1. Startseite
  2. Lokales
  3. Tegernsee
  4. Tegernsee

Tegernseer Woche: Besucher erleben den Hofmaler Stieler hautnah

Erstellt:

Kommentare

Stieler-Kennerin und Autorin Sonja Still vermittelte den Besuchern einen Eindruck davon, wie Joseph Stieler in seinem Haus auf der Point gelebt und gewirkt hat.
Stieler-Kennerin und Autorin Sonja Still vermittelte den Besuchern einen Eindruck davon, wie Joseph Stieler in seinem Haus auf der Point gelebt und gewirkt hat. © Thomas Plettenberg

Seltene Einblicke in das Leben des Hofmalers Joseph Stieler erhielten jetzt die Besucher der Tegernseer Woche. Sie bekamen auch neue Kunstwerke zu sehen.

Tegernsee – Es war ein berührender Abend. Im Rahmen der Tegernseer Woche waren Interessierte zu einer „Königlichen Soirée beim Hofmaler Stieler“ geladen – und zwar in dessen einstigem Sommerhaus auf der Tegernseer Point, wo sich der Künstler heimischer gefühlt haben soll als irgendwo sonst und wo die Familie Stieler lange eine lebendige Salon-Kultur pflegte. Daran knüpfte die Veranstaltung an, als Stielers Atelier zum Vortragsraum wurde und Heimatführerin und Autorin Sonja Still ein wissbegieriges Publikum auf die Gemälde einstimmte, die man später im Nebenzimmer würde bestaunen können. Darunter die vier Porträts, die Hausherr Andreas Greither im März vergangenen Jahres im Münchner Auktionshaus Neumeister ersteigert hatte.

Stieler hatte sich das Haus in Tegernsee auf Geheiß des Königs gebaut

„Es ist mir eine Freude, das Ehepaar wieder zusammen zu sehen“, sagte Still zur Begrüßung der Gäste dieses besonderen Abends, der schon weit im Vorfeld ausverkauft gewesen war. Sie nahm die Besucher zunächst mit in die Historie. Eine Federzeichnung von 1878 vermittelte eine Idee davon, wie das Haus damals ausgesehen hatte, als man es über Stufen vom Leeberg aus erreichte, weil es noch lange keine Straßen am Tegernsee gab. Auf Geheiß von König Ludwig I. hatte sich Hofmaler Stieler hier ein Sommerhaus gebaut – nur einen Steinwurf entfernt von Schloss und See und inmitten einer inspirierenden Landschaft.

Schon als kleiner Bub malte Joseph Stieler meisterlich

1781 wurde der Künstler in der Pfalz geboren, wo der Vater, August Friedrich Stieler, Münzgraveur und Miniaturenmaler am Mainzer Hof war. Sein jüngstes von fünf Kindern lernte bei ihm das Zeichnen und war schon als kleiner Bub meisterlicher als die Brüder. Den frühen Tod des Vaters verarbeitete Joseph Stieler mit Malen. Von Gemälden unterlegt, zeichnete Still den Weg, wie Stieler, den man heute wohl als Trendsetter bezeichnen würde und der „die Bildsprache von Bayern erfunden und geprägt hat“, zum Hofmaler wurde. Wie man ihn schätzte, weil er in seinen Porträts nicht einfach nur abbildete; und das, wie nicht nur das Beispiel von Ludwig van Beethoven zeigte, weitaus meisterlicher als zeitgenössische Kollegen.

Unter den Gezeichneten waren auch Goethe und Humboldt

Stieler schaffte es, das Wesen der gemalten Person in die Bilder zu legen, die durch ihre Komposition von Hintergründen, Gewändern und Farben eine besondere Lebendigkeit erhielten. Unter den Gezeichneten waren Goethe, Humboldt, Schelling, natürlich die Angehörigen der Königlichen Familie und die berühmten Frauenbildnisse der „Schönheitengalerie“, die im Gegensatz zur geplanten Galerie der Wissenschaft realisiert wurde.

Beeindruckend sind die Selbstbildnisse, die der Künstler wie Visitenkarten anfertigte, um Kunden seine Fähigkeiten zu zeigen. Mit einem doppelten Spiegel habe er diese gemalt, erklärte Still. Weil das für die rechte, also die malende und sich bewegende Hand kein taugliches Mittel gewesen sei, ließ der Maler einen Gipsabdruck dieser Hand als Vorbild anfertigen. Auch diesen konnte man im Original sehen. Ebenso wie die Prinzessinnen Adelgunde und Hildegard.

Gemälde in dieser Konstellation nur einmalig zu sehen

Aus Sicherheitsgründen seien die Gemälde in dieser Konstellation nur einmalig zu sehen gewesen, erklärt Organisatorin Birgit Halmbacher. Man habe aber durchaus Ideen, wie man Stieler-Bilder wieder präsentieren könnte. An diesem Abend genoss sie es – wie all die anderen Gäste der Soirée –, diese besondere Preziosen zu betrachten und sich in angeregten Gesprächen über den Maler, die Bilder und seine Zeit auszutauschen. Ganz im Stile eines Salons.

sie

Auch interessant

Kommentare