Villa am See in Tegernsee-Süd
+
Leerstand an prominenter Stelle: Wann in der Villa am See und den zugehörigen Bauten wieder Leben einzieht, ist noch ungewiss.

Eigentümer schweigt zu Plänen

Zukunft der Villa am See: „Alles ist offen“

Seit fast drei Jahren liegt die Villa am See in Tegernsee-Süd im Dornröschenschlaf. Wie es mit der Immobilie und dem zugehörigen Gastro-Schiff weiter geht, ist völlig offen. Der Eigentümer schweigt zu den Plänen.

  • Die Villa am See in Tegernsee-Süd wartet seit drei Jahren auf eine neue Nutzung
  • Der Eigentümer will sich derzeit nicht näher zu Plänen äußern
  • Die Stadt muss handeln, denn die Veränderungssperre läuft im Dezember aus

Tegernsee – Als in der Villa am See in Tegernsee noch das Besteck klapperte, war auch die MS Bad Wiessee eine Attraktion. Hier konnte auf originelle Weise gefeiert werden, zuletzt tischte mit Erich Schwingshackl sogar ein Sternekoch auf. Seit fast drei Jahren ist die Villa am See nun geschlossen, und auch das historische Holzschiff, das aus dem Jahr 1934 stammt, einst zur Flotte der Tegernsee-Schifffahrt gehörte, dann aber ausrangiert wurde und seit zehn Jahren zur Villa am See gehört, kämpft mit ihrem Schicksal: Während eines Gewitters Anfang Juli war die alte Lady in Schieflage geraten und voll gelaufen. Damit keine Gefahr für den See entsteht, hatte die Feuerwehr den Bereich mit Ölsperren gesichert, ein Gutachter wurde beauftragt – und gab zunächst Entwarnung, was eine eventuelle Verunreinigung des Tegernsees betrifft. Für die Wasserbehörde am Landratsamt war der Fall damit abgeschlossen.

Gutachter soll über das Schicksal der MS Bad Wiessee entscheiden

Doch was passiert nun mit dem Gastro-Schiff? „Motor und Getriebe sind bereits ausgebaut“, erklärt ein Sprecher der Münchner De Lago GmbH mit Geschäftsführer Michael Sachs auf Nachfrage. Die Firma hat vor etwa zwei Jahren die Villa am See mitsamt Boot von dem Unternehmer Klaus Hurler erworben und ebenfalls einen Gutachter engagiert. „Der soll klären, welche Maßnahmen nötig wären, um das Boot zu sanieren und was das kosten würde“, erläutert der Sprecher. Man wolle sich Zeit lassen mit dem Gutachten, Devise: „Lieber solide als schnell.“

So wie sich die De Lago GmbH überhaupt Zeit lässt mit dem Objekt am Fuße des Leebergs. Schon 2018 fasste der Stadtrat ins Auge, einen Bebauungsplan aufzustellen, um damit die Hand auf der Planung zu haben und die touristische Nutzung zu sichern. Mehrfach befasste man sich mit Voranfragen zum Umbau und zur Umnutzung der Villa am See, teils für Wohnungen. Zudem war die Rede davon, dass auch die auf dem benachbarten Hügel gelegene Villa abgerissen und durch zwei je zweigeschossige Villen mit vier bis acht Wohnungen und Tiefgarage ersetzt werden soll. „Die Anträge auf Vorbescheid sind genehmigt“, weiß Bauamtsleiterin Bettina Koch. „Allerdings gibt es Klagen von Nachbarn.“ Sie erklärt auch, dass das Bebauungsplanverfahren vom Stadtrat nie weiter betrieben wurde.

Interessen der Stadt Tegernsee wurden vertraglich gesichert

Was folgenden Grund hat: Der Landkreis wollte schon 2018 auf Antrag der Stadt ein naturschutzrechtliches Vorkaufsrecht ausüben, um zu sichern, dass Flächen am See für die Allgemeinheit zugänglich bleiben. Verkäufer und Käufer, also Hurler und die De Lago GmbH, erhoben dagegen Klage vor dem Verwaltungsgericht. Allerdings war dem Käufer dann daran gelegen, die Angelegenheit mit der Stadt außergerichtlich zu regeln. „Die Stadt hat mit dem Käufer nach entsprechenden Verhandlungen einen städtebaulichen Vertrag geschlossen und dabei die Möglichkeit des Zugangs zum See geregelt“, berichtet Sophie Stadler, Sprecherin des Landratsamts. „Die Interessen der Stadt sind in dem Vertrag gesichert“, weiß auch die Bauamtsleiterin. In Folge habe die Stadt das Landratsamt gebeten, den Bescheid über das naturschutzrechtliche Verfahren zu widerrufen, was im März 2019 auch erfolgte. „Die Klage wurde vom Verwaltungsgericht für erledigt erklärt“, so Stadler.

Es soll wohl wieder ein Restaurant in der Villa am See geben

Wie es mit der Villa am See weitergeht, ist derzeit offen. Feststehen dürfte, dass der Wert der Immobilie wegen der explodierenden Preise der vergangenen Jahre weiter gesteigert wurde. „Alles ist offen“, betont der Sprecher der De Lago GmbH, die vor ihrer Umbenennung noch „Blitz 17-120 GmbH“ hieß. Es gebe verschiedene Alternativen, über die er zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen möchte. Nur so viel: Es soll offenbar wieder ein Restaurant geben in der Villa am See.

Die Veränderungssperre, die 2018 in Kraft getreten war, läuft heuer im Dezember aus, wie Bettina Koch wissen lässt. Um zu verhindern, dass lukrative Wohnungen aus dem Objekt werden, müsste sich die Stadt bald erneut damit befassen.

Gerti Reichl

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Anwohner laufen Sturm gegen neue BOB/BRB-Züge - „Das ist infernalischer Lärm“
Die neuen Lint-Züge, die seit Mitte Juni unter dem Namen Bayerische Regiobahn (BRB) durchs Oberland fahren, rauben vielen Gmundern Schlaf und Nerven. Der Grund ist …
Anwohner laufen Sturm gegen neue BOB/BRB-Züge - „Das ist infernalischer Lärm“
Tegernsee teils ohne Wasser - Weitere Ausfälle möglich
Am Donnerstagmorgen ist in Teilen der Stadt Tegernsee das Trinkwasser ausgefallen. Derzeit dauern die Arbeiten an. Weitere Ausfälle sind möglich.
Tegernsee teils ohne Wasser - Weitere Ausfälle möglich
Waldfest Ostin: „Ausfall ein Desaster“ - Skiclub-Chef spekuliert über spontanes Herbstfest
Wegen der Corona-Pandemie fällt auch das Waldfest des Skiclubs Ostin aus. Im Interview erklärt Vorsitzender Georg Reisberger, was das für den Club bedeutet.
Waldfest Ostin: „Ausfall ein Desaster“ - Skiclub-Chef spekuliert über spontanes Herbstfest
Andreas Schubert gestorben: Der Asphalt-Cowboy vom Tegernsee
Gmund – Andreas Schubert ist Fernfahrer fürs Leben - es ist eine Sucht, sagt er. Dabei hätte er schon mal fast aufgehört. Ein Porträt des Stars der DMAX Kultserie …
Andreas Schubert gestorben: Der Asphalt-Cowboy vom Tegernsee

Kommentare