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Tourismus im Landkreis Miesbach: „Wann ist es wem zu viel?“ - Studie soll Veränderung ermöglichen

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Von: Jonas Napiletzki

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Laura Binni (l.) mit Anja Berghammer
Laura Binni (l.) und Anja Berghammer (r.) von der Unternehmensberatung Catus Consultant arbeiten an einer Studie zum Tourismus im Landkreis Miesbach © Privat

Müll, Stau, Ärger: Wer Veränderungen im Tourismus will, muss herausfinden, wem was wie wichtig ist. Dafür entsteht heuer eine Studie.

Landkreis – Das Ziel der Studie, die derzeit für den Landkreis Miesbach erarbeitet wird, sind konkrete Lösungsideen für die Region Tegernsee-Schliersee. Das ist kein Zufall. Denn: Der Landkreis Miesbach hat sich mit der Eskalation des Konflikts zwischen Ausflüglern und Einheimischen vor rund einem Jahr bundesweit einen Namen gemacht.

„Bleibt’s dahoam wo’s higherts“, war damals auf einem Schild mit Stinkefinger gegen Münchner am Miesbacher Ortseingang zu lesen. Die Bilder davon gingen viral. Und die Problematik dahinter geht jetzt in die wissenschaftliche Aufarbeitung.

Verschwinden könnten mit den Erkenntnissen nicht nur die Stinkefinger-Laune, sondern bestenfalls auch die Autokolonnen. Wie gelingt eine verträgliche, ökologisch-nachhaltige Mobilität?

Die Idee zur Studie

Wolf-Dieter Roetzer, Projektplaner aus Stuttgart, wollte darauf Antworten haben – und hat eine Studie angestoßen. Er plant das Gesundhaus-Projekt in Neuhaus (wir berichteten), kommt seit rund 30 Jahren an den Schliersee und ist überzeugt: „Das Tourismus-Problem hat sich intensiviert.“ Es brauche eine andere Mobilität. Über den Tourismus-Lehrstuhl an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und Professor Jürgen Schmude ist Roetzer auf einen Fördertopf des Bayerischen Zentrums für Tourismus gestoßen. Mit einem Forschungsantrag haben sich daraufhin Marion Karl, promovierte Wirtschaftsgeografin an der LMU, und ihre ehemalige Kollegin Anja Berghammer um die Förderung beworben. Berghammer ist ebenfalls promovierte Wirtschaftsgeografin und Professorin für Tourismusmanagement. Die Bewerbung war erfolgreich: 50 000 Euro lässt sich das vom Freistaat geförderte Institut die Studie kosten.

Skifahrer-Parkplatz am Sudelfeld
Blechlawine statt Idylle: Der Tourismus im Landkreis Miesbach ist manch einem zu viel - hier der Skifahrer-Parkplatz am Sudelfeld. © Steffen Gerber

Berghammer, nun Geschäftsführerin der Catus Consultants Unternehmensberatung in Ingolstadt, sieht Parallelen zwischen Beratungen in der Wirtschaft und in Regionen. Es gebe ähnliche Hürden. „Veränderung hört sich nett an – aber bitte nicht mit mir“, höre sie oft.

Die Ziele

Was nach der Studie verändert werden könnte, erklärt Berghammer mit Laura Binni, Senior Consultant bei Catus und Expertin fürs Steuern von Veränderungsprozessen (engl. Changemanagement). Neben Erkenntnissen für die Wissenschaft gilt es laut Binni, „alle an einen Tisch zu bekommen und einen Konsens zu finden“. Gemeint sind damit Interessensgruppen, die direkt oder indirekt den Tourismus spüren, davon profitieren oder darunter leiden. Die touristische Tragfähigkeit, die „Schmerzgrenze“, verschiedener Gruppen soll berücksichtigt werden. Unterschiede dabei gibt es viele.

„Jeder erzählt aus seiner eigenen Blase“, berichtet Binni von Interviews, die sie mit Menschen aus der Region bereits geführt hat. Ein Anwohner einer Hauptstraße fühle sich eher gestört als jemand, der vom Verkehr nichts mitbekommt und den Trubel mag. Jede Sichtweise habe ihre Berechtigung, versichert Binni. Aber das konkrete Forschungsinteresse lautet Berghammer zufolge: „Wann ist es wem zu viel?“

Das Vorgehen: Lösungsideen sollen Einheimischen und Touristen nicht übergestülpt werden

Im Rahmen der Studie werden mit Befragungen und Workshops seit vergangenem September ein Jahr lang Lösungsideen mit Interessensgruppen gemeinsam skizziert. Eine Umfrage mit Tagestouristen soll zeitnah mithilfe eines Online-Fragebogens durchgeführt werden. „Nur wenn Ideen von allen mitentwickelt wurden, werden sie bei der späteren Umsetzung von allen mitgetragen“, betont Binni.

Zu den Gruppen zählen nicht nur Einheimische wie Gastronomen, Hoteliers, Touristiker oder Anwohner, sondern auch Touristen. Die würden sich selbst gerne von anderen abgrenzen – etwa durch Reisemotive oder Aktivitäten. Um Unterschiede herauszuarbeiten, werden Profile erstellt. Dabei ist Berghammer wichtig, niemandem – Touristen oder Einheimischen – eine Lösung überzustülpen. Binni erklärt, dass es vielmehr darum gehe, die Bereitschaft zum Perspektivwechsel zu schaffen.

Mit den entwickelten Lösungsvorschlägen könne später beispielsweise eine Imagekampagne realisiert werden. Durch die Studie solle klar werden, wie der Landkreis in einem verträglichen Maß Touristen empfangen kann. Die Umsetzung liegt in der Hand der Region.

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