Hotel Der Westerhof Tegernsee
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Der bisherige Hotel-Komplex Westerhof über dem Tegernsee.

Bebauungsplan für neues Gesundheitshotel Westerhof nun gültig

Westerhof: Ein Berg von Einwänden ist abgetragen

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Elf Jahre hat der Bebauungsplan für den Westerhof die Stadt beschäftigt. Jetzt wurde ein Schlusspunkt gesetzt. 

Tegernsee – Ein luxuriöses Gesundheitshotel mit 134 Zimmern und 270 Betten sowie 50 Personalzimmern, Chalets an der Olaf-Gulbransson-Straße und einem Wellnessbereich im terrassierten Hang möchte der Mediziner und Unternehmer Andreas Greither aus seinem bisherigen Hotel Westerhof über dem Tegernsee machen. Geschätztes Investitionsvolumen: 80 Millionen Euro. Die Pläne für einen Umbau wurden immer wieder erneuert und zuletzt in einen „Masterplan“ gepackt. Bei der letzten Sitzung des bisherigen Stadtrats stand jetzt der letzte Beschluss zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan an. „Nach elf Jahren“, wie Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) bemerkte, ehe Bauamtsleiterin Bettina Koch hinzufügte, dass es sich um das längste Bebauungsplanverfahren handle, das es in der Stadt je gegeben habe.

„Der Stadtrat hat immer wieder deutlich gemacht, dass er dieses Vorhaben befürwortet“, schickte Koch ihren Erläuterungen vorweg. Drei öffentliche Auslegungen des Bebauungsplans hätten zu etlichen Optimierungen auch im Sinne des Naturschutzes und zu neuen Gutachten geführt. Zu grundsätzlich neuen Überlegungen hätten die Stellungnahmen zur dritten und letzten Auslegung zwischen August und Oktober 2019 aber nicht geführt, so Koch.

Sie fasste die Stellungnahmen von Behörden stichpunktartig zusammen. Darin war von der Verträglichkeit des Projekts mit der umliegenden Wohnbebauung die Rede und von einem gerichtlichen Nachbarschaftsstreit, vom geforderten Ausbau der Olaf-Gulbransson-Straße und dem negativen Einfluss des Vorhabens auf dieNeureuthstraße. Dass Greither den Ausbau der Zufahrt noch vor dem Hotelbau anpacken muss, sei vertraglich geregelt, so Koch. Es ging auch um ökologischen Ausgleich, um Artenschutz, den Abfluss von Regenwasser über Regenrückhaltebecken und um Georisiken.

Rund 50 Privatleute protestieren gegen das Projekt. Ihre Kritikpunkte und die vorbereiteten Abwägungen der Stadt konnte Koch wegen des großen Umfangs ebenfalls nur schwerpunktmäßig zusammenfassen. Kritisiert werden unter anderem Defizite bei landschaftspflegerischen Belangen, Auffüllungen und Abgrabungen. Die Nachbarn machen ihre Betroffenheit deutlich und befürchten, dass die Bauten wie „Fremdkörper“ wirken. Sie fordern, den Plan maximal zu reduzieren. Kritik üben die Privatleute am „unrealistischen“ Betriebskonzept, am Stellplatzkonzept und an der Erschließung. Sie befürchten zudem, dass sich der Bau negativ auf die Hangstabilität auswirken werde, und dass der Lärmschutz zu gering dimensioniert sei. In ihrer Abwägung hält die Stadt die Belastungen für „vertretbar“, auch wenn sie sich des Eingriffs bewusst ist.

Auch die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal hat protestiert.

Westerhof-Pläne in Tegernsee: „Ein paar Nummern zu groß“

Peter Schiffmann (FWG), künftig nicht mehr im Stadtrat vertreten, fand es zwar „super, dass was passiert“. Er lehnte das Vorhaben, wie es jetzt geplant sei, jedoch ab: „Es ist mir ein paar Nummern zu groß und zu sehr aufs Maximale ausgereizt.“ Die Visualisierung, die einen riesigen Querriegel zeige, habe den Rest gegeben. Laura Mandl (SPD), ebenfalls künftig nicht mehr am Ratstisch, machte ihre Ablehnung so deutlich: Dieses „gigantische Projekt“ stehe im Widerspruch zu den Zielen des sanften Tourismus. „Fakten hin oder her, das Projekt ist mir zu groß“, begründete die ausscheidende Martina Niggl-Fisser (BürgerListe) ihre Ablehnung. Angesichts der langen Planung und eines „Hotelkastens“, der vielleicht schon stehen würde, wagte Thomas Mandl (SPD) ein Gedanken-Experiment: „Wäre dieser Bau jetzt in Coronazeiten nicht schon ruinös?“

Der ausscheidende Norbert Schußmann (CSU) hielt das Projekt an dieser Stelle für „tolerierbar“, auch wenn es nicht zu übersehen sein wird. Zu kritischen Nachbarn sagte er: „Auch Ihr habt die freien Wiesen dort einmal zugebaut.“ Peter Friedrich Sieben (FWG), ebenfalls das letzte Mal am Ratstisch, fand es gar ermüdend, immer wieder die gleichen Fakten zu lesen. „Sie sollen jetzt zählen.“ Das tun sie auch: Gegen vier Stimmen wurde mehrheitlich ein Schlusspunkt unter den Bebauungsplan gesetzt. Er ist damit genehmigt.

Alle neuen Infos zu Corona lesen Sie hier in unserem Corona-Ticker.

gr

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