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Ursula Bertele mit d en bisherigen Bronze-Anhängern.

Goldschmiedin ist sauer auf die Stadt

Tegernseer Windlicht-Regatta heuer ohne Engerl?

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Wenn die Grundschüler am Freitag, 7. Dezember, bei der Windlichtregatta ihre selbst gebauten Schifferl den Alpbach hinunter jagen, dann ist das ein Riesenspaß. Doch hinter den Kulissen gibt‘s Ärger.

Tegernsee – Knapp 80 Mädchen und Buben, und damit fast alle Schülerinnen und Schüler, machen heuer wieder mit. Sie treffen sich am Freitag, 7. Dezember, ab 16.15 Uhr an der Brücke in der Rosenstraße, um ihre Schifferl in den Alpbach zu setzen. Um 17 Uhr fällt der Startschuss. Dann zeigt sich nicht nur, welches Boot die Strecke bis zur Seemündung am schnellsten schafft. Auch die schönsten Exemplare werden prämiert.

Von Anfang an gibt‘s für jedes Kind ein Engerl

Die Windlicht-Regatta hat eine lange Tradition in Tegernsee, wurde von Franz Pütz „erfunden“ und findet zum 45. Mal statt. Ebenso lange ist es der Brauch, dass alle Teilnehmer von der Goldschmiede Bertele mit einem kleinen Bronze-Engerl belohnt werden. Die Stadt kaufte die Engerl zum Selbstkostenpreis, das ist seit jeher so vereinbart. Doch heuer ist alles anders: „Ich sehe mich nicht mehr in der Lage, die Engerl zum Selbstkostenpreis zur Verfügung zu stellen“, sagt Ursula Bertele. Sie biete der Stadt allerdings an, den Anhänger zum ganz normalen Preis, abzüglich eines zehnprozentigen Rabatts, zu beziehen.

In einem ausführlichen Brief an Rathauschef Johannes Hagn legt Ursula Bertele dar, wie es zu dem Meinungsumschwung kam. Die Veranstaltung sollte Teil der Tegernseer Weihnacht sein, deren Grundgedanke es gewesen sei, die Einheimischen an den Adventssamstagen in Tegernsee zu halten, Besucher anzulocken und alle zu animieren, hier ihre Geschenke zu kaufen, statt in die Stadt zu fahren. Die Kinder sollten mit ihren Vätern und Großvätern die Schifferl bauen und diese am Nikolaustag den Bach hinunter sausen lassen. Die Preisverleihung sei dann ganz bewusst auf dem Christkindlmarkt in der Rosenstraße über die Bühne gegangen. Bei dieser Gelegenheit hätten die Familien den Markt besucht und einen Einkaufsbummel durch die Stadt unternommen. 

„Ertrag für Tegernseer Geschäfte geht gegen Null“

Seit der Verlegung des Marktes auf den Schlossplatz würde zwar eine riesige begeisterte Besucherschar kommen, „doch der Rest des Orts und unsere Läden bleiben leer“. Diese Erfahrung habe sie erst am vergangenen Wochenende wieder machen können. So schön dieser Event auch sei, findet Bertele, „der Ertrag für den Ort geht mit Ausnahme des Bräustüberls gegen Null.“

Lesen Sie hier auch: Diese Idee haben Geschäftsleute für Werbesäulen.

Dass die Siegerehrung inzwischen ohne Publikum während der Schulzeit stattfinde, setze leider diese Politik fort, „die völlig außer Acht lasse, dass ein für den Tourismus attraktiver Ort auch eine lebendige Geschäftswelt benötige. „Ganz zu schweigen von Einnahmen durch Fremdenverkehrsabgabe und Steuern“, so Bertele. Sie könne dies gemeinsamen mit vielen Kollegen nur bedauern. Gleichzeitig fände sie es schön, wenn Bürgermeister und Stadtrat diese Entwicklung zum Anlass nehmen würden, sich Gedanken zu machen, wie man die Stadt zum Wohle aller entwickeln und die Geschäftswelt gezielt fördern könnte.

Rathauschef Hagn sieht aktuell keinen Grund, die Engerl zum vollen Preis zu kaufen. Die Gründe für die Entscheidung Ursula Berteles wollte er nicht näher kommentieren. Hagn verweist an die Schule.

Dort nennt die Rektorin Gründe für die Entwicklungen, die Bertele kritisiert. „42 Prozent unserer Kinder haben einen Migrationshintergrund“, erklärt Claudia Horstmann. „Wenn wir nicht einen Nachmittag zum Basteln der Boote in der Schule anbieten würden, dann könnten viele Kinder gar nicht mitmachen.“ Auch sei die Siegerehrung am Samstagmittag in der Rosenstraße oder am Schlossplatz nicht mehr zu organisieren gewesen, da ein Großteil der Eltern mit ihren Kindern zuletzt einfach nicht gekommen sei.“ Daher finde die Siegerehrung seit dem vergangenen Jahr in der Schule statt – heuer am 17. Dezember, um 10 Uhr. Sie sei gerne bereit, über Organisationsformen zu diskutieren, sagt Claudia Horstmann.

Ihre Tradition wird die Windlicht-Regatta aber behalten. Ob mit oder ohne Engerl, wird sich zeigen.

Lesen Sie hier die Übersicht über die Adventsmärkte.

gr

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