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Als Tegernseer Bürgermeister ist Johannes Hagn (51) auch „Herr über den See“. Vor drei Jahren hat er als völliger Polit-Neuling das Amt angetreten.

Tegernseer Bürgermeister im Interview

Hagn: „Das Amt ist ein Studium generale“

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Drei Jahre nach der Kommunalwahl haben wir die neu gewählten Bürgermeister um eine Halbzeitbilanz gebeten. Diesmal erklärt Johannes Hagn, warum er keine Ambitionen auf den Landrats-Posten hat.

Tegernsee – Als Johannes Hagn (CSU) bei der Kommunalwahl 2014 in den Ring stieg, war er – politisch gesehen – ein völlig unbeschriebenes Blatt. Jetzt, nach der ersten Hälfte seiner Amtszeit, hat sich der 51-Jährige in seinem Büro im Tegernseer Rathaus gut eingelebt und -gearbeitet. Wie er selbst die zurückliegenden drei Jahre erlebt hat und wo er seine Zukunft sieht, schildert Hagn im Interview.

Herr Hagn, die Halbzeit Ihrer ersten Amtszeit als Bürgermeister haben Sie hinter sich. Für Sie persönlich ein Anlass, um kurz inne zu halten und zurückzublicken?

Hagn: Nein, ist es nicht. Die Projekte laufen ja weiter. Wir haben in den vergangenen drei Jahren einige Dinge auf den Weg gebracht, jetzt geht es an die Umsetzung. Eine Zäsur ergibt sich erst mit der Entscheidung, ob ich selber wieder als Bürgermeister-Kandidat antrete und ob mich meine Partei wieder aufstellt – also spätestens 2019.

Blicken wir dennoch kurz zurück. Wie zufrieden sind Sie mit den ersten drei Jahren Ihrer Amtszeit?

Hagn: Ich habe die wesentlichen Ziele, die ich mir gesetzt hatte, erreicht. Im Stadtrat arbeiten wir sachverständig und wertschätzend zusammen, so dass wir vernünftig weiterkommen. Es war mir wichtig, dass sich niemand komplett verweigert, auch wenn er mal gegen eine Sache ist. Das funktioniert gut – die Orthopädische Klinik ist da ein sehr gutes Beispiel.

Das heißt, Sie haben sich in Ihrem neuen Amt gut eingefunden? Schließlich waren Sie bei Ihrem Antritt ein kompletter Polit-Neuling.

Hagn: Der größte Aufwand war es, sich in die Unternehmensstruktur und die Sachthemen einzuarbeiten. Das Bürgermeisteramt ist ja kein Ausbildungsberuf, sondern vielmehr ein Studium generale. Allein in das Energiethema musste ich mich eineinhalb Jahre lang einarbeiten.

Das müssen Sie näher erklären.

Hagn: Bei der Stadt gibt es das E-Werk und die Erdgasversorgung. Wenn man da eine Funktion übernimmt, muss man schon Bescheid wissen. Ich habe wochenendweise Bilanzen gelesen, ausgewertet und eine Vielzahl von Kursen besucht. Wir haben ja auch einen neuen Geschäftsführer gebraucht. Da muss man sich schon ein bisserl auskennen, um bei der Auswahl die richtigen Fragen zu stellen.

Vor Ihrer Zeit als Rathaus-Chef hatten Sie eine Führungsposition beim Hauptzollamt am Flughafen München. Haben Sie es je bereut, diesen Job zugunsten des Bürgermeisteramtes aufgegeben zu haben?

Hagn: Ja. Und zwar immer dann, wenn die Stadträte nicht so gehandelt haben, wie ich es wollte (lacht). Früher war ich es dann gewohnt, ein Machtwort zu sprechen. Jetzt halte ich es so: Wenn du einen guten Freund nicht überzeugen kannst, musst du an deinen Argumenten arbeiten.

Und Sie stehen jetzt natürlich mehr in der Öffentlichkeit.

