So wird die Therapiehalle der Orthopädischen Klinik auf der Point aussehen. visualisierung: Ludes Architekten/DRV Bayern Süd
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So wird die Therapiehalle der Orthopädischen Klinik auf der Point aussehen.

Orthopädische Klinik in Tegernsee erweitert das Angebot

Therapiehalle mit Seeblick – jetzt kommt sie

  • Gerti Reichl
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Die Therapiehalle auf der Point ist ein lange geplantes und viel diskutiertes Vorhaben, um die Orthopädische Klinik für die Zukunft zu rüsten. Jetzt ist es soweit: Im März soll der Bau beginnen.

Tegernsee – Die Orthopädische Klinik, deren Vergangenheit als Reha-Einrichtung 1958 begann, hat schon viel Wandel erlebt. Seit April 2020 leitet Professor Tobias Kraus (40) als Chefarzt das Haus unter Trägerschaft der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Bayern Süd. Er verfolgt ein klares Ziel: „Die Klinik soll sich mehr nach außen öffnen.“ Nicht nur Patienten, die von der Deutschen Rentenversicherung überwiesen werden, sollen hierher zur Reha kommen. „Die ganze Bevölkerung im Tegernseer Tal soll von unserer medizinischen Versorgung profitieren.“ Sei es stationär oder ambulant als Privatpatient oder Selbstzahler nach operativen Eingriffen oder zur Großgeräteuntersuchung wie etwa Knochendichtemessungen. „Unser Therapiebereich ist jetzt schon wunderbar“, wirbt Professor Kraus. „Aber er hat keinen Seeblick.“ Und der soll jetzt kommen.

Die neue Therapiehalle sei für die Klinik ein wichtiger Schritt, um die Herausforderungen des Wandels zu schaffen. Sie wird auf dem Dach der Klinik-Tiefgarage platziert, vor dem Bettenhaus. Die Außenmaße betragen 40,88 mal 33,60 Meter. 5,24 Meter wird der Bau in die Höhe ragen. Die Glas-Fassade wird durch Holz-Elemente, die in Rastern über den Fenstern liegen, aufgelockert. Auf Wunsch des Landratsamts hatte man sich auf diese Fassade geeinigt, der Stadtrat war einverstanden. Er stand dem Vorhaben überhaupt stets wohlwollend gegenüber. Im Oktober 2020 hatte das Landratsamt dann endgültig seinen Stempel auf die Baugenehmigung gesetzt. Als vor wenigen Tagen im Bayerischen Staatsanzeiger sowie im Internet die Ausschreibung für die Zimmer- und Holzbauarbeiten erfolgte, war klar: Jetzt wird in die Tat umgesetzt, was lange geplant, aber auch umstritten war. Überhaupt war lange unklar, wohin die Reise geht mit der Klinik auf der Point. Sie beschäftigt aktuell 120 Mitarbeiter in Tegernsee. Zwischen 30 und 40 Therapeuten sind hier tätig.

Orthopädische Klinik Tegernsee: Es war eine Zitterpartie

Schon 2010 wurden Erweiterungs- und Modernisierungspläne geschmiedet. Doch was folgte, war ein Zickzack-Kurs, in dessen Verlauf auch von Abwanderung und Umzug die Rede war. Als dieser Kurs dann in dem Plan mündete, die bestehenden Gebäude mit Ausnahme des denkmalgeschützten Hauses Wedelstaedt abzureißen und durch vier wellenförmige, sechsstöckige Neubauten zu ersetzen, kam es zu heftigen Protesten. Die Nachbargemeinde Rottach-Egern erhob Einspruch, weil sie sich um die Optik am Seeufer sorgte, die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) initiierte Weihnachten 2013 sogar einen Protestmarsch.

Es folgte eine Zitterpartie: Kündigte die DRV zunächst die Änderung der Pläne an, so sah sie kurz darauf plötzlich „keinen Spielraum mehr für Umplanungen“. Weil der Protest jedoch lauter wurde – von „Größenwahn“ war die Rede – lenkte die DRV ein und zog Ende 2014 überraschend ihre Pläne zurück. Es hieß, man sehe „rechtliche Risiken“. Erleichterung machte sich breit, als die DRV dann verkündete, dass sie schrittweise sanieren und erweitern wolle, statt abzureißen und neu zu bauen.

Kampf um Orthopädische Klinik: Patienten sammelten Unterschriften

Drei zentrale Maßnahmen wurden in einem Stufenplan angekündigt: der Umbau des Hauses Wedelstaedt, der Neubau einer Therapiehalle und schließlich der Neubau eines Bettenhauses auf dem Grundstück des städtischen Sportheims. Doch die Klinik lieferte weiter Schlagzeilen: In Sorge um ihre Arbeitsplätze, formierte sich die Belegschaft im November 2017 zur Kundgebung. Sie forderte ein klares Bekenntnis zum Standort Tegernsee. Als durchsickerte, dass die DRV Alternativ-Grundstücke , unter anderem in der Oberpfalz, prüfte, wurden diese Ängste noch geschürt. 2000 Unterschriften zur Rettung der Klinik in Tegernsee wurden schließlich von Patienten gesammelt und an die DRV übergeben.

Die Sorgen waren vom Tisch, als sich der DRV-Vorstand dann doch klar zu den Plänen in Tegernsee bekannte. Es folgte das Genehmigungsverfahren für die Therapiehalle, deren Bau jetzt im März beginnen soll, wie Felix Magin, Pressesprecher der DRV Bayern Süd auf Nachfrage mitteilt. „Wir rechnen mit einem planmäßigen Ablauf“, so Magin. „Vorkehrungen wie die Erstellung eines Hygienekonzeptes wurden getroffen. Wir haben die Auftragnehmer im Zuge der Vergabe besonders auf dieses Thema aufmerksam gemacht.“

Orthopädische Klinik auf der Point in Tegernsee: Hilfe bei Entlastung der Akutkliniken

Was den Klinikbetrieb mit 166 Betten aktuell betrifft, so stelle die Corona-Pandemie auch für den Standort Tegernsee eine Herausforderung dar. „Dank entsprechender Schutzmaßnahmen und Hygienekonzepte kann unsere Klinik weiterhin Rehabilitationsleistungen erbringen“, betont Magin. Um Mitarbeiter und Rehabilitanden so gut wie möglich zu schützen, sei jedoch die Belegung reduziert worden. Überhaupt käme Rehakliniken in der Pandemie eine besondere Bedeutung zu. „Sie übernehmen verlegungsfähige Patienten und sorgen damit für eine Entlastung der Akutkliniken zur Bewältigung der Pandemie.“ Dies sei auch in der Orthopädischen Klinik der Fall, wie deren Chefarzt Tobias Kraus bestätigt.

Parallel zum Bau der Therapiehalle werde der Stufenplan weiterverfolgt, so Felix Magin. „Die Planungen für weitere Sanierungen laufen.“ Was die Zukunft des Klinikteils bergseitig der Bundesstraße betrifft, so werde auch dieser im Rahmen des Gesamtprojekts saniert. „Konkrete Festlegungen zu Art und Umfang sind aber noch nicht getroffen“, teilt der Sprecher mit.

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gr

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