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Der Übergangsmann: Christian Kausch (r.) bei der Übergabe des Staffelstabs von Georg Overs (l.) an Stephan Köhl. Ein Vierteljahr danach übernahm Kausch wieder – zum zweiten Mal.

Selbstbewusster Auftritt im Tegernseer Stadtrat

Interims-Chef Kausch arbeitet an seinem Image

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Tegernsee - Christian Kausch ist Tourismus-Chef – übergangsweise. Keine leichte Position. Dennoch trat der Interims-Mann im Tegernseer Stadtrat selbstbewusst auf: Er sei mehr als nur Buchhalter.

Transparenz und Vertrauen, das sei ihm wichtig, machte Christian Kausch im Tegernseer Stadtrat klar. Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) hatte ihn um einen Bericht gebeten. Denn ganz offenkundig fühlt sich zumindest ein Teil der Stadt- und Gemeinderäte rund um den See nicht gut darüber informiert, was in der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) passiert.

Wie unsere Zeitung berichtete, hatte die Gemeinschaft der Freien Wähler im Tal gefordert, einen Aufsichtsrat zu bilden, der die TTT kontrolliert. Und zwar einen, der aus Mitgliedern der Räte besteht. Damit, so die Argumentation, sei dann endlich für die Kommunikation gesorgt.

Auslöser war die Entscheidung der Bürgermeister als TTT-Gesellschafter, den erst im Januar neu berufenen TTT-Geschäftsführers Stephan Köhl Ende März eilig wieder zu verabschieden. Es war eine einsame Entscheidung, was den TTT-Beirat und auch viele Gemeinderäten vor den Kopf stieß. Der FWG-Antrag fand jedoch keine Zustimmung, in Rottach-Egern wurde er nicht einmal gestellt.

Bad Wiessee regte eine talweite Sitzung zum Thema Aufsichtsrat an, die aktuell jedoch kein Thema mehr ist. Nicht für den Wiesseer Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) und erst recht nicht für seinen Rottacher Kollegen Christian Köck (CSU). „Es ist gut, wenn jetzt alles in ein ruhigeres Fahrwasser kommt“, findet Köck.

Zumal derzeit gemeinsam mit dem TTT-Beirat intensiv über die künftigen Strukturen diskutiert werde, wie der Kreuther Rathauschef Josef Bierschneider (CSU) berichtet. „Wir müssen festlegen, wohin die Reise gehen soll“, erklärt Bierschneider. Und auch die Frage der Geschäftsführung sei zu lösen. Der Posten soll nach derzeitigem Stand Ende des Jahres neu ausgeschrieben werden.

Aktuell liegt die Regie jetzt in den Händen von Christian Kausch. Schon zum zweiten Mal. Auch nach dem Weggang von TTT-Chef Georg Overs im Herbst 2015 hatte Kausch die Leitung bis zum Amtsantritt Köhls im Januar übernommen. „Und ich mache als Interims-Geschäftsführer mehr als nur die Buchhaltung“, erklärte Kausch nun im Stadtrat.

Er sprach damit offen an, was im Stillen getuschelt wird: Kausch sei ein Mann der Zahlen, heißt es oft, ein sorgsamer, fleißiger Arbeiter, aber eben kein Touristiker mit Gespür für Menschen und Strategien. Nicht denkbar als Führungskraft auf Dauer. Derzeit arbeitet Kausch offenkundig an seinem Image. Tourt durch die Gremien, stellt seine Leistungen heraus. Dass er sich vorstellen könnte, den Posten des Geschäftsführers dauerhaft zu übernehmen, hatte er unserer Zeitung schon im Juli auf Nachfrage bestätigt.

„Ich wurde auch nicht als Buchhalter eingestellt“, machte Kausch nun im Tegernseer Stadtrat klar. Man habe ihn engagiert, um die Tourismus-Organisationen unter ein Dach zu bringen. „Strukturen überdenken, das kann ich gut.“ Er habe die Verhandlungen mit dem Busunternehmen RVO geführt und auch mit der Bayerischen Seenschifffahrt zur Beteiligung an der TegernseeCard.

Um für mehr Transparenz zu sorgen, lege die TTT auf ihrer neuen Website alle wichtigen Zahlen offen, erläuterte Kausch. Zudem wolle er regelmäßig in den Stadtrat und die Gemeinderäte kommen. „Da können wir alle Fragen direkt besprechen.“

Im Stadtrat keimte keine Diskussion auf. Christine Laprell (CSU) erkundigte sich, wie die TTT dem Bettenschwund begegnen wolle. Kausch erwiderte, man habe bereits Anreize für Gastgeber geschaffen und hoffe, dass dies Wirkung zeigt. Dass es Bedarf für weitere Gästebetten gibt, daran besteht kein Zweifel. Momentan seien praktisch alle Zimmer im Tegernseer Tal ausgebucht, berichtete Kausch. Es sei schwierig, spontan jemanden unterzubringen: „Aber wir versuchen alles, damit kein Gast stehen gelassen wird.“

jm

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