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Einfallsreich und gespickt mit witzigen Regie-Einfällen präsentierte sich das Stück „’s Klinglputzn“, mit dem das Tegernseer Volkstheater im Ludwig-Thoma-Saal Premiere feierte.

Szenenapplaus und schallendes Gelächter bei „‘s Klinglputzn“

Eine höchst vergnügliche Geisterstunde: Tegernseer Volkstheater feiert umjubelte Premiere

Ein geisterhaftes Vergnügen bereitete das Tegernseer Volkstheater seinem Publikum mit der Premiere des Stücks „’s Klinglputzn“. Von den Zuschauern gab‘s immer wieder schallendes Gelächter und Szenenapplaus.

Tegernsee – Alle Knöpfe einer Klingeltafel drücken und hastig türmen – am liebsten nachts: Ums „Klinglputzn“ oder „‘s Malheur mit der Obrigkeit“ dreht sich die heitere Geisterstunde, mit der das Tegernseer Volkstheater im Ludwig-Thoma-Saal Premiere feierte. Eineinhalb Jahrzehnte nach der Erstaufführung hatte Autor und Regisseur Andreas Kern heuer wieder eine Schauspieltruppe um sich geschart, die nicht nur bravourös die schnellen, teils verzwickten Einsätze im turbulenten Geschehen meisterte. Das Ensemble nahm auch couragiert die Herausforderung an, um das Geistergestalten-Trio herumzuspielen, das nur die Zuschauer sehen und hören konnten.

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Die drei Hilfsgeister Dritter Klasse präsentierten höchst vergnüglich Hanno Sollacher, Horst Nebauer und Flo Rian Bauer, ebenso unterhaltsam pariert von den „Lebenden“ – Prinzipal Andreas Kern, dessen Ehefrau Christina, Barbara Kutzer und Felix Thörl – und letztlich zusammengeführt von Oberfee Ricarda Gutwein. Herzhaftes Gelächter und Szenenapplaus begleiteten die gesamte Aufführung. Kein Wunder: Kern lieferte einen Dauerbeschuss aufs Zwerchfell mit herrlich witzigen Dialogen und jeder Menge augenzwinkernder Regie-Einfälle.

Dabei geht es im Prinzip fast ausschließlich ums Klingelputzen rund um den kleinen, gemütlichen Stadtplatz und das, was die verschiedenen Protagonisten daraus machen. Andreas Kern, wunderbar als Hausherr, Gemeinderat und intriganter Strippenzieher Clemens, fängt als Betrunkener nächtens damit an, alle in seinem Haus heraus zu läuten. Als aber plötzlich die Geister ihren Schabernack mit der Klingeltafel treiben, ruft er panisch die Polizei.

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Der durchreisende ehemalige Hofmusiker Ferdinand aus dem 18. Jahrhundert versucht sich an den Knöpfen erfolgreich als Komponist, steif-betulich gegeben von Horst Nebauer. Auf ihn trifft unter lautem Zuschauerjubel Hanno Sollacher als prächtiger Alt-Rocker und Ex-Bierfahrer Dschodscho, der seinen Urlaub dazu nutzt, seinen Ärger, den er zu Lebzeiten hatte, an Kellner Lenz von der Café-Alm auszulassen. Dass diesem Schlitzohr die Streiche recht geschehen, führt Felix Thörl witzig und pointiert vor Augen.

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Schön geschniegelt erwartet Geist Valentin aus dem 19. Jahrhundert auf dem Stadtplatz seinen nächsten Einsatzbefehl von oben. Es geht um eine Unterschrift, aber welche von den vielen? Bei dieser Bewährungsprobe lässt Flo Rian Bauer sein Jenseits-Geschöpf mit mehr Glück als Verstand über viele Hindernisse stolpern. Albernheit und Übermut der ausgelassenen Geister bremst zickig und entschlossen, doch nicht ungestört ihre „Oberfee XXL“ Patrizia Maleficia (Ricarda Gutwein) aus. Als weltliche Obrigkeit in der Gestalt von Dorfpolizistin Gerti wurschtelt sich Christina Kern pflichtbewusst engagiert, leicht überfordert und nüchtern, aber menschlich durch das Geschehen. Herrlich kernig und tüchtig führt Barbara Kutzer als ehrliche Wirtin Luise das Regiment in ihrer Café-Alm.

Eine bedeutende Rolle kommt am Ende einem Zauberpulver zu, das ein köstliches Schlussfeuerwerk auslöst, in dem jeder sein „Malheur mit der Obrigkeit“ abkriegt. Dem Gaudium zollten die Premierengäste so viel Beifall, dass die Schauspieler ihn mit dem Hinweis auf den erkaltenden Premieren-Leberkäs abkürzen mussten.

Weitere Vorstellungen in Tegernsee und Bad Wiessee

Das Tegernseer Volkstheater führt das Stück „‘s Klinglputzn“ noch an folgenden Terminen auf: Donnerstag und Freitag, 3. und 4. Oktober, im Ludwig-Thoma-Saal sowie am Samstag, 5. Oktober, im Hotel zur Post in Bad Wiessee. Beginn ist um 20 Uhr. Karten gibt es unter www.tegern seer-volkstheater.de oder ab 19 Uhr an der Abendkasse.

Gudula Beyse

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