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Auch den Barocksaal, die heutige Aula, möchte Direktor Werner Oberholzner für den Unterricht herrichten. 

Schüler sollen ab 20. Mai zu Prüfungen antreten

Tegernseer Gymnasiasten in Sorge: Faires Abitur überhaupt möglich?

  • Gabi Werner
    vonGabi Werner
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Wochenlang waren wegen Corona die Schulen dicht - demnächst sollen die Abschlussjahrgänge wieder durchstarten. Doch ist ein faires Abitur unter diesen Umständen möglich? Am Tegernsee sorgt man sich.

Tegernsee – Am übernächsten Montag (27. April) soll es also soweit sein: Zumindest die Abschlussjahrgänge der weiterführenden Schulen sollen dann nach insgesamt sechs Wochen Abstinenz – inklusive Osterferien – wieder in den bayerischen Klassenzimmern einrücken. Ganz wohl ist Laura Strüber, Q12-Schülerin des Gymnasiums Tegernsee, bei diesem Gedanken nicht.

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Wie will die Schule bis dahin die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus in den Griff bekommen? „Da gibt es noch extrem viele offene Fragen“, meint die 17-jährige Tegernseerin, die weiß, dass auch viele ihre Mitschüler Angst haben vor diesem Schritt. „Ich will mich nicht zwischen Gesundheit und Abitur entscheiden müssen“, sagt Strüber klipp und klar.

Jahrgangsstufensprecherin Laura Strüber.

Doch die Sorge um die Gesundheit ist nur das eine. Ab dem 20. Mai sollen die Abschlussjahrgänge – in Tegernsee sind das gut 70 Schüler – zu den Abitur-Prüfungen antreten. Für Strüber ist klar: Angesichts des wochenlangen Schulausfalls und der fehlenden Prüfungsvorbereitung sei ein faires Abitur wohl kaum möglich. Als Zweite Jahrgangsstufensprecherin der Q12 in Tegernsee hat sie sich deshalb einer Schülergemeinschaft angeschlossen, die den Verzicht auf die klassische Abi-Prüfung fordert. Stattdessen könnte es etwa ein Durchschnittsabitur geben. Sprich: ein Abitur, für das die bisherigen Halbjahresleistungen entscheidend sind. Etwa 2500 Schüler haben dieses Anliegen bereits per Unterschrift unterstützt, knapp 50 vom Gymnasium Tegernsee.

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„Die Unsicherheit unter den Schülern ist groß“, gibt Strüber zu bedenken. Wie viele ihre Mitschüler auch muss die 17-Jährige in den nächsten drei Wochen noch vier Klausuren schreiben, die wegen Corona bisher nicht stattfinden konnten. Obendrauf kommt der Lernstoff fürs Abitur. Klar, man habe auch zuhause lernen können, räumt Strüber ein. Ein adäquater Ersatz für die Prüfungsvorbereitung in der Schule sei dies aber nicht. Viele Abiturienten hätten zuhause keine gute Internet-Verbindung oder auch nicht die nötigen Rückzugsmöglichkeiten zum Lernen. Wird es am Ende für ein erfolgreiches Abi reichen? Diese Frage treibe nun viele um. „Da ist alles extrem verwirrend und stressig“, sagt Strüber.

Schulleiter des Gymnasiums Tegernsee hat Verständnis für die Ängste der Schüler

Werner Oberholzner, Direktor des Gymnasiums Tegernsee, kann die Ängste und Sorgen seiner Abiturienten gut nachvollziehen. „Die Schüler stehen unter einem enormen psychischen Druck“, weiß Oberholzner. Ihm ist bewusst, dass die Abschlussjahrgänge ihre Prüfungen heuer in einer extremen Ausnahmesituation schreiben müssen. Der Zeitplan mit den noch ausstehenden Klausuren und dem Abi-Start am 20. Mai sei „sehr sportlich“, räumt der Schulleiter ein. Aber: Er sei zu schaffen. „Ich glaube, dass wir gerade noch die Möglichkeit haben, ein sauberes Abitur hinzubekommen“, meint Oberholzner. Und er versichert: Angesichts der Vorgeschichte würden alle Verantwortlichen bei den Abitur-Prüfungen „mehr als fair sein“.

Auch den Direktor stellt die derzeitige Lage vor enorme Herausforderungen. Die Informationen dazu, unter welchen Voraussetzungen ein Unterricht im Schulgebäude wieder stattfinden kann, seien noch äußerst „überschaubar“, sagt Oberholzner. Fest steht nur: Höchstens 10 bis 15 Schüler dürfen pro Raum unterrichtet werden, je Schüler braucht es vier Quadratmeter Platz. Oberholzner ist froh, dass er noch eine Woche Zeit hat, um die nötigen Vorbereitungen zu treffen. „Wir werden auch die Aula bestuhlen, um sie für den Unterricht nutzen zu können.“ Dort stehen immerhin 200 Quadratmeter zur Verfügung. Die Abitur-Prüfungen selbst werden, so glaubt der Direktor, hingegen wohl in sechs bis acht verschiedenen Räumen stattfinden müssen, um den geforderten Mindestabstand wahren zu können.

Söder hat bereits klar gestellt: Er will ein normales Abitur

Das klingt alles nicht danach, als würden die Prüfungen – wie von den Schülern gefordert – tatsächlich gecancelt. Auch Ministerpräsident Markus Söder hat bereits angekündigt, dass es in Bayern trotz Corona ein normales Abitur geben werde. Ganz aufgeben möchten Laura Strüber und ihre Mitstreiter ihr Ansinnen aber noch nicht. Der Landesschülerrat werde sich mit weiteren Vorschlägen an die Staatsregierung wenden, sagt Strüber.

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