Erster Teil der Verhandlung

Tegernseer (21) soll obszöne Videos an Mädchen geschickt haben

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Videos mit sexuellen Handlungen an sich selbst soll ein 21-Jähriger an zehn und 14 Jahre alte Mädchen geschickt haben. Der  Angeklagte streitet die Tat ab und behauptet, gehackt worden zu sein.

Tegernsee – Manchmal sei es besser, die Hosen herunterzulassen und etwas einzuräumen, legte Amtsrichter Klaus-Jürgen Schmid dem Angeklagten nahe. Eine unglücklich gewählte Formulierung, schließlich saß der 21-Jährige aus Tegernsee genau aus diesem Grund auf der Anklagebank: wegen heruntergelassener Hosen, und zwar im wörtlichen Sinn.

Auf verschiedenen Videos soll der Angeklagte nackt auf dem Bett zu sehen sein, während er sich selbst befriedigt. Die Videos landeten laut Anklageschrift auf den Handys einer 14-Jährigen und zweier zehnjähriger Mädchen. Hinzu kam Punkt drei der Anklage: Der 21-Jährige soll auf diversen Online-Portalen unter dem Namen einer 13-Jährigen ein Inserat geschalten haben, das sexuelle Handlungen feilbot. Wegen Verbreitung pornografischer Schriften (siehe unten) muss sich der Tegernseer seit gestern vor dem Miesbacher Amtsgericht verantworten.

Der Angeklagte, ein blasser junger Mann im grauen Pulli, bestritt vehement, mit den Videos oder den Inseraten etwas zu tun zu haben. „Ich habe keine solchen Videos von mir gemacht“, sagte er. Vielmehr vermute er, gehackt worden zu sein. Von wem, wann oder auf welche Weise, konnte an diesem Verhandlungstag nicht geklärt werden. Fortsetzung folgt.

Angeklagter will dubiose Anrufe von Frauen bekommen haben

Zunächst ging es vor allem darum, von welchem Handy und unter welcher Nummer die Videos an die minderjährigen Mädchen verschickt worden waren. Es soll sich um ein Samsung gehandelt haben, und über den Messenger WhatsApp gingen die Daten an die Nummern der Mädchen. Ebendiese Nachrichten-App, so der Angeklagte und seine Verteidigerin Christina Keil, soll gehackt worden sein.

Im Dezember 2013 will der Tegernseer bemerkt haben, dass mit seinem Handy etwas nicht stimme. „Ich habe ganz komische Anrufe bekommen.“ Anrufe von Mädchen und Frauen, die Sex mit ihm wollten und dementsprechende Anspielungen machten. Der Angeklagte habe das bei der Polizei zur Anzeige gebracht. Auch als er Nacktfotos von Mädchen geschickt bekam, habe er das gemeldet.

In den Ermittlungsakten war davon allerdings nichts zu finden. Bis zum nächsten Verhandlungstag sollen diese Informationen bei der Polizei eingeholt werden. Bis dahin gilt es weitere Akten zu durchforsten, die im Rahmen der Verhandlung auftauchten: Der Kriminalpolizei Rosenheim liegen aus anderweitigen Ermittlungen hunderte Seiten lange Chatgespräche vor, die zwischen einer 14-Jährigen und dem Angeklagten stattgefunden haben. Gesichert wurden die Daten auf dem Handy des Mädchens. Die Nummer des Absenders: die des Angeklagten.

Fragen zur Jungfräulichkeit des Mädchens, zu ihrem sexuellen Verhalten und Fotos vom Angeklagten waren laut Aussage der damals zuständigen Kriminalkommissarin Inhalt der Chats. Die besagten Videos hatte das Mädchen aber bereits gelöscht, die Beamten konnten nur einige Bilder davon rekonstruieren. Als die Protokolle am Richtertisch von allen Beteiligten begutachtet wurden, vergrub der Angeklagte die Hände in den Hosentaschen und schüttelte leicht den Kopf, als Rechtsanwältin Keil ihn fragend ansah.

Betroffene Mädchen sollen bei zweitem Termin aussagen

Richter Schmid gab dem 21-Jährigen noch einmal die Chance, eine Aussage zu machen. Als dies nicht geschah, sagte er ihm: „Wenn nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt wird und Minderjährige vernommen werden müssen, wirkt sich das straferschwerend aus.“

Wann die Hauptverhandlung fortgesetzt wird, steht noch nicht fest. Bei diesem Termin sollen mehrere Polizisten und die betroffenen Mädchen gehört werden.

Das steht in § 184 Verbreitung pornografischer Schriften

Zu pornografischen Schriften zählen Bild- und Tonaufnahmen, Videos und andere Darstellungen, bei denen der sexuelle Zweck im Vordergrund steht oder geschlechtliche Inhalte aufdringlich wiedergegeben werden. Bestimmte Formen der Verbreitung sind strafbar, beispielsweise wenn der Inhalt einer Person unter 18 Jahren angeboten, überlassen oder zugänglich gemacht wird. Dies kann mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe bestraft werden. 

Dies gilt jedoch nur für „weiche“ Pornografie, nicht aber für „harte“. Unter letztere fallen Darstellungen von Gewalttätigkeiten, sexuelle Handlungen von Menschen mit Tieren oder sexuelle Handlungen von, an oder vor Kinder und Jugendlichen. In solchen Fällen kann es bei einer Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren kommen.

nip

Rubriklistenbild: © dpa

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