Tegernsee Kaffeekapsel Feel Good Coffee
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Vertriebsleiter Carsten Leber (l.) und Marcus Berthold, Inhaber und Geschäftsführer von „Feel Good Coffee“, mit der kompostierbaren Kaffeekapsel. 

Neues Unternehmen vertreibt kompostierbare Kaffeekapseln

Tegernseer Start-up mischt Kapselmarkt auf

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Ein Start-up-Unternehmen hat den Produzenten von Kaffee in Aluminium- und Plastikkapseln den Kampf angesagt - mit einer  biologisch abbaubaren Alternative. Der Name „Feel Good Coffee“ ist Programm.

Tegernsee – Marcus Berthold, Mitte 40, schaut von seinem Büro an der Tegernseer Hauptstraße direkt hinüber auf den Bootsverleih Marina. Hier genießt er im Sommer oft die Sonnenuntergänge und tüftelt an Ideen. Manchmal zusammen mit Carsten Leber, einem gut vernetzten Versicherungskaufmann und zufällig Hausherrn seiner Firma an der Hauptstraße. „Schon lange habe ich danach gesucht, ein nachhaltiges und sinnhaftes Produkt zu vertreiben“, sagt der Experte für Marketing, Social Media und Innovation.

„Ich wusste sofort, das ist genial“

Eines Tages übernimmt der Zufall Regie: In einem Restaurant lernt er Gregor Sander kennen. Der Düsseldorfer, ebenfalls Mitte 40, zog damals eine Kaffeekapsel aus der Tasche und traf sofort Bertholds Nerv: Eine hundert Prozent biologisch abbaubare Kapsel aus Pflanzenabfällen, ohne Plastik, Aluminium und Schadstoffen, mit einem speziell patentierten Deckel aus Papier, sauerstoff- und aromadicht bis zu 16 Monaten. Eine Kapsel, die sich nach 180 Tagen selbst kompostiert und die Umwelt nicht belastet. „Ich wusste sofort, das ist genial“, erzählt Berthold.

Lifestyle, Convenience und Umweltschutz in einer Kapsel vereint

Marcus, der Macher, und Gregor, der Tüftler. Die Beiden werden schnell Geschäftspartner und gründen im Sommer 2018 die Firma „Feel Good Coffee“ (www.feelgood-coffee.de) – Lifestyle, Convenience und Umweltschutz in einer Kapsel vereint. Weitere Partner spielen eine wichtige Rolle: etwa die Firma Terracaps aus Pullach bei München, die die Kapsel produziert. Sie war schon zuvor mit Sander im Geschäft. Nach dem Fall des Nespresso®-Patents hatte der bereits Kaffee in Kapseln gefüllt, allerdings in herkömmliche. Mit an Bord ist auch der Belgier Michael Horens, ein sogenannter Coffee-Blend-Creator. Er ist für die Spezialkaffees aus Plantagen in aller Welt zuständig – zertifizierter Bio-Kaffee, versteht sich.

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Eine wichtige Rolle hat auch Carsten Leber. Er ist als Vertriebschef eingestiegen und überzeugt Business-Kunden davon, sich vom Kaffee in Alu zu verabschieden. Mit Erfolg: Hotelketten wie Kempinski, Marriott, Mandarin Oriental, Steigenberger oder die Jumeirah Hotels haben Interesse bekundet, die Luxus-Schiffsflotte Hapag Loyd Cruises zeigen hat für ihr neuestes Kreuzfahrtschiff Hanseatic nature schon Kapseln bestellt, berichtet Leber. Im Tal seien ebenfalls zwei führende Hotels interessiert.

20.000 Tonnen Alu- und Plastikmüll jährlich

Ein schwedischer Designer entwarf schließlich eine Kaffeemaschine, mit der die Kapseln gefüttert werden können. Doch nicht nur sie, sondern jede Maschine mit Nespresso®-System ist für die Bio-Kapsel geeignet.Für Berthold, schon immer ein Kaffeeliebhaber, ist die Kapselmaschine aus ökologischer Sicht eigentlich eine clevere Lösung: „Die Energieeffizienz in der Zubereitung ist für kleine und Single-Haushalte sinnvoll. Zudem lässt sich mit genau portionierbaren Kaffeemengen Lebensmittelverschwendung vermeiden.“ Die Unmengen an Aluminium- und Plastikmüll – etwa 20 000 Tonnen jährlich – sind aus seiner Sicht aber nicht zu verantworten. Der Feel-Good-Kaffee könne mit gutem Gewissen genossen werden. „Die Kapseln können direkt nach der Verwendung in den Hauskompost oder Biomüll gegeben werden, und ebenso mit gutem Gewissen in den Restmüll.“

Das junge Unternehmen denkt durch und durch nachhaltig: Die Produktion erfolgt CO2-neutral in Düsseldorf, von dort werden auch die Online-Bestellungen klimafreundlich per DHL-Green verschickt.

Ein Cent pro Kapsel an Projekte zum Schutz der Meere

Damit nicht genug: Für jede verkaufte Kapsel geht ein Cent an Projekte wie 4ocean zum Schutz der Meere. „Lifestyle, Convenience und Umweltschutz müssen kein Widerspruch sein“, findet Marcus Berthold. Für ihn sei es ein Stück Lebensqualität, wenn er guten Gewissens mit einem Kapselkaffee in den Tag starten könne. „Ich hoffe, dass viele dieses Gefühl teilen und Teil unserer Story werden.“

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gr

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