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Tegernseer Architekt heimst Staatspreis ein

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Von: Gerti Reichl

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Der Architekt Axel Wolf aus Tegernsee wurde ausgezeichnet.
Der Architekt Axel Wolf aus Tegernsee wurde ausgezeichnet. © Thomas Plettenberg

Der Architekt Axel Wolf aus Tegernsee ist für seine Planung zur Sanierung des denkmalgeschützten Boschnhauses in Vagen (Kreis Rosenheim) mit dem Staatspreis für Dorferneuerung und Baukultur ausgezeichnet worden. „Mehr Mut für zeitgemäße Architektur“, fordert Wolf mit Blick auf die Baukultur am Tegernsee.

Tegernsee/Vagen – Das sogenannte Boschnhaus wurde 1435 erbaut und zählt damit zu den ältesten Gebäuden in Vagen. Zuletzt diente es als Requisitenlager, bis der Obst- und Gartenbauverein Vagen-Mittenkirchen auf die Idee kam, ein Haus der Begegnung für Jung und Alt daraus zu machen. 2012 wurde mit der Planung begonnen, 2018 wurde das Werk vollendet. Und jetzt ist es sogar preisgekrönt.

Staatspreis für Architekt aus Tegernsee: Boschnhaus ein identitätsstiftender Treffpunkt

Zu verdanken ist dies auch einem Architekten aus Tegernsee, denn gebaut wurde das neue Boschnhaus nach den Plänen von Axel Wolf. Der 64-jährige Architekt, die Gemeinde Feldkirchen Westerham und der Gartenbauverein Vagen haben dafür den diesjährigen Staatspreis für Dorferneuerung und Baukultur aus den Händen von Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber erhalten. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben und ist mit 3000 Euro dotiert. Axel Wolf und sein Projekt befinden sich damit in guter Gesellschaft mit 15 weiteren Preisträgern, die aus 1700 Bewerbern ausgewählt wurden. Alle Projekte wurden im Zuge der Dorferneuerung umgesetzt und staatlich gefördert. Insgesamt 50 Millionen Euro hat der Freistaat dafür zur Verfügung gestellt. „Mit dem neu errichteten Gebäudeteil überzeugt das Boschnhaus mit seiner herausragenden baukulturellen Qualität“, heißt es in der Laudatio. Der Scheunencharakter sei bewahrt und zeitgemäß weiterentwickelt worden. Mit der dorfgerechten Umsetzung sei ein identitätsstiftender Treffpunkt geschaffen worden.

Das Boschnhaus in Vagen (Kreis Rosenheim).
Das Boschnhaus in Vagen (Kreis Rosenheim). © privat

Es sei damals eine günstige Konstellation gewesen, sagt Axel Wolf bescheiden und erinnert sich, wie er zu dem Auftrag gekommen ist. Weil er sich durch etliche Projekte in der Gemeinde schon einen guten Namen gemacht hatte, wurde ihm die Überarbeitung eines bereits vorliegenden Entwurfs anvertraut. „Das hat sofort gepasst“, sagt Wolf und meint damit auch die folgende Zusammenarbeit und die enorme Eigeninitiative, mit der das Boschnhaus realisiert wurde. In jeder Hinsicht war das Projekt eine Herkulesaufgabe – auch finanziell. Baukostenzuschüsse der Gemeinde, Eigenleistung des Vereins, Spenden, ein Kredit sowie Zuschüsse aus Dorferneuerungs- und Leader-Mitteln trugen zur Realisierung des rund 790 000 Euro teuren Projekts bei.

Etwas mehr Mut für zeitgemäße Architektur.

Axel Wolf

Ob so ein Begegnungszentrum mitten im Dorf auch am Tegernsee möglich wäre? Wolf ist da skeptisch: „Die Gemeinden rund um den See sind anders gewachsen, das Zentrum jeder Gemeinde ist bei uns die Straße. Zudem“, so Wolfs Erfahrung, „ist zeitgemäßer Regionalismus offenbar nicht so gewünscht, sondern eher herkömmlicher Landhaus-Stil. Die Leute sehen eben gerne Holzverschalungen und Blumen. Etwas mehr Mut für zeitgemäße Architektur“, findet der in Rottach-Egern aufgewachsene Architekt, „würde dem Tegernseer Tal guttun.“ Dennoch sei es „erfrischend“, was jungen Architekten hier auch gelinge. Was das Thema Städtebau betrifft, so vermisse er hier einen übergeordneten Rahmenplan. „Der rote Faden muss stimmen, doch dafür wäre eine jahrzehntelange Arbeit nötig.“

Mit dem Boschnhaus hat Wolf nicht nur den Geschmack der Vagener, sondern auch der Staatsregierung getroffen. Für die 3000 Euro Preisgeld, berichtet er, gibt es schon Pläne: Damit sollen Naturquadersteine finanziert werden, die dann vor dem Boschnhaus in einem Bach verbaut werden. Als Attraktion für Kinder und weitere Bereicherung mitten im Ort.

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