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Deutlich zu sehen: die Verlandung der Schwaighofbucht.

Debatte über die Schwaighofbucht

Wird der Schlamm jetzt chemisch geimpft? Oder kommt ein Wassergarten?

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Wie geht’s weiter mit der Schwaighofbucht? Im Stadtrat wurde über die Ergebnisse eines Workshops informiert. Jetzt soll geprüft werden, ob der Schlamm chemisch behandelt werden kann.

Tegernsee – 60 000 Kubikmeter Schlamm haben sich in der Schwaighofbucht angesammelt. Das stinkt den Anwohnern buchstäblich. Seit 15 Jahren kämpfen sie darum, dass etwas unternommen wird – allen voran Gertraud Eberwein, die schon 2015 eine Interessengemeinschaft gegründet und über 1200 Unterschriften gesammelt hat. Unterstützt wird sie vom Verein „Rettet den Tegernsee“, der immer wieder Dampf macht. Die Stadt hat sich dem Problem angenommen, ist aber nur Koordinator. Denn: Die Zuständigkeit für den Tegernsee liegt beim Freistaat Bayern. Den Leidtragenden dauert jedoch das Hin- und Herschieben von Verantwortlichkeiten, die vom Freistaat, über Umweltministerium, Schlösser- und Seenverwaltung, bis zum Wasserwirtschaftsamt reichen, viel zu lange.

Aufnahme vom Juli 2018.

Im Februar fand nun endlich der angekündigte Workshop mit Behörden- und Vereinsvertretern statt. Die Ergebnisse präsentierte Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) im Stadtrat. 

Es zeigte sich: Das Ausbaggern und Absaugen und anschließende Einbringen des Schlamms in tiefere Seebereich oder die Mangfall ist ebenso wenig möglich wie die Entsorgung an Land. Vor allem die extrem hohen Kosten sprechen dagegen.

Nächste Variante: Das Impfen des Schlamms mit chemischen, biotechnischen oder mikrobiologischen Stoffen. Der Verein „Rettet den Tegernsee“ hatte diese Methode, die in einem Fischweiher in Oberfranken schon getestet wurde, bereits bei seiner Hauptversammlung im Oktober vorgestellt.

Auch die Verlegung und Begradigung der Rottach-Mündung gehört zu den möglichen Maßnahmen. Ob wegen der Windverhältnisse ein Ablagern von Sedimenten aber tatsächlich verhindert werden könnte, erschien fraglich. 

Warum nicht den natürlichen Prozess der Verlandung annehmen und durch gezielte Aufschüttungen unterstützen? Auch diese Varianten lag auf dem Tisch. Und schließlich wäre die Schaffung eines botanischen Wassergartens mit Stegen und Plattformen eine Möglichkeit, wie mit dem Schlamm-Problem umgegangen werden könnte.

Lesen Sie hier: Die Anwohner finden, dass endlich was passieren muss.

„Lassen wir’s doch gut sein und der Natur freien Lauf“, fand Martina Niggl-Fisser (Bürgerliste). Keine Variante sei für sie wirklich zielführend. Fraktionskollege Florian Kohler pflichtete ihr bei. Überhaupt erschloss sich ihm nicht ganz, welches Problem die Leute mit dem Schlamm hätten. „Geht es nur ums Baden?“, fragte Kohler.

Das Impfen des Schlamms erschien einigen Stadträten höchst bedenklich. „Es handelt sich um Peroxid“, wusste FWG-Sprecher und Apotheker Andreas Obermüller. Unmengen des Stoffs seien einzubringen, um, wenn überhaupt, zu einem Ergebnis zu kommen. Er war dafür, das Thema ans Umweltministerium weiterzureichen, damit dieses eine Entscheidung treffe. 

Rudolf Gritsch (CSU) bezeichnete das Einbringen von Chemikalien und Hilfsstoffen in einem freien Gewässer als eher „unrealistisch und schwierig“, und auch Markus Schertler (CSU) hielt das Eingreifen des Menschen in die Natur mit diesem Verfahren für höchst fraglich.

Lesen Sie hier: So verlief der Besuch der früheren Umweltministerin in Tegernsee.

Erhebliche Bedenken hatte auch Vize-Bürgermeister Heino von Hammerstein (Bürgerliste). „Das ist extrem riskant. Ich bin dagegen, den See als Versuchsobjekt zu verwenden.“ Die Entwicklung sei zumutbar, so von Hammerstein, der den Vorschlag für einen Wassergarten attraktiv fand. Er würde das Thema Baden ersetzen, Touristen anlocken und die Ökologie beachten.

SPD-Sprecher Thomas Mandl warf der Staatsregierung „Versagen“ bei diesem Thema vor. „Jetzt zu sagen, wir machen nichts und schauen zu, wäre falsch“, fand Mandl. Und außerdem ein schlechtes Signal an die Bewohner von Tegernsee-Süd, von denen ohnehin viele fanden, sie gehören gar nicht mehr zu Tegernsee.

Nach einer ausführlichen Debatte war es für Hagn an der Zeit, eine Linie zu ziehen. „Wir haben viel Zeit und Geld investiert, jetzt ist es gut“. 

Seinem Beschlussvorschlag schloss sich am Ende die Mehrheit von 14:3 Stimmen an. Der lautet: Tegernsee erwarte, dass sich das Umweltministerium der Angelegenheit annehme, das wird die Stadt jetzt in einem Schreiben klarmachen. Dem Ministerium wird auch empfohlen, die Impf-Methode zu untersuchen und weiter zu verfolgen. Sollte sich ergeben, dass sie nicht eingesetzt werden kann, dann will die Stadt, dass mit dem Verschlammungsprozess „progressiv“ umgegangen wird. Sprich: Ein Wassergarten solle ins Auge gefasst werden.

gr

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