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Paket für Paket mit den ausgefallensten Küchengeräten ließ sich die Tegernseerin nach Hause liefern. Nur zu bezahlen vergaß sie irgendwie.

Durch einen dummen Fehler wurde sie erwischt

Tegernseerin (38) bestellt endlos im Netz - und zahlt nicht

Tegernsee - Sie bestellte Küchengeräte bei Online-Händlern und zahlte nie. Durch einen dummen Fehler wurde die Tegernseerin erwischt. Ihre Erklärung überraschte selbst den Richter.

Brotpinsel benutzen Bäcker, um ihre Brote mit Wasser einzustreichen, damit diese hübsch und frisch bleiben. Crêpes-Verteiler kennt man eher vom Weihnachtsmarkt. Sachen die sowohl in der eigenen Küche als auch in einem Betrugsprozess am Miesbacher Amtsgericht Seltenheitswert haben. Eine leidenschaftliche Köchin allerdings braucht sowas. Der Meinung war zumindest eine 38-jährige Tegernseerin, die es mit der Leidenschaft zum Kochen und Backen - gelinde gesagt - etwas übertrieben hat.

Angeklagte wechselte Namen für Online-Bestellungen - aber dummerweise nie die Anschrift 

Im Internet bestellte die Frau von April 2014 bis Februar 2015 jede Menge Küchenutensilien – nicht nur Crêpes-Verteiler, auch viele Töpfe, Pizzaformen, Gewürzdosen, Grillpfannen und Schneidebretter – bezahlt hat es sie allerdings nie. Dabei gab sie jedes Mal eine neue Identität an, damit der Schwindel nicht auffällt. Da sie sich die Sachen - dummerweise - jedes Mal an dieselbe Lieferadresse schicken ließ, war es nicht allzu schwer, die Tegernseerin zu überführen. Wegen Betrugs saß die Köchin nun bei einer Schöffensitzung auf der Anklagebank.

Für was braucht man das ganze Zeugs in der Küche?

Zunächst interessierte Amtsrichter Walter Leitner, warum die gebürtige Leipzigerin denn so viele neue Sachen für die Küche gebraucht habe. Als langjährige Köchin müsste sie ja Zuhause schon bestens mit allem Schnickschnack rund ums Kochen versorgt gewesen sein. 

„Weil mir die Sachen gefallen haben und ich sie haben wollte.“

Die Antwort der 38-Jährigen: „Weil mir die Sachen eben gefallen haben und ich sie haben wollte.“ Auf die Frage Leitners, warum sie bis zu sechs Mal pro Tag bei der gleichen Firma wahllos doppelt und dreifach Ware bestellt habe, kam seitens der Tegernseerin wieder nur der Satz: „Ich wollte das halt haben.“

Doch nach nicht allzu langer Zeit fiel auch der verkaufenden Firma auf, dass für die versendeten Waren keine Zahlungen eingegangen waren. Nichtsdestotrotz spielte die Angeklagte ihr Spiel weiter: Artikel in den Warenkorb, falscher Name, gleiche Lieferadresse, fertig. 

Irgendwann schickte die Firma nichts mehr - doch die Frau bestellte weiter

Irgendwann erhielt sie keine Waren mehr, bestellte aber Tag für Tag weiter. „So blöd sind die Firmen auch nicht, dass sie immer wieder an die gleiche Adresse schicken, wenn da andauernd Kasperles-Namen auftauchen“, belehrte Leitner die 38-Jährige. Dann behauptete die Koch-Fanatikerin, sie habe die Sachen ja zahlen wollen, was sie jedoch nicht konnte. An Rücksendungen dachte sie aber nie. Denn: Sie wollte die Sachen ja haben.

Irgendwann kam die späte Einsicht - doch...

Immerhin kam bei der Frau die späte Einsicht, einen Fehler begangen zu haben und sie beglich den Schaden in Höhe von rund 650 Euro. Blöd für die Frau ist nur, dass zwei ihrer drei Voreintragungen im Bundeszentralregister auf den Namen „Betrug“ hören. 2008 und 2013 war das. Damals spielten sich genau die gleichen Szenarien am Computer der Tegernseerin ab. Doch auch da kam sie nicht damit durch.

Für Staatsanwältin Schneider war es „ein Musterbeispiel für Gewerbsmäßigkeit“. Der Verkauf der Sachen oder Ähnliches konnten der Angeklagten aber nicht nachgewiesen werden. „Zudem sind Sie eine vorgeahndete Täterin, die weiß, wie man so etwas macht“, sagte Schneider zur Betrügerin. Ein Jahr und sieben Monate Bewährungsstrafe seien laut Meinung der Staatsanwältin für dieses Vergehen angemessen. Zudem solle die Frau 120 Sozialstunden ableisten. Rechtsanwalt Frank Zahnert sah es ähnlich: Um eine Bewährungsstrafe kommt die Tegernseerin nicht herum. Neun Monate seien für ihn aber ausreichend.

Richter: „Ich denke, bei Ihnen ist das so eine Art Sammelleidenschaft"

Der Richter setzte einen drauf. Zehn Monate sind es nun, die die Tegernseerin ins Gefängnis müsste, sollte sie in den kommenden drei Jahren strafrechtlich in Erscheinung treten. Um die von der Staatsanwaltschaft beantragten 120 Sozialstunden kommt sie auch nicht herum. Leitner meinte abschließend zur 38-Jährigen: „Ich denke, bei Ihnen ist das so eine Art Sammelleidenschaft oder Hamsterei, da sie immer die schönsten Luxus-Artikel haben wollen.“

Philip Hamm

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