Coronataugliche Inszenierung: Das Stück „Passwort zum Herzen“ hat Andreas Kern vom Tegernseer Volkstheater (im Bild) seiner Familie auf den Leib geschrieben. Das Publikum dankte für das Theater-Vergnügen mit lautstarkem Applaus.
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Coronataugliche Inszenierung: Das Stück „Passwort zum Herzen“ hat Andreas Kern (im Bild) seiner Familie auf den Leib geschrieben. Das Publikum dankte für das Theater-Vergnügen mit lautstarkem Applaus.

Publikum bei Premiere begeistert

Tegernseer Volkstheater trotzt der Krise mit spritziger Komödie

  • Alexandra Korimorth
    vonAlexandra Korimorth
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Andreas Kern vom Tegernseer Volkstheater hat eine Gabe: Der Intendant, Autor und Schauspieler vermag es, aus der Not eine Tugend zu machen. Trotz Corona hat er jetzt eine Premiere auf die Beine gestellt.

Tegernsee – Anstatt zu hadern oder in Tristesse zu verfallen angesichts der coronabedingt schwierigen Situation bei den Theatern und Schauspielern, hat Andreas Kern das coronataugliche Stück „Passwort zum Herzen" geschrieben, inszeniert und auf die Bühne gebracht. Coronatauglich deshalb, weil er es seiner Familie – sprich seiner Frau Christina, seiner Tochter Fanny und sich selbst – auf den Leib geschrieben hat. Die Regie übernahm Schwägerin Mona Freiberg, die Technik Tochter Sophie Kern, sodass man die Zeit des Lockdowns und der Beschränkungen regelkonform optimal mit Proben für die Komödie nutzen konnte. Die Tatsache, dass die Theater-Familien Kern und Helfrich/Freiberg vom Chiemgauer Volkstheater am Chiemsee unter einem Dach leben, begünstigte das Unterfangen.

Die große Leistung bei „Passwort zum Herzen“ aber ist, dass es Andreas Kern gelungen ist, trotz Corona und der damit einhergehenden Ängste ein leichtes, spritziges und amüsantes Stück zu schreiben, das die Zuschauer endlich wieder befreit auflachen ließ.

Familie landet in alter Hütte statt im Wellness-Hotel

Das Stück dreht sich eineinhalb Stunden lang (coronabedingt ohne Pause) um eine Familie, die versehentlich anstatt in einem 5-Sterne-Alpen-Chalet mit Wellnessprogramm und Dinner in einer heruntergekommenen Hütte in einer Südtiroler Diaspora gelandet ist. Dort gibt es statt Spa einen Brunnen und ein Plumpsklo, statt Strom Kerzenlicht, statt eines 5-Gänge-Gourmetmenüs anlässlich des 25-jährigen Hochzeitstags nur die Restbestände aus der Speisekammer: abgelaufenen Pumpernickel, Corned Beef und Fruchtcocktail aus der Dose. Und statt des Champagners, mit dem man auf die kriselnde Ehe hätte anstoßen können, wartet eine warme Flasche Asti Spumante.

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Anfänglich ist das Drama freilich groß, doch Tochter Fanny sieht es positiv: Hier können sich die Eltern weder von wichtigen Terminen mit Staatssekretären zum „Befördern“ des neuen Bootshaus-Projektes am Tegernsee, von ihrer Sekretärin oder ihrem Karatelehrer ablenken lassen und haben endlich einmal Zeit für sie und füreinander. Denn die Tochter zaubert den beiden Streithähnen mit den wenigen zur Verfügung stehenden Mitteln den „schönsten Hochzeitstag aller Zeiten“.

Fanny Kern ist der unangefochtene Publikumsliebling

Fanny Kern brilliert in dieser Rolle: wie sie die Augen verdreht, tanzt, singt, den französischen Kellner mimt, alleine – mit sich und in sich verdreht und verrenkt – leidenschaftliches Knutschen und Po-Tatschen parodiert, ist grandios. Das Publikum ist begeistert und verfällt immer wieder in Applaus und Jubelstürme. Und auch wenn Christina und Andreas Kern mit ihrem Spiel und Gesang („Can’t help falling in love“ mit Elvis-Schmalz-Timbre und -Hüftschwung) den Zuschauern immer wieder ein sehnsüchtiges Seufzen entlocken, so ist Fanny doch der unangefochtene Star und Publikumsliebling.

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So locker und flockig die Komödie von Mona Freiberg inszeniert ist, so sehr ist man versucht zu meinen, sie hätte keinen Tiefgang. Aber letztlich ist es doch auch das, was Corona gelehrt haben sollte: dass man aus wenig viel machen kann und dass man sich just dadurch auch wieder nahe kommen kann. Die 58 Zuschauer im ausverkauften Haus – alle Besuchergruppen getrennt durch zwei Sitzreihen nach vorne und hinten sowie drei Sitzplätze nach rechts und links – schienen es auf höchst unterhaltsame Weise verinnerlicht zu haben: Sie applaudierten wild, laut und lange, um den Kerns gebührend zu danken, dass sie sich getraut haben und wieder Theater bieten.

ak

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