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Gefährlich nahe kommen diese Standup Paddler dem Motorschiff "Tegernsee". 

Verkehr auf dem Wasser nimmt ständig zu

Gedränge auf dem Tegernsee: Wer hat Vorfahrt?

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Tegernseer Tal - Bei schönem Wetter herrscht dichtes Gedränge auf dem See. Oft kommt es zu gefährlichen Situationen. Doch wer hat eigentlich Vorfahrt?

Der brenzliche Zwischenfall passierte in Rottach-Egern, nahe des Bootsanlegestegs Überfahrt: Ein Boot der Staatlichen Seenschifffahrt legte ab und nahm seinen Kurs auf – ohne Rücksicht auf einen Standup Paddler zu nehmen, der gerade hier unterwegs war. „Ich bin ins Wasser gesprungen, um nicht überfahren zu werden“, berichtet der Paddler, der namentlich nicht genannt werden möchte, der Tegernseer Zeitung. Er habe den Kapitän angebrüllt, doch der soll ihm nur den Stinkefinger gezeigt haben. 

Unschöne Szenen wie diese spielen sich offenbar häufig ab auf dem See. „Das Thema kocht“, weiß Stephan Eder (38) vom Sailingcenter in Bad Wiessee. Immer wieder würden ihm Gäste von „unsensiblem Verhalten der Kapitäne“ berichten. „Das kann’s nicht sein“, sagt Eder, „Wir sind doch eine Touristen-Region.“ Ihn ärgere, dass sich die Bootsführer der Seenschifffahrt trotz aller Regeln nicht „seemännisch“, also verständnisvoll, gegenüber den Wassersportlern verhalten, „sondern wie Busfahrer im Straßenverkehr“. Die Situation sei „ungut“, findet der 38-Jährige. 

"Der Schutz der Badenden geht vor"

Für Lorenz Höß, Betriebsleiter der Staatlichen Schifffahrt Tegernsee und damit Chef von aktuell 14 Kapitänen, ist die Lage eindeutig: „Es gibt klare Regeln, und die räumen unseren vier Linien- und Fahrgastschiffen die Vorfahrt ein.“ Alles, was sich im Wasser tummelt, muss sich von den Anlegestellen fernhalten“, erklärt Höß. Und wenn sich trotzdem Schwimmer im Wasser befinden? „Der Schutz der Badenden geht dann vor“, betont der Betriebsleiter. Es werde gehupt, „und notfalls ist dem Kapitän freigestellt, den Steg nicht anzufahren.“ Zu gefährlichen Situationen komme es oft, sagt Höß, vor allem in Seeglas, wo sich viele Badende im Wasser tummeln und beim Bräustüberl in Tegernsee. Der Umsicht der Kapitäne sei zu verdanken, dass bisher nichts passiert sei. Verhindern soll dies eine mehrtägige Sicherheitsschulung, der sich die Kapitäne jährlich vor dem Saisonstart unterziehen. 

Trotz aller Regeln: „Wenn nicht Rücksicht genommen würde, tät’s öfter scheppern“, ist Sepp Grieblinger, Bootsverleiher in Bad Wiessee überzeugt. Er weist die Nutzer der Ruder-, Tret- und Elektroboote ein, bevor er sie ins Wasser entlässt. Das macht auch Stephan Eder. Und dennoch hat er sich jetzt eine Anzeige eingehandelt: Die Crew eines seiner Segelboote wollte am Steg in Abwinkl anlegen – zeitgleich mit einem Motorschiff. „Es kam zum Streit, danach hat der Kapitän das Sailingcenter angezeigt“, berichtet Heinz Klawonn, Bootsführer bei der Polizei Bad Wiessee. Der Fall liegt inzwischen beim Landratsamt Miesbach. „Es drohen bis zu 5000 Euro Bußgeld“, erklärt Landratsamts-Sprecher Birger Nemitz. 

Könnte die Situation eskalieren, angesichts der immer dichter werdenden Armada an Booten? Neben der Flotte der Seenschifffahrt sind etwa 35 Motorboote legal zugelassen, rund 60 Elektroboote stehen bei Verleihern zur Verfügung, zudem gibt’s 20 zeitlich begrenzte Gastgenehmigungen, rund 200 Segelboote haben eine Zulassung, dazu kommen genehmigungsfreie Ruder- und Tretboote, Surfer – und eben auch Standup Paddler. Eine Obergrenze hat die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung als Herrin über den Tegernsee nicht festgelegt. Wohl aber Vorfahrtsregeln. 

So sehen Regeln und Rangfolge aus: 

Motorschiffe: Die Linienschiffe der Seenschifffahrt haben grundsätzlich Vorfahrt. Ausnahme: Polizei- und Wasserrettungsboote im Einsatz. 

Berufsfischer: Sie sind zweitrangig auf dem See eingeordnet.

Segelboote: Sie müssen nur Fischern und Linienschiffen ausweichen. Ihr Vorteil: Bei Flaute müssen ihnen alle anderen die Vorfahrt gewähren – auch die Linienschiffe. Untereinander gilt: Wer den Wind von rechts hat, hat Vorfahrt.

Ruderboote: Sie sind den oben genannten untergeordnet.

Baden, Sporttauchen und SUP-Sport: Dies ist im Umkreis von 100 Metern zu den Anlegestegen nicht gestattet, die Schifffahrt darf nicht behindert werden. 

Wasser-Fahrzeuge mit Maschinenantrieb müssen 300 Meter Uferabstand halten, Segelfahrzeuge 100 Meter.

gr

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