Hagn: Damit hab’ ich aber keine Probleme. Ich habe zwar zwischendurch 15 Jahre in München gelebt, kenne viele Leute in Tegernsee aber noch von früher. Wir haben unser Haus an der Hauptstraße und meine Großeltern haben hier die Fischerei betrieben. Das wirklich Spannende an dem Jobwechsel ist, dass in meiner Zeit beim Hauptzollamt mein Kontakt zu den Menschen meist negativ war, jetzt ist er durchweg positiv. Und es gibt nicht mehr dieses Über-Untergeordneten-Verhältnis.

Klingt nach großer Zufriedenheit. Wo sehen Sie sich beruflich nach Ablauf Ihrer ersten Amtszeit?

Hagn: Wenn es so weiterläuft, dann bin ich in vier Jahren immer noch hier. Vorausgesetzt, die Partei will es, und die Bürger wollen mich wieder.

Sie sagten „Wenn es so weiterläuft“. Was wäre denn ein Hinderungsgrund für eine erneute Kandidatur?

Hagn: Es kann ja immer persönliche Brüche im Leben geben – Dinge, die man nicht voraussehen kann. Das Bürgermeisteramt fordert mich 60 bis 70 Stunden pro Woche. Wenn ich diese Leistung nicht mehr bringen könnte, würde ich es nicht mehr machen wollen.

Weitreichendere Ambitionen haben Sie nicht? Stichwort: Landrats-Kandidatur.

Hagn: Eindeutig nein. Ich sitze noch nicht einmal im Kreistag, da finde ich es untunlich, sich als Landrat aufstellen zu lassen. Da bin ich im Landkreis auch viel zu wenig vernetzt. Außerdem sind angefangene Projekte wie das neue Feuerwehrhaus und die Bebauung am Krankenhaus-Gelände längst nicht fertig. Auch die Parkplatz-Situation ist noch ungeklärt. Alles Themen, die auf meiner Agenda stehen und die ich gerne noch von hier aus lösen würde. Vielen Tegernseern ist gar nicht bewusst, was da auf sie zukommt.

Zum Beispiel?

Hagn: Am Krankenhaus-Grundstück wird beispielsweise eine zweistöckige Tiefgarage entstehen. Das bedeutet viel Lkw-Verkehr. Da möchte ich selber vor Ort sein.

Das heißt, Sie haben keine Scheu davor, sich diesen kritischen Situationen persönlich zu stellen?

Hagn: Im Gegenteil. Ich finde es hochinteressant, sich auch mit solchen Situationen auseinander zu setzen. Das ist doch das Salz in der Suppe. Hier bin ich vor Ort direkt mit den verschiedenen Investitionen befasst. Schon deshalb wäre der Landrats-Posten für mich nicht erstrebenswert.

Ein Ziel, das in Ihrem Wahlprospekt von damals stand, war auch die Schaffung bezahlbaren Wohnraums.

Hagn: Dieses Thema sind wir auch sofort angegangen. Bei allen Gebäuden, die uns interessant erscheinen, müssen wir als Käufer zuschlagen. So wie wir es bei den Objekten an der Neureuthstraße getan haben. Dabei müssen wir ganz normal am Markt agieren und viel Geld in die Hand nehmen. Damit wir die Investitionen und nötige Sanierungen auch stemmen können, müssen wir allerdings von einer vernünftigen Miete ausgehen. Wir bewegen uns da irgendwo zwischen freiem Markt und sozialem Wohnungsraum. Und wir müssen unsere Mieten in vernünftigem Rahmen immer wieder anpassen. Es wäre ein großer Fehler, solche notwendigen Maßnahmen nicht durchzusetzen aus Angst, nicht mehr gewählt zu werden. Ich bin froh, dass ich mir da bisher immer treu bleiben konnte.

Es gehört eben dazu, unpopuläre Entscheidungen zu treffen.

Hagn: Das haben wir zum Beispiel auch beim Thema Verkehr getan. Wir vergeben mittlerweile keine Stellplätze mehr am Zentralparkplatz und in der Sparkassen-Tiefgarage – sowohl was Mitarbeiter der Stadt betrifft, als auch andere Leute. Wer noch kein Park-Abo hat, landet auf der Warteliste. Wir mussten uns hier einfach die Frage stellen: Werden wir unserer Verantwortung gerecht oder verabreichen wir bloß Placebos. Manchmal muss man seine Ziele eben durchziehen – Sonntagsreden helfen da nicht.

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