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Im Vorjahr lief noch alles nach Plan: die Tegernseer Kunstausstellung 2014 zum Thema „Heimat“ bei ihrer Eröffnung im Alten Schalthaus. Im Vordergrund ist „Das Bayerische Frühlingsballett“ von Cornelia Heinzel-Lichtwark zu sehen.

Keiner will mehr organisieren

Tegernseer Kunstausstellung vor dem Aus

Tegernsee - Die jährliche Tegernseer Kunstausstellung gibt Zeugnis von der künstlerischen Schaffenskraft der Region. Jetzt aber steht ihre Fortführung in Frage.

Von einem Wendepunkt in der Geschichte der Tegernseer Kunstausstellung sprach Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn beim Neujahrsempfang der Stadt (wir berichteten). Denn Ursula-Maren Fitz, die die Werkschau drei Jahre lang federführend organisierte, zieht sich zurück, um einige größere Aufträge umzusetzen und konzeptionell an eigenen Dingen zu arbeiten. „Wenn das Ehrenamt den Beruf zeitlich überlagert, dann ist das zu viel. Das ist der Grund, warum ich das Ehrenamt nach drei Jahren abgebe“, erklärt die Waakirchner Künstlerin.

Ein Nachfolger ist bisher noch nicht gefunden. „Bis jetzt weiß ich offiziell nicht, wer weitermacht. Ich könnte mir vorstellen, dass es wieder ein Team ist mit Vertretern aus jeder Sparte: Malerei, Fotografie und bildende Kunst“, sagt Hagn, der als Tegernseer Bürgermeister traditionell Schirmherr der Veranstaltung ist. Die Stadt selbst sieht sich nicht in der Pflicht. „Dafür fehlt uns die Zeit und auch die Kompetenz. Schließlich ist es eine Ausstellung von Künstlern für Künstler“, stellt er klar. „Aber würde sie nicht mehr stattfinden, wäre das ein Verlust.“

Die Tegernseer Kunstausstellung gehört zu den Veranstaltungen, um die man das Tal beneidet: eine Werks- und Leistungsschau, die durch Aktualität und hohes Niveau geprägt ist, und die von Künstlern für Künstler organisiert und durchgeführt wird. Das ist in der Kunstszene, in der andernorts nicht selten ein Hauen und Stechen herrscht, eine Seltenheit, dass es so kollegial und respektvoll zugeht. Dass das so ist, liegt an den Initiatoren der Veranstaltung: Die Titanen der Tegernseer Künstlergemeinschaft, Olaf Gulbransson, Thomas Baumgartner, Herbert Beck und Ilse Hausner-Witschel, haben die Ausstellung einst aus der Taufe gehoben. „Es ist die älteste Kunstausstellung in der Region. Sie ist mit ihren 65 Jahren sogar älter als die Stadt Tegernsee selbst“, sagt Hagn. Und: „Sie ist aus Tegernsee nicht wegzudenken.“

Insbesondere deshalb nicht, da sie in den vergangenen Jahren erneut einen Entwicklungsschub erlebte. Nachdem die Veranstaltung über Jahre hinweg in Teamleistung organisiert worden war, übertrug das Team die Hauptverantwortung 2011 an den Dürnbacher Holzbildhauer Fabian Diem, der die Kunstausstellung regelrecht als Kunst-Happening inszenierte.

Unter der Federführung der Künstlerin Ursula-Maren Fitz wurde die Veranstaltung professionalisiert. Sie richtete die Schau nach einem Konzept aus, führte eine Bewertung durch eine fünfköpfige Fach-Jury ein, ging mit einer eigenen Homepage online, gewann zusätzlich zur Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee und zur Stadt Tegernsee inklusive ihrer Betriebe Unternehmen als Sponsoren und sorgte durch Themengebung für mehr Klarheit. Auch erwirkte sie Fördergelder vom Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, so dass sogar die Produktion eines Katalogs gesichert war.

Das Ergebnis zuletzt: mehr als 1000 Ausstellungsbesucher und ein überregionales Medieninteresse. „Dass es die Ausstellung nicht mehr geben soll oder dass sie auch nur ein Jahr ausgesetzt wird, ist eine äußerst schlechte Idee“, erklärt Elli Lindinger. Ihrem Mann, Hans Quirin Lindinger, oblag jahrelang die Organisation, zudem zog er die Veranstaltung seinerzeit vom Rathaus ins Alte Schalthaus um.

Auch wenn die nächste Werkschau erst wieder Mitte September stattfindet: Die Fördermittelanträge müssen bis März gestellt werden. Eile ist geboten, will man das Niveau halten. Und das ist das erklärte Ziel aller Beteiligten. „Wir sind auf der Suche. Aber es wird wohl wieder ein Team werden“, sagt Lindinger mit Blick auf den Arbeitsaufwand und im Namen der jahrelangen Mitstreiter ihres Mannes, Hans Weidinger, Hans Schneider und Peter Keck.

Die Drei organisieren bereits die GmundArt und haben kurz vor Redaktionsschluss zu verstehen gegeben, dass sie noch ein Ass im Ärmel haben: „Eventuell wird die Tochter von Sepp Mohr, Eva Knevels, selbst Künstlerin und teils wohnhaft im Tal, die Ausstellungsorganisation betreuen.“ Knevels hat schon die Sonderausstellung „Gründerväter: Sepp Mohr, Josef Oberberger und Herbert Beck“ bei der 60. Kunstausstellung konzipiert.

Von Alexandra Kortimorth

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