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Innen- oder Außenbereich: Über dieses Grundstück an der Perronstraße musste der Tegernseer Bauausschuss entscheiden.  

Wiese der Perronstraße

Sollte hier wirklich ein Mehrfamilienhaus gebaut werden?

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Tegernsee - Innen- oder Außenbereich? Wiese oder gewinnbringendes Baugrundstück? Diese heikle Entscheidung musste der Tegernseer Bauausschuss treffen.

An der Perronstraße in Tegernsee-Süd, hinter dem Lidl-Komplex, dünnt die Bebauung aus. Große Grundstücke prägen das Bild. Hier, auf einer Fläche zwischen der Perronstraße und einer quer verlaufenden, dicht bewachsenen Baumreihe, soll ein Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage entstehen. Das zumindest wünscht sich ein Antragsteller, der zur jüngsten Sitzung des Tegernseer Bauausschusses einen Vorbescheidsantrag vorlegte.

Das Grundstück ist im Flächennutzungsplan als Grünfläche vermerkt. Der Bauausschuss musste nun entscheiden: Liegt der Grund im Innenbereich von Tegernsee oder im Außenbereich? „Keine einfache Entscheidung“, schickte Bauamtsleiterin Bettina Koch der Debatte voraus und lieferte zunächst Fakten: Geplant seien zwei versetzte, aber angrenzende Baukörper von 20 und 16 Metern Länge. Sie zeigte Luftaufnahmen der Umgebung, damit sich jeder ein Bild von der Lage, Größe und Entfernung anderer Häuser machen konnten. „Auf den ersten Blick fällt es mir schwer zu sagen, das Grundstück liegt im Außenbereich“, sagte Rudolf Gritsch (CSU). Er führte die große Bebauung des Lidl-Discounters und die dortige Wohnbebauung zum Vergleich an sowie die Pläne für eine Klinik und ein Sanatorium, die gegenüberliegend an der Perronstraße geschmiedet werden.

Die 80-Meter-Regel

Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) war zunächst der Ansicht, dass das Grundstück keine Baulücke darstelle – auch wenn es für beide Großprojekte, Lidl und Klinik, Bebauungspläne gebe. Desweiteren führte er an, dass es ein Gerichtsurteil gebe, das sich im Kern auf eine „80-Meter-Regel“ stützt. Diese besage, dass die Entfernung zur nächsten Bebauung eine Rolle bei der Bewertung von Innen- oder Außenbereich spiele. Ab 80 Meter sei von Außenbereich die Rede. Im konkreten Fall zeigte Koch anhand einer Karte, dass die Entfernungen zu den nächsten Gebäuden 106 und 138 Meter betragen würden – also ein klarer Fall für einen Außenbereich.

Als weiteres Kritierium stand zur Debatte, ob die Baumreihe und ein dazwischen verlaufender Bach Kriterien für die Eingrenzung eines Grundstücks seien. Er sei für sich zu der Entscheidung gekommen, so Hagn, dass dies hier nicht der Fall sei. „Wir müssen das komplette Umfeld betrachten“, argumentierte der Rathauschef. „Und da sage ich: Es handelt sich um eine große Wiese.“ Zudem war Hagn der Ansicht, dass mit der Ausweisung als Innenbereich erst recht eine Baulücke entstehen würde. 

Gritsch war weitaus weniger skeptisch: „Wo ist das Problem, wenn hier gebaut wird?“, fragte er in die Runde. „Das ist doch eh nur eine Mulde.“ Thomas Mandl (SPD) riet von einer Kennzeichnung als Innenbereich ab: „Das würde doch einen Dominoeffekt nach sich ziehen.“

Nach ausführlicher Debatte und gründlichem Abwägen traf der Bauausschuss dann mehrheitlich und nur gegen das Votum von Rudolf Gritsch die Entscheidung: Die Fläche liegt im Außenbereich, eine Bebaubarkeit ist damit nicht möglich. aus dem Mehrfamilienhaus wird nichts. Tegernsee setzt damit ein Zeichen, dass es höchst sorgsam mit seinen Flächen im Stadtgebiet umgeht.

gr

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