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Lastwägen sorgen in Tegernsee für überschrittene Lärmschutz-Grenzwerte. 

Lärmbelastung durch Verkehr in Tegernsee

Trotz überschrittener Grenzwerte: Kein Lärmaktionsplan

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Tegernsee - Tegernsee schrammt in Sachen Lärm an den Grenzwerten oder überschreitet diese sogar. Dennoch wird es keinen Lärmaktionsplan geben. Das hat der Stadtrat beschlossen.

Auf den Lärmkarten des Bayerischen Landesamtes für Umwelt ist die Bundesstraße durch Tegernsee dick markiert. Diese Karten wurden 2013 für Staatsstraßen veröffentlicht, die laut einer Zählung vom Jahr 2010 durch mehr als drei Millionen Kraftfahrzeuge pro Jahr oder mehr als 8200 Kraftfahrzeuge pro Tag belastet sind. Auslöser für diese Lärmkarten war die von der EU 2002 eingeführte EG-Umgebungslärmrichtlinie. Deren Ziel ist es, europaweit schädliche Auswirkungen und Belästigungen durch Umgebungslärm zu verhindern, zu mindern und vorzubeugen. Städten und Gemeinden wurde daraufhin geraten, Lärmaktionspläne in Erwägung zu ziehen. 

Eine Aktionsplanung aufzustellen, liegt im Ermessen der Stadt

Tegernsee schrammt in Sachen Lärmpegel an den Grenzwerten oder überschreitet diese sogar. Demnach liegt der Wert am Tag bei 60 bis 65 Dezibel, in der Nacht bei 55 bis 60 Dezibel. Als Anhalt für die Überschreitung des Lärmpegels führt das Umweltamt Werte von 67 Dezibel am Tag und von 57 Dezibel in der Nacht an. Eine Aktionsplanung ab diesen Werten aufzustellen, sei nicht zwingend, so das Umweltamt. Vielmehr liege dies im eigenen Ermessen der Stadt. Von den Überschreitungen müssten aber gleichzeitig mehr als 50 Bewohner betroffen sein. 

„Ausbaumöglichkeiten erfolgen außerhalb des Tals, und die Verlagerung des Verkehrs ist generell auch nicht möglich“

Bereits im Dezember vergangenen Jahres befasste sich die Stadt mit dem Thema, lehnte die Aufstellung eines Lärmaktionsplans aber einstimmig ab. Grundsätzlich, so hieß es damals in der Begründung, könnte die Stadt nur eine Bestandsaufnahme durchführen. Weil das Staatliche Bauamt Rosenheim für die Bundesstraße zuständig sei, hätte die Stadt keine eigenen rechtlichen Möglichkeiten, um konkrete Maßnahmen zur Lärmminderung durchzusetzen. Auch habe die Stadt keinen Einfluss auf den Zufluss des Verkehrs, hieß es damals. „Ausbaumöglichkeiten erfolgen außerhalb des Tals, und die Verlagerung des Verkehrs, etwa auf die andere Seeseite, ist generell auch nicht möglich.“ Ansätze zur Lärmminderung waren der Stadt mitgeliefert worden: Tempo-30 Zonen, schmälere Fahrbahnen, Flüsterasphalt, Schallschutzwände, Erhöhung der Parkplatzkapazitäten, Ausbau des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs, Schallschutzfenster und -wände, Lkw-Fahrverbote, Tunnel, Ortsumfahrungen. 

Tempo 30 auf der Hauptstraße in Tegernsee würde den Lärm nicht reduzieren

In der jüngsten Sitzung des Stadtrats brachte Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) den Lärmaktionsplan in seinem Projektbericht erneut zur Sprache, weil einige Stadträte damals die Verwaltung aufgefordert hatten, bei dem ein oder anderen Punkt nachzuhaken. Etwa zum Thema Tempo 30. Laut einer Stellungnahme von Polizei und Landratsamt sei die Einführung „nicht verhältnismäßig und nicht notwendig“. Tempo 30 auf der Hauptstraße in Tegernsee würde den Lärm nicht reduzieren. 

Ein Nachtfahrverbot für Lkw, das von 22 bis 6 Uhr gilt, gibt es bereits

Ebenfalls rechtlich nicht machbar sei laut Staatlichem Bauamt Rosenheim eine Ampelschaltung, die sich am Tempo der Autofahrer orientiert. Flüster- asphalt werde ohnehin aufgebracht, wenn Reparaturen an der Straße durchgeführt werden. Ein Nachtfahrverbot für Lkw, das von 22 bis 6 Uhr gilt, gibt es bereits. Die Polizei sei aufgrund von Kontrollen der Überzeugung, dass es meist eingehalten werde. Lediglich einige Holzlaster, die bereits ab 4 Uhr durchs Tal donnern und die Anwohner aus dem Schlaf holen, seien ein Problem. 

„Die Behörde soll uns die Messungen zeigen, dann können wir konkret über Maßnahmen reden“

CSU-Stadtrat Rudolf Gritsch waren die Aussagen der Polizei zu dünn: Er forderte konkrete Nachweise von den Kontrollen. „Die Behörde soll uns die Messungen zeigen, dann können wir konkret über Maßnahmen reden.“ Hagn sicherte zu, diese einzuholen. Die Diskussion über einen Lärmaktionsplan wird der Stadtrat wohl nicht aufrollen, das Gespräch über Einzelmaßnahmen aber vielleicht schon, wenn die geforderten Unterlagen vorliegen

gr

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