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Die Niere - so wird das geplante Hotel auf dem Krankenhaus-Gelände wegen seiner Form genannt - macht einer Stadträtin zu viel Schatten.

Auf dem Krankenhaus-Areal

Neues Hotel: Stadträtin fürchtet Schatten für ihr Haus

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Tegernsee - Die Planung des Krankenhaus-Areals samt nierenförmigem Hotel beschäftigt den Stadtrat. Der musste jetzt die Frage klären: Wie stark leidet die Umgebung unter dem Schatten der Niere?

Die Planung zur Bebauung des seit fast zwei Jahrzehnten brachliegenden Krankenhaus-Areals macht Fortschritte. Die Residenzgruppe Bremen als Investor des Hotels in Form einer Niere – oder auch Bohne – hat inzwischen den aufwändigen städtebaulichen Durchführungsvertrag unterzeichnet. In nicht-öffentlicher Sitzung hat der Stadtrat am Dienstagabend die Unterschrift von Bürgermeister Joahannes Hagn (CSU) unter das Dokument genehmigt. 

Wie berichtet, ist ein Hotel geplant, in dem Pflegebedürftige und deren Angehörige gemeinsam Urlaub machen können, zudem sollen drei Wohnhäuser gebaut werden, die im „Tegernseer Modell“ zu vergünstigten Preisen an junge Familien vergeben werden. Jetzt musste die Stadt sämtliche Stellungnahmen beackern, die im Zuge des Bebauungsplanverfahrens ins Rathaus flatterten. 

Eine kam von Stadträtin Martina Niggl-Fisser (Bürgerliste). Sie hat vor einigen Jahren ein Privathaus sehr nah an das Krankenhaus-Areal herangebaut, nun sorgt sie sich um die „Verschattung“ im Umfeld der Niere. Um nicht Gefahr zu laufen, dass das Bauprojekt gestoppt werden könnte, falls Einwände fehlerhaft abgewägt werden, ließ die Stadt durch ein Ingenieurbüro die Auswirkung der Gebäude auf die künftigen Lichtverhältnisse prüfen. Und siehe da: Die Beschattung des Hauses von Niggl-Fisser, die zur Sitzung persönlich nicht anwesend war, wäre nach Ansicht des Gutachters vertretbar. Die Richtlinien würden dort eingehalten, fasste Bauamtsleiterin Bettina Koch die Ergebnisse zusammen. Nur punktuell, so Koch, würden die Richtwerte einer entsprechenden DIN-Norm unterschritten. Davon betroffen sei das Gebäude an der Bahnhofstraße 34 und verschiedene Wohnungen auf dem Krankenhaus-Areal selbst. 

„Wir haben das Thema sehr ernst genommen“, berichtet Hagn von den vorausgegangenen Planungsgesprächen mit den Architekten des Innsbrucker Büros ATP. Mit Taschenlampen habe man in einem großen Modell die Lichtverhältnisse nachgespielt. „Das Ergebnis war eben dann die Niere“, sagt Hagn. Ihre ungewöhnliche Form hat der Stadtrat in Abwägung aller Vor- und Nachteile akzeptiert. 

In Summe argumentiert die Stadt in Sachen Licht und Schatten: Die geringfügige Beeinträchtigung sei zumutbar, zumal die Bebauung des Areals drei Ziele verfolgt: Sie stärkt die Innenentwicklung Tegernsees, schafft Wohnraum für junge Familien und stärkt den Tourismus. Die Planung mache eine Verdichtung des Ortsbilds erforderlich, so die Stadt, aber sie verhindere den Eindruck einer „riegelartigen Bebauung“, der mit einem rechteckigen Bau entstünde. 

Unter anderem nahm auch das Landratsamt Stellung. Dessen Einwände und Forderungen beziehen sich eher praktische Dinge. So dürfe der fließende Verkehr durch die Einfahrt zur zweistöckigen Tiefgarage nicht beeinträchtigt werden, LKW-Lieferverkehr dürfe nur zwischen 6 und 22 Uhr erlaubt werden, die Alleebäume an der Hochfeldstraße, die der Baumaßnahme zum Opfer fallen, müssten nachgepflanzt werden. Der Bebauungsplan ist nun unter Dach und Fach. „Wir warten jetzt auf den Bauantrag“, sagt Hagn. Er hoffe, dass noch heuer die Bauarbeiten beginnen.

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