Die Kostüme für den „Brandner Kasper“ liegen bereit. Andreas Kern und seine Frau Christina sind froh, dass sie bald wieder in ihre Rollen schlüpfen und vor Publikum spielen können.
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Die Kostüme für den „Brandner Kasper“ liegen bereit. Andreas Kern und seine Frau Christina sind froh, dass sie bald wieder in ihre Rollen schlüpfen und vor Publikum spielen können.

Nach der Corona-Krise

Theater am Tegernsee: Schwierige Rückkehr auf die Bühne

  • Gabi Werner
    VonGabi Werner
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Die Corona-Krise hat bei den Kulturschaffenden deutliche Spuren hinterlassen. Für die Theaterbühnen könnte sich der Vorhang am Tegernsee nun langsam wieder öffnen. Doch die Unsicherheit ist noch groß.

Tegernseer Tal – Andreas Kern ist ein kreativer Geist. Für sein Tegernseer Volkstheater schreibt er eigenhändig Stücke, steht als Schauspieler gemeinsam mit seiner Familie auf der Bühne. Dass er durch den Corona-Lockdown jäh ausgebremst wurde, nicht wusste, wie und wann es überhaupt weitergeht, sei für ihn das Schlimmste gewesen, was passieren habe können. „Die Ungewissheit war desaströs. Durch Corona wurde alles in Frage gestellt, was ich bisher gemacht habe“, schildert der Chef der Traditionsbühne seine Lage.

Unterkriegen lassen will sich Kern aber nicht. Nachdem er im Frühjahr die ersten geplanten Auftritte im Wiesseer Postsaal und in Bad Füssing wegen geringer Nachfrage („wir hatten null Vorverkauf“) hatte absagen müssen, steht nun der Spielplan für Sommer und Herbst am Tegernsee.

Manche Theaterfreunde sind für Indoor-Veranstaltungen dauerhaft verloren

Coronagerechte Vorstellungen mit kleinem Ensemble soll es ab 30. Juli in der Post in Bad Wiessee und im Tegernseer Ludwig-Thoma-Saal geben. Ob die Rechnung aufgeht, weiß der Theaterleiter noch nicht. Wegen der Abstandsregeln seien nur 54 Personen im Thoma-Saal zugelassen, am Platz ist weiterhin eine FFP2-Maske zu tragen. „Die Leute haben nach wie vor Angst und wollen nicht in einem geschlossenen Theatersaal sitzen“, glaubt Kern. Er vermutet sogar, dass 10 bis 20 Prozent des bisherigen Publikums für Indoor-Veranstaltungen dauerhaft verloren sind.

Im Tegernseer Kurgarten wird es eine Freilichtbühne geben

Kern verlagert daher einen Teil der Aufführungen ins Freie. An vier Abenden im Sommer (20./21. August sowie 3./4. September) wird im Tegernseer Kurgarten mit Unterstützung der Stadt und der Tourist-Info eine Freilichtbühne vor dem Pavillon installiert. Dort ist dann „De Gschicht vom Brandner Kasper“ zu erleben. Immerhin rund 220 Theaterfreunde könnten hier durch eine zusätzliche Bestuhlung Platz finden. Kern blickt diesen Vorstellungen zuversichtlich entgegen: „Da habe ich kein Fracksausen, das kriegen wir hin.“ Ein Unsicherheitsfaktor bleibt natürlich das Wetter. Der Vorverkauf über die Tourist-Infos am Tegernsee und MünchenTicket läuft bereits.

Ludwig-Thoma-Bühne will weitere Corona-Lockerungen noch abwarten

Während das Tegernseer Volkstheater also mit fixen Terminen aufwartet, gibt sich die zweite Traditionsbühne vom Tegernsee noch zögerlich: Michael Janiczek und seine Ludwig-Thoma-Bühne, die für gewöhnlich in Rottach-Egern für Urlauber und Einheimische spielen, haben wegen der weiterhin geltenden Corona-Beschränkungen für diesen Sommer noch keine Auftritte am Tegernsee geplant. „Wir wollen noch abwarten, ob sich die Lage entspannt“, erklärt Janiczek, der selbst im österreichischen Thiersee wohnt und darauf spekuliert hatte, dass in Bayern ähnliche Lockerungen für Kulturveranstaltungen in Kraft treten wie in Österreich. Dass im Rottacher Seeforum noch immer die Abstandsregeln gelten und die Maske zum Pflichtprogramm gehört, lässt den Theaterleiter daran zweifeln, ob tatsächlich Besucher kommen würden. „Wir wollen nichts mit Gewalt erzwingen – das Konzept muss stimmig sein“, sagt Janiczek.

Theater-Chef versichert: „Sind fest mit Rottach-Egern verbunden“

Sobald es die Bedingungen zuließen, wolle die Thoma-Bühne aber wieder am Tegernsee spielen, versichert der Theater-Chef. „Wir sind durch eine jahrzehntelange Tradition fest mit Rottach-Egern verbunden.“ Eine Rückkehr auf die Bühne wäre trotz der langen Corona-Zwangspause problemlos und zügig möglich, erklärt Janiczek. Die Thoma-Bühne verfüge über ein Repertoire von sechs bis sieben Stücken, die sie mit wenig Probenaufwand auf die Schnelle vors Publikum bringen könnte.

Lesen Sie hier: Theaterspieler sollen Programm überdenken

Dankbar ist Janiczek, dass sowohl der Bezirk Oberbayern als auch die Gemeinde Rottach-Egern dem Ensemble mit Zuschüssen weiterhin das Überleben sichern. 2500 Euro hat der Rottacher Gemeinderat dem Theater auch heuer als Unterstützung zugestanden. „Wir wollen die Thoma-Bühne nicht im Regen stehen lassen“, macht Gerhard Hofmann, Geschäftsleiter des Rottacher Rathauses, auf Nachfrage deutlich. Immerhin blicke die Einrichtung in Rottach-Egern auf eine über 100-jährige Historie zurück. Verändert hat sich seither allerdings einiges: Während vor 30, 40 Jahren das Volkstheater noch boomte, hat die Ludwig-Thoma-Bühne nicht erst seit Corona mit einem Besucherschwund zu kämpfen. Die Pandemie hat die Situation nicht einfacher gemacht.

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