmal zum Plädoyer zu den einzelnen Punkten ausholte, brachte ihm Kopfschütteln und auch Spott ein: „Heino, wo warst du die letzten vier Jahre?“, wunderte sich Peter Schiffmann.

Hammerstein versuchte es am Ende mit zwei konkreten Anträgen: Die Stadt solle einen separaten Platz für die Waschhalle suchen und die Variante J mit Tiefgarage anstelle der bisherigen Beschlüsse weiterverfolgen. Er war der einzige Befürworter, sah dies aber ein und schloss sich dann dem Weg des kompletten Stadtrats an: Demnach wird aufgrund des „sicherheitsrelevanten Defizits der Variante J“ am bisherigen Beschluss zum Bau eines Neubaus mit neun Garagen und einer Waschhalle festgehalten. Bis zur nächsten Sitzung soll auf Basis der Varianten K und L erarbeitet werden, wie auch Wohnungen zu realisieren sind. Der Stellplatz soll oberirdisch auf dem Spielplatz angelegt werden.

Das sagen die Stadträte:

Laura Mandl, SPD: „Wir haben um dieses emotionale Thema sehr gerungen. Aber die Argumente überwiegen. Ich habe mich für den Abriss entschieden und bleibe dabei. Die Aktion hat gezeigt, dass wir künftig besser mit den Bürgern interagieren sollten.“

Peter Schiffmann, SPD: „Eine Alternative hätte es am ehemaligen Krankenhausgrundstück gegeben, wenn man es gekauft hätte. Aber der damalige Stadtrat hat den Fehler gemacht und es nicht getan. Jetzt haben wir den Dreck im Schachterl.“

Thomas Mandl, SPD: „Der Aufwand für den Umbau des alten Feuerwehrhauses steht in keiner Relation zum Gewinn. Der neue Bau darf nicht auf Kante gebaut werden und muss ein würdiger Nachfolgebau werden.“ Martina Niggl-Fisser, Bürgerliste: „Von 2013 bis 2017 hab’ ich für den Erhalt gekämpft, und das war leider ein einsamer Kampf. Dann wurde mehrheitlich der Abriss beschlossen. Ich werde konstruktiv an dieser Entscheidung mitarbeiten.“

Markus Schertler, CSU: „Es liegt noch viel Arbeit vor uns, lasst uns die Varianten K und L weiterführen.“ Norbert Schussmann, CSU: „Für die Idee, die Hochfeldstraße aufzuschütten, spielt Geld offenbar keine Rolle (an den Zweiten Bürgermeister Heino von Hammerstein gerichtet). Die Variante J ist nicht machbar im Sinne einer zukunftsfähigen Feuerwache.“

Peter Friedrich Sieben, FWG: „Auch wenn du jetzt beleidigt bist: Dein Auftreten ist ein Armutszeugnis für deine Arbeit.“ (Ebenfalls an die Adresse von Heino von Hammerstein gerichtet)

Andreas Obermüller, FWG: „Die Unterschriften werden in der Tonne landen, was respektlos ist. Die Aktion wurde dilettantisch ausgeführt. Ich hoffe, dass dieses Kapitel sich jetzt erledigt hat und kein Dauerbrenner wird.“

Thomas Mandl, SPD: „Ein Riss zwischen Herz und Verstand ging auch durch meine Familie.“ (Der Stadtrat zur Tatsache, dass seine Frau Mit-Initiatorin der Bürgerinitiative Pro Feuerwehrhaus ist).

Peter Schiffmann, SPD: „Heino, wo warst du in den letzten vier Jahren?“ (An Heino von Hammerstein gerichtet).

gr

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