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Eine Rarität: Michaela Klein präsentiert ihre älteste Lederhose aus der Zeit um 1880.

Gebrauchte Prachtstücke

Tegernseerin restauriert alte Lederhosen

Tegernsee - In ihrem neuen Laden an der Tegernseer Hauptstraße reinigt, repariert und restauriert Michaela Klein gebrauchte, alte Lederhosen. Aus ihnen werden gefragte Prachtstücke.

Neue Mode auf der einen Seite, traditionelle Tracht auf der anderen: Mit dieser Mischung wartet Michaela Klein in ihrem neuen Geschäft „d’Schickeria“ in Tegernsee auf. „Es ist meine Hauptleidenschaft, die alte Tracht zu erhalten“, sagt die Geschäftsfrau, die sich darauf spezialisiert hat, gebrauchte Lederhosen wieder tragbar zu machen. Sie repariert sie und näht sie bei Bedarf enger oder kürzer. „Weiter ist selten, denn der Bauch wächst bei Männern eher über den Hosenbund“, erklärt Klein.

Mit der 34-Jährigen lässt es sich ganz unverblümt sprechen – und das in unverfälschtem Bairisch. „Freilich muss man’s mögen, eine Gebrauchte zu tragen“, sagt die Geschäftsfrau. „Es gibt Männer, für die ist das nie in Frage gekommen, bis sie dann vom Opa die Kurze erben“, erzählt sie lachend. „Die richt’ ich dann wieder her.“ Die gebrauchten Lederhosen, die Klein in ihrem Geschäft verkauft, sind allesamt gewaschen. Wäre das nicht der Fall, würde man die verschiedenen Duftnoten, die der Vorbesitzer hinterlassen hat, bereits im Laden riechen.

Lederhosen, die gar nicht mehr getragen werden können, dienen der 34-Jährigen als Materiallieferant. Ihre Einzelteile werden bei Reparaturen verwendet. „Es ist mir ehrlich eine Herzenssach’, dass ich die alten Stücke sauber und akkurat wieder herrichte“, versichert Klein. Ihre Nähmaschine steht direkt neben der Truhe, auf der sich alte Lederhosen der unterschiedlichsten Art und Größe stapeln. Und „alt“ heißt hier tatsächlich „alt“: Die Hosen sind viel getragen und gebraucht. Und sie warten auf einen Besitzer, der sie weiterträgt und wieder damit lebt.

Michaela Kleins Augen leuchten, wenn sie in ihrer (Schatz-)Truhe wühlt. „Man erkennt an der Beinlänge, aus welcher Zeit die Hose stammt“, erklärt sie. Und an der Farbe. Obenauf liegt zum Beispiel eine „Altschwarze“, die mittlerweile schon fast goldbeige leuchtet. Der helle Ton heißt „altschwarz“, weil das Leder sämisch gegerbt wird. Es ist keineswegs eine Farbe, die aufgetragen wird, sondern eine Essenz, die das Leder durchzieht und färbt. Zunächst leuchtet das Material fast blau oder altschwarz, über die Jahre jedoch wetzt sich die Oberfläche ab und es kommt der goldene Ton der Lederhaut zum Vorschein.

Darüber hinaus gibt es die unterschiedlichsten Stickereien. „Vorwiegend hab ich zurzeit Plattgestickte da, so wie es hier der Brauch war. Die Reliefstickereien sind eher drüben in Tölz und im Tirolerischen daheim.“ Klein sinniert ein wenig und fügt dann hinzu: „Je länger ich in diesem Metier bin, umso mehr fasziniert es mich, auf welche Details man schauen kann.“ Zum Beispiel die Farbe der Stickerei: Sie sagt viel aus über die Herkunft des jeweiligen Kleidungsstücks. „Blau war früher dem König vorbehalten, das Volk trug diese Farbe nicht“, weiß die Geschäftsfrau. Über Jahrhunderte hinweg sei dies so verfügt gewesen. Michaela Kleins älteste Lederhose stammt aus der Zeit um 1880. Dieses Stück verkauft sie nicht, es dient allenfalls als Vorlage für selbst genähte Lederhosen.

Inzwischen kennt man den Laden an der Tegernseer Hauptstraße. Die Leute kommen hierher und bieten von sich aus ihre gebrauchten Hosen an. Dann kann sich die 34-Jährige, die erst vor ein paar Jahren an den Tegernsee gezogen ist, wieder ganz ihrer Leidenschaft widmen: dem Herrichten alter, viel getragener Tracht.

Von Sonja Still

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