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Für viele gehört ein Feuerwerk – wie hier beim Tegernseer Seefest – zum Jahreswechsel einfach dazu. Dennoch appellieren die Talgemeinden heuer erstmals, auf die private Böllerei zu verzichten. 

Im Suttengebiet gilt erstmals ein Verbot

Tal wartet gespannt auf die Silvesternacht: Was ist der Feuerwerks-Appell wert?

  • Gabi Werner
    vonGabi Werner
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Am Tegernsee wartet man heuer gespannt auf die Silvesternacht. Ob der talweite Appell, auf Feuerwerke zu verzichten, wohl etwas bringt? Im Suttengebiet ist die Knallerei sogar verboten.

Tegernseer Tal Im September hatten die fünf Tal-Bürgermeister mit einer gemeinsamen Marschroute in Sachen Pyrotechnik überrascht: Über die Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) riefen sie Bürger und Gäste der Urlaubsregion dazu auf, von der Silvester-Knallerei die Finger zu lassen. TTT-Chef Christian Kausch verschickte den Appell per E-Mail an alle Gastgeber. Er bekam – abgesehen von „ein paar irritierten Nachfragen“ – laut eigener Aussage fast ausschließlich positive Rückmeldungen.

„Das ist kein Verbot, es ist lediglich eine Bitte“, stellt der Geschäftsführer noch einmal klar. Es geht darum, die Leute zum Nachdenken zu bewegen: Könnte das Geld nicht besser angelegt werden, als in ein kurzzeitiges Feuerwerks-Vergnügen? Damit der Appell nicht in Vergessenheit gerät, will Kausch kurz vor Weihnachten noch einmal eine Rund-Mail rausschicken. Ob sie fruchtet, wird sich in der Silvesternacht zeigen: „Ich bin selbst gespannt“, sagt Kausch.

Wer im Suttengebiet böllert, muss mit einer Geldbuße rechnen

In Rottach-Egern hat man es nicht bei der bloßen Bitte belassen. Für den sensiblen Bereich des Suttengebiets gilt heuer erstmals ein konkretes Verbot für das Abfeuern jeglicher Böller und Raketen. „Und da verstehen wir auch keinen Spaß“, macht Bürgermeister Christian Köck (CSU) deutlich. Die Gemeinde habe alle Anlieger und Hüttenbesitzer – das sind insgesamt rund 100 Betroffene – angeschrieben und auf das Verbot aufmerksam gemacht. Bei Nichtbeachtung könne die Gemeinde dank einer Verordnung auch Bußgelder verhängen, erklärt Köck.

Lesen Sie hier: Initiative fordert erneut: Schluss mit der Knallerei

Rückendeckung bekommt die Gemeinde von der Naturschutzbehörde am Landratsamt Miesbach. Die Sutten liegt im Landschaftsschutzgebiet, das Abbrennen von Feuerwerken würde die dort vorkommenden, teils streng geschützten Tiere während ihrer Winterruhe „erheblich beeinträchtigen und stören“, heißt es in einer Stellungnahme der Behörde. Die Böllerei in diesem Gebiet sei daher nicht zulässig.

Hinzu kommt ein weiteres Problem. „Keiner räumt sein Graffel wieder zusammen“, moniert Köck. Mitarbeiter der Gemeinde seien daher gezwungen, nach dem Jahreswechsel durch die Streuwiesen zu streifen und den Müll zu entfernen. Für den Bürgermeister ein Unding. „Wir werben ja schließlich das ganze Jahr über mit unserem Naturparadies.“

Dass in der Sutten Feuerwerke tabu sind, ist freilich ganz im Sinne von Johanna Ecker-Schotte, Vorsitzende des Tierschutzvereins Tegernseer Tal. Sie hatte in der Vergangenheit immer wieder auf die sensible Natur dort oben hingewiesen. Das nun erlassene Verbot sei gut und richtig, meint Ecker-Schotte. Leider sehe sie aber die Notwendigkeit, die Einhaltung auch zu kontrollieren. „Ich würde es begrüßen, wenn jemand vom Forst, der hier sein Revier hat, ein Auge darauf hat.“

Verzicht auf Feuerwerk: Kreuth ist eine Nasenlänge voraus

Die Feinstaubbelastung, der Lärm, die Verschmutzung: Auch eine Privatinitiative um Angela Brogsitter-Finck, Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT), kämpft seit Jahren gegen die privaten Feuerwerke rund um den See. Dass nun auch die Gemeinden mitziehen, freut Brogsitter-Finck: „Ich habe das Gefühl, dass hier ein allgemeines Umdenken stattfindet.“ Kurz vor Weihnachten möchte die Initiative noch einmal per Zeitungsanzeige groß die Werbetrommel rühren für ihr Anliegen.

Eine Nasenlänge voraus ist bereits die Gemeinde Kreuth. Als Bergsteigerdorf hat sie schon im Vorjahr zum Verzicht aufs Silvesterfeuerwerk aufgerufen und stattdessen zu einer gemeinsamen Feier im Ortszentrum samt Laser-Show geladen. „Am Anfang waren einige skeptisch, doch nach der Veranstaltung haben wir viel positive Resonanz bekommen“, berichtet Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU). Daher gibt’s heuer zum Jahreswechsel eine Neuauflage. Und der Rathaus-Chef will es spannend machen: Fürs Ende der Laser-Show kündigt er ein echtes „Highlight“ an.

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