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Abschied nach 20 Jahren. Norbert Kruschwitz ist seit 1996 Leiter des Tegernseer E-Werks. Mit 69 Jahren tritt er zum Monatsende den Ruhestand an.

Interview mit Direktor Norbert Kruschwitz

"Das Tegernseer E-Werk steht im Wettbewerb gut da"

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Tegernsee - Norbert Kruschwitz, Direktor des Tegernseer E-Werks, verabschiedet sich in den Ruhestand. In einem Interview spricht er über das Erreichte - und erinnert sich an einen schwierigen Start.

 Norbert Kruschwitz ist seit 1996 Leiter des Tegernseer E-Werks. Das Pensionsalter hat er schon vor vier Jahren erreicht. Aber er verlängerte gerne. Jetzt, mit 69 Jahren, verabschiedet sich der Nimmermüde, der in den Bereichen Wirtschaft und Technik zuhause ist, zum Monatsende in den Ruhestand. Die Zeit ist reif, meint er – und spricht von 20 glücklichen Berufsjahren am Tegernsee.

 Herr Kruschwitz, blicken wir zurück auf Ihren Start in Tegernsee. Wie stand das E-Werk damals da? 

Es wurde in der Branche belächelt. Damals gab es zu viel Personal, es wurde sehr ineffizient gearbeitet. Das E-Werk war eine Beschäftigungsgesellschaft mit knapp 90 Mitarbeitern. Heute hat der ganze Betrieb mit TKV (Anmerkung d. Red.: Tegernseer Kur- und Verkehrsbetriebe) und TEG (Tegernseer Erdgas-Versorgungs-Gesellschaft) 38 Mitarbeiter. Wegen diverser Entlassungen hatte sich schon mein Vorgänger unbeliebt gemacht. Ich konnte für die Personalreduzierung zum Glück die damals noch sehr guten Möglichkeiten für Frühpensionierungen nutzen sowie sozialverträgliche Lösungen finden. 

Heute ist das E-Werk nicht nur für den Strom verantwortlich, sondern über die TKV zum Beispiel auch für die Sauna. 

Die Seesauna macht viel Spaß, weil sie so guten Zuspruch findet. Die Sauna wird von Monte Mare mitbetrieben, aber die Investition in den Bau hat das E-Werk allein geschultert. Unser Unternehmen tätigt schon seit Jahren keine Ausschüttungen mehr an die Stadt Tegernsee als Eigentümerin, sondern übernimmt stattdessen städtische Aufgaben. Viel Geld haben wir auch in das ehemalige Hallenbad im Kurgarten gesteckt. Das Gebäude mit dem Medius und der Trainingstherapie darin steht heute gut da.

Aber Tegernsee hat kein Hallenbad mehr.

Es war eine politisch diffizile, aber richtige Entscheidung des damaligen Bürgermeisters Peter Janssen, das Hallenbad 2004 zu schließen. Es war sehr in die Jahre gekommen und verursachte pro anno ein Defizit von einer Million Euro. Das Tegernseer Tal hat insgesamt 27 000 Einwohner. Da reicht es, dass es in Bad Wiessee ein öffentliches Hallenbad gibt. -Als regionaler Versorger mit vielen Aufgaben ist es nicht leicht, sich auf dem heiß umkämpften Strommarkt zu behaupten. Aber wir stehen im Wettbewerb gut da. Wir haben günstige Preise, und unsere Kunden danken uns das. Es kommt auch gut an, dass wir uns in der Region engagieren. Bei den Unternehmen, also den Großabnehmern, sind es die in der Region verwurzelten, die bei uns Kunden sind. So wie zum Beispiel ein bekanntes Unternehmen, das Bergbahnen betreibt und auch ein Gut in Kaltenbrunn hat. Bei Hotels, deren Eigentümer irgendwo in der Ferne ihren Sitz haben, ist das nicht so. Die nehmen ihre dortigen Anbieter. Schwierig ist es auch mit staatlichen Betrieben. Die machen bayernweit riesige Ausschreibungen, die in der Regel nur von Großunternehmen geschultert werden können. Die viel gepriesene Mittelstandspolitik sieht anders aus.


Im letzten Jahr Ihrer Amtszeit haben Sie das Netz des E-Werks erweitert und Gmund ins Boot geholt. Wie wichtig war das?

Das war ein Meilenstein. Wir haben über zehn Jahre lang um Gmund gekämpft, auch vor Gericht. Mein Dank gilt dabei der Gemeinde Gmund, die uns trotz der Umstände die Treue gehalten hat. Gmund war so wichtig, weil wir dadurch den Versorgungsring schließen können. Das ist der technische Grund. Es gibt auch einen wirtschaftlichen. Um den steigenden Anforderungen gewachsen zu sein, brauchen wir auch eine optimale Betriebsgröße. Im Moment wird das Netz entflochten. Ab Januar 2017 können wir Gmund dann versorgen. -Wie viel muss das E-Werk dafür investieren? Der Kauf des Netzes hat einen Millionenbetrag gekostet. Ich bitte um Verständnis, dass ich die Summe nicht nennen kann. Für die Entflechtung wenden wir eine weitere Million Euro auf. Während der Übergangsphase wird der technischen Abteilung sehr viel abverlangt. Wir vergrößern aber unseren Mitarbeiterstamm nicht und vergeben deshalb die Netzentflechtungsarbeiten an regionale Subunternehmer. Die Kosten wirken sich nicht auf den Strompreis aus. Ich habe vorgesorgt und jahrelang für den Ringschluss Geld zur Seite gelegt. 

Wo sehen Sie die Herausforderungen der Zukunft?

Es ist schwer abzuschätzen, worin die Herausforderungen genau liegen werden. Es ändern sich ständig die Rahmenbedingungen. Um die zu bewältigen, braucht man gute Leute. Und die haben wir. Meine Nachfolge übernehmen gleich zwei Experten. Manfred Pfeiler wird geschäftsführender Werkleiter. Stellvertretender Werkleiter wird der bisherige Technische Leiter Frank Thinnes.

 Und wie stehen Sie zur Energiewende?

Die Bürgerstiftung Oberland hat das Ziel ausgerufen, bis 2035 energieautark zu werden. Da muss ich klar sagen: Das ist nicht zu machen. Um umweltfreundlichen Strom anbieten zu können, setzt das E-Werk seit jeher auf Wasserkraft – durch eigene Anlagen und durch Dritte. Ansonsten sind die Möglichkeiten beschränkt. Tiefen-Geothermie geht bei uns technisch nicht, wir sind kein Solar-Gebiet, Windkraft ist bei uns nicht zulässig. Manche meinen ja, im Tegernseer Tal gibt es so viel Wald, da könnte man auf Hackschnitzel als Energiequelle umsteigen. Aber man muss auch daran denken, dass hier oft eine Inversionswetterlage herrscht. Wenn da alle mit Holz heizen, hat das nachteilige ökologische Folgen. Denken Sie an das heilklimatische Prädikat der Seegemeinden. Interessant wären die Holzvergasung und die Nutzung des Sees als Wärmequelle für ein Kraftwerk. Aber bis jetzt sind diese Verfahren sehr teuer.

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