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Da fühlt er sich wohl: Michael Heim (l.) am Tisch mit seinem Freund Hans Sollacher. Bier und Brotzeit gehörten dazu.

Trauer im Tegernseer Tal

Der Seegeist Michael Heim ist verstummt

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Tegernseer Tal –  Michael Heim war unser Seegeist. Ein meisterhafter Schreiber und kritischer Denker, der das Tegernseer Tal liebte. In seinen Kolumnen legte er die Finger in die Wunden, kenntnisreich und mit feinem Humor. Mit 79 Jahren ist Heim nach schwerer Krankheit gestorben. Er wird fehlen.

Michael Heims Energie schien unerschöpflich. 79 Jahre alt, pflegte er in unserer Samstags-Kolumne als Seegeist einen spritzigen Briefwechsel mit dem Überführer. Wie kein anderer kannte er die Geschichten und die Geschichte des Tegernseer Tals. Den Politikern und anderen Machern schaute er auf die Finger, mit unbeirrbar kritischem Geist und treffender Schärfe, gepaart mit viel Wortwitz. Und er ließ die Historie des Tals lebendig werden: allmonatlich mit der Zeitreise durch die Ausgaben unserer Zeitung vor 100 Jahren.

Eine solche Zeitreise liegt noch zur Veröffentlichung bereit. Michael Heim hat sie im Voraus geschrieben, am Tag, bevor er ins Krankenhaus zu einer Hals-Operation musste. Er werde wohl zwei oder auch drei Wochen ausfallen, meinte er. Ans Sterben dachte er nicht.

Auch nicht nach der – sehr schweren – Operation. Er konnte nicht sprechen, aber kritzelte schon Nachrichten auf einen Block, hoffte auf schnelle Genesung. Sie war ihm nicht vergönnt. Am Dienstag ist Heim gestorben. Auf Wunsch seiner Witwe Gertie veröffentlichen wir die Nachricht von seinem Tod erst heute.

Mit Michael Heim verlieren wir einen unersetzlichen Schreiber. Schon als Tegernseer Gymnasiast hat der geborene Wiesseer für unsere Zeitung Artikel verfasst. Er schrieb über den Heiligen Qurinus, der es ihm angetan hatte. Später erlernte er im Redaktionsstüberl des Hauses Boemmel das journalistische Handwerk, Hans Rose und Gregor Dorfmeister waren seine ersten Lehrherren. Just in dem Haus an der Rosenstraße, in dem auch heute noch die Tegernseer Zeitung entsteht.

An der Münchner Universität hat Heim studiert, 1964 lieferte er seine Dissertation ab. Den Dr. vor seinem Namen verschwieg er meist. Michael Heim war ein bescheidender Mann, der gerne zuhörte und auch gerne erzählte – aber nicht über sich.

Als Rechercheur war er überaus hartnäckig, als Schreiber brillant. Das öffnete ihm früh die Türen zu den Chefredaktionen. 1964 wechselte Heim von Tegernsee zum Münchner Merkur, war dort Chefreporter und Ressortleiter Außenpolitik. 1983 zog es ihn dann zum Bayerischen Rundfunk, wo er bis zum Ruhestand Redakteur, Filmautor und Regisseur war. Aber er blieb der Tegernseer Zeitung verbunden, als Seegeist. Die wöchentliche Kolumne erscheint seit 1983. Zuerst war es Hans Sollacher, mit dem sich Heim austauschte. Die beiden schätzten sich sehr. „Dr. Michael Heim ist mit tausend Wahrnehmungstentakeln ausgestattet, ein Wahrheits- und Gerechtigkeitsfanatiker, dazu ein Meister der Sprache“, schrieb Hans Sollacher zu Heims 60. Geburtstag. Nach dem Tod Sollachers, des „Redakteurs“, im Dezember 2003 setzte Heim den Briefwechsel ab 2005 mit dem „Überführer“ fort.

Die Kolumne

Noch viel mehr Zeit widmete er den Tegernseer-Tal-Heften, die es seit über 50 Jahren gibt. Sie erscheinen im Tegernseer Tal Verlag der Gemeinden, früher dreimal, jetzt zweimal im Jahr. Das aktuelle Heft trägt die Nummer 162. Heim war fast von Anbeginn dabei, übernahm nach Hans Sollacher und Peter Bachhuber die Leitung. Mit ungeheurem Fleiß stattete er die Homepage www.tegernseer-tal-verlag.de mit einem digitalen Stichwortverzeichnis aus. Aktuell arbeitet er darüber hinaus noch an einem Buch über Kaltenbrunn.

Die Fülle dessen, was er in seinem Leben bewegt und getan hat, passt nicht in einen Nachruf. Genannt seien hier seine Reporterreisen durch die USA, Südamerika, Afrika und die Krisengebiete des Nahen Ostens. 1982 durchquerte er mit einer Expedition die Sahara. 1971 erschien sein Polit-Fiction-Roman „Assuan – wenn der Damm bricht“, der mit dem Hamburger Literaturpreis „Der erste Roman“ ausgezeichnet und weltweit in zehn Sprachen übersetzt wurde. Mit seinem Freund Thomas Rebensburg hat der Vielbegabte zur 1250-Jahrfeier von Tegernsee mit dem Oratorium „De Fundatione“ ein großes Werk geschaffen.

Die Freude am Schreiben ist ihm geblieben bis zuletzt, ebenso die Neugierde und die Liebe zum Tal. Der reisefreudige Vater von vier Kindern und Großvater von drei Enkeln hat mit seiner Frau Gertie in München gewohnt, aber sein Herz ist stets am Tegernsee geblieben. So wie sein Freund Sollacher schrieb: „Daheim geblieben aber ist er im Tal.“ Seine letzte Ruhe wird Michael Heim am Dienstag, 5. Januar, auf dem Münchner Waldfriedhof finden. Die Trauerfeier beginnt um 9.45 Uhr.

Ein Kondolenzbuch finden Sie online unter www.trauer.de

Stimmen zum Tod von Michael Heim

Angela Brogsitter-Finck, Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal: „Dr. Michael Heim war Ehrenmitglied der Schutzgemeinschaft, und er war einer unserer wichtigsten Verbündeten in unserem Bestreben, unser einzigartiges Gottesgeschenk, unsere Landschaft, vor weiterer Zerstörung zu bewahren. Wortgewaltig, aber stets mit dem Florett, nicht mit dem Schwert streitend, hat er uns mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Kein anderer hat wie er den Finger in jede Wunde gelegt, die unserem Tal geschlagen wurde, und so ist sein Tod für unser ganzes Tal ein Verlust, der uns erst in der Zukunft sehr schmerzhaft bewusst werden wird.“

Beni Eisenburg, Heimatkundler aus Gmund: „Michael Heim war ein lebendes Archiv, das uns jetzt verlorengeht, eine Institution mit einem unglaublichen historischen Wissen. Vor allem das Kriegsende im Tegernseer Tal hat ihn sehr beschäftigt. Dabei hat er noch seinen Vater verloren.“

Roland Götz, Kirchenhistoriker und wie Eisenburg Mitglied der Talheft-Redaktion: „Beeindruckt hat Michael Heim mit seiner nie nachlassenden Leidenschaft für Geschichten. Er hat uns überzeugt, dass die Themen für die Tal-Hefte nie ausgehen. Sein Tod reißt ein riesige Lücke.“

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