"Wir sind mehr als am Limit"

Asyl in Turnhalle: Neue Details und Reaktionen

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Tegernsee - Die Dreifachturnhalle in Tegernsee wird eine Asylbewerber-Unterkunft. Die Nachricht sorgte für viel Wirbel. Jetzt sind weitere Details bekannt - und es gibt erste Reaktionen.

Am Montagabend, nach der Sitzung des Bauausschusses, ließ Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) die Bombe platzen: Tegernsee muss sich bereit machen für 150 bis 200 weitere Asylbewerber. Sie sollen in mehreren Etappen voraussichtlich ab 6. August in die landkreiseigene Dreifachturnhalle am Gymnasium einziehen. Darüber, so Hagn, sei er kurz vor der Sitzung von Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) informiert worden.

Bereits ab Freitag, dem letzten Schultag, soll die Halle mit Hilfe des Technischen Hilfswerks (THW) entsprechend umgebaut werden. Über den bestehenden Hallenboden muss ein Holzbelag gelegt werden, bis zu 150 Betten sind aufzustellen, so das Landratsamt am Dienstag in einer Pressemitteilung. Für die Halle werden Sicherheitskräfte zur Verfügung gestellt, das Catering erfolgt in der Halle. Die 40 Menschen, die hier auf engstem Raum leben, sollen Mitte August in die Dreifachturnhalle verlegt werden. Die städtische Turnhalle soll dann soweit hergerichtet werden, dass zum Schulstart wieder ein Notbetrieb für Schüler und Vereine möglich ist. Das Landratsamt sucht außerdem Grundstücke, um dort eine Traglufthalle aufzustellen. Weil Container inzwischen ausverkauft sind, sei das eine letzte Möglichkeit, Asylbewerber unterzubringen.

In einem Brief an den Landrat legte Hagn am Dienstag den Standpunkt der Stadt Tegernsee dar. Weder der Bürgermeister, noch die Verwaltung wollen sich der Hilfe entziehen, heißt es darin. Man habe aber kein Verständnis dafür, dass über die Köpfe der Stadt hinweg Entscheidungen zum Nachteil von Tegernsee getroffen werden. Vielmehr müsse man gemeinsam der Verantwortung gerecht werden, „auch gegenüber der Bevölkerung, den Mitarbeitern und der Öffentlichkeit“, heißt es in dem Schreiben. Hagn fordert: Das Wohlwollen der Bevölkerung gegenüber den Asylbewerbern dürfe nicht verspielt werden, nötig sei ein Konzept, das für alle Beteiligten verträglich ist.

Was Hagn bereits in der Sitzung betonte, bekräftigte am Dienstag die Helferkreis-Verantwortliche Eva Nentwich. „Wir sind mehr als am Limit“, sagt Nentwich, die sich mit einem Kern von 20 Personen derzeit um die Flüchtlinge kümmert. Sie kritisiert, vom Landkreis vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden und nicht in Entscheidungen eingebunden zu sein. „Was jetzt auf uns zukommt, können wir nicht mehr leisten“, sagt sie klipp und klar.

Klingt wie eine Abfuhr an den Landkreis, der laut Pressesprecher Gerhard Brandl sehr wohl auf die Unterstützung der Helfer vor Ort setzt. Am Dienstag, nachdem der erste Schock der Nachricht verdaut war, fanden bereits Gespräche statt. Laut Bürgermeister mit den Kirchen, der Stadtverwaltung sowie mit dem Helferkreis, um hier den Landkreis im Rahmen des Möglichen zu unterstützen.

Wie steht’s um die Solidarität im Tal? Rottachs Bürgermeister Christian Köck (CSU) hat Hilfe bereits in Sachen Sportunterricht angeboten. In Bad Wiessee wird noch verhandelt. Konkret geht’s um das etwa 1500 bis 2000 Quadratmeter große Grundstück, auf dem sich die ehemaligen Realschul-Container befanden. Es käme von der Größe her für eine Traglufthalle also in Frage, so Brandl. Die Fläche gehört Bürgermeister Peter Höß und seinen Brüdern. Weil der Container-Markt leergefegt ist, käme hier nur eine Traglufthalle für Asylbewerber in Frage, so Brandl. Eine solche habe man sich schon gesichert - schließlich könne auch dieser Markt bald leer gefegt sein, so der Pressesprecher. Ein weiteres Grundstück habe das Landratsamt schon angeboten bekommen.

Rubriklistenbild: © sta

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