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Die Akteure des Gymnasiums Tegernsee beherrschten ihre Rollen perfekt. Für die Premiere von "Der Tod des Brandner Kaspar" gab's im Ludwig-Thoma-Saal lautstarken Applaus. 

Moderne Fassung des "Brandner Kaspar"

So gelungen war die Theater-Premiere des Gymnasiums

Tegernsee - Beeindruckende Leistung: Schüler des Gymnasiums Tegernsee haben eine eigene Fassung des "Brandner Kaspar" geschrieben und nun - erfolgreich - auf die Bühne gebracht.

Werner Oberholzner, Direktor des Gymnasiums Tegernsee, fand nach der Premiere im Ludwig-Thoma-Saal kaum die richtigen Worte, um den Schülern das gebührende Lob für die modernisierte Brandner-Geschichte auszudrücken. Da es ja um den Ur-Bayern Brandner geht, ließe es sich auf Bairisch wohl am besten sagen: Es war sakrisch gscheit und narrisch gut.

Seit Beginn des Schuljahres hatten die Schüler an dem Stück „Der Tod des Brandner Kaspar“ gearbeitet. Sie orientierten sich am altbekannten Motiv des Originals von Franz von Kobell, diskutierten ausgiebig, welche Bedeutung die Geschichte heute wohl hätte.

Eine Schülerin (Theresa Huber) übernahm die Aufgabe, den Text zu verfassen. Erst dann ging es zum Proben auf die Bühne. Die Akteure beherrschten ihre Rollen tadellos. Bühnenbild, Musik, Kostüme – alles war perfekt aufeinander abgestimmt.

Das Stück beginnt auf dem Friedhof. Dem Brandner fällt auf dem Weg dorthin eine Dachplatte auf den Kopf. Am Abend erscheint der Boandlkramer, der ihn abholen will. Wie bekannt, karteln die Beiden um die Verlängerung seines Lebens.

Der Boandl wird hinreißend gespielt von Clara Lütjohann. Begleitet wird er in dieser Fassung von einem Gruselmädchen, das – wie eine Unternehmensberaterin – die Fähigkeiten des Boandl evaluiert. Doch schnell wird klar: Der Tod ist kein bayerisches Geschäft allein. Weltweit gibt’s Tode. Und so rocken erst einmal alle als mexikanische Mariachi über die Bühne.

Einer davon bleibt – Asrael, der Todesengel aus der muslimischen Glaubenswelt (Emily Schmid). Es stellt sich heraus: Auch er will den Brandner holen. „Deine Großherzigkeit zu unseren Söhnen wollen wir anerkennen, wir würden dich gerne bei uns im Paradies begrüßen“, sagt er zum Brandner.

Hintergrund: Der Brandner schimpft angesichts der Flüchtlingskrise über die Unmenschlichkeit und sagt: „Des lasst mi fei an der Kirch zweifeln.“ Außerdem hat des Marei einen muslimischen Freund, den Jalil (Judith Kleine). Und auch der ist ihm lieber, als der hinterkünftige Max (Jakob Kleine). Doch auch dem arabischen Todesengel kann der Brandner die Verlängerung seines Lebens beim gemeinsamen Kiffen und Schachspiel abgewinnen.

Von da an geht es bergab. Der Brandner – wissend, dass er noch 18 Jahre unsterblich ist – wird gemeinsam mit Jalil zum Schlepper. Sie holen an der österreichischen Grenze Flüchtlinge ab. Der Max, noch immer eifersüchtig, lockt ihn in eine Falle. Marei will Jalil warnen, rast an einen Baum und kommt ins Krankenhaus.

Sie liegt im Koma und muss aus der Zwischenwelt zusehen, wie sich eine Katastrophe nach der anderen ergibt. Ihre Mutter, hellsichtig begabt, erkennt es und kann nicht helfen. Wieder kommen Asrael und Boandl – diesmal, um sich um die Tochter zu streiten. Es fällt auf, dass ihre Zeit noch gar nicht abgelaufen ist, doch den Fehler können die Beiden nicht rückgängig machen.

Als am Ende fast alle vernichtet sind, will auch der Brandner endlich geholt werden. Ein bitterer Streit um seine Seele entsteht, ehe er verschwindet. Wohin genau? Hölle? Himmel? Paradies? Fegefeuer? Man weiß es nicht. Jalil erschießt sich. Marei erwacht aus dem Koma – doch so allein verzweifelt sie... Die Botschaft: Zur rechten Zeit ist der Tod eben doch Erlösung.

Sonja Still

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