Prozessauftakt nach Arzt-Mord am Tegernsee: Ekatarina R. (l.) würde gerne Aussagen.
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Prozessnach Arzt-Mord am Tegernsee: Ekatarina R. (l.) würde gerne aussagen.

Bewegtes Liebesleben

Überdosis-Mord am Tegernsee: War es Geldgier? Liebhaber bieten spannende Einblicke

  • Angela Walser
    vonAngela Walser
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Hat sie ihrem Mann Insulin und Morphium gespritzt, während dieser schlief? Gegen eine Tegernseerin läuft ein Mordprozess. Jetzt verdichten sich die Hinweise auf Geldgier als Motiv.

  • Dieser bizarre Mord-Fall vom Tegernsee beschäftigt Region und Ermittler seit August 2018.
  • Erst ein gutes halbes Jahr nach dem Tod ihres Mannes wurde Ekaterina R. festgenommen.
  • Nun läuft der Prozess - am Montag sagten Liebhaber aus.

Update am 12. Oktober: Im Giftmord-Prozess wurde ein Liebhaber gehört. Es handelte sich um einen Juristen (67) aus Tegernsee. Vor dem Landgericht München II musste er im Prozess um den mutmaßlichen Giftmord einer 49-Jährigen aus Bulgarien an ihrem Ehemann (60) als Zeuge aussagen. Doch es ging nicht etwa um Rechtliches, sondern um die private Beziehung des 67-Jährigen zur Angeklagten.

Am achten Verhandlungstag standen die Liebschaften der ehemaligen Krankenschwester auf dem Programm. Da war der 90-jährige Nachbar, der im selben Haus von der Frau betreut wurde, da gab es seit vielen Jahren einen mittlerweile 41-jährigen Elektroniker, einen Hausmeister und eben den Juristen. Letzterer quälte sich verständlicherweise stark durch die Vernehmung. Er hätte die Beziehung gerne als „Bekanntschaft“ bagatellisiert oder sie allenfalls als körperlichen Kontakt bezeichnet. Von einem sexuellen Verhältnis wollte er nicht sprechen. Doch der Vorsitzende Richter Thomas Bott blieb hartnäckig.

Telefonüberwachungen belegen Liebesleben

Die Telefon-Überwachungen der Angeklagten hätte Gegenteiliges belegt, referierte er. In Gesprächen mit ihren Freundinnen in Bulgarien hatte die 49-Jährige von ihrer intimen Beziehung gesprochen, dass sie „gestern wieder gute Liebe gemacht“ hätten usw.. Dort kam auch zur Sprache, dass die Angeklagte ihren Liebhabern wegen einer Geschlechtskrankheit ein Antibiotikum zur Verfügung stellte. Aber nicht jeder habe das Medikament nehmen wollen. Schließlich gab der Jurist zu, die Frau vier- oder fünfmal getroffen zu haben. Nicht jedes Mal sei es zum Geschlechtsverkehr gekommen. Weihnachten 2018 sei die Beziehung beendet gewesen.

Der Richter ging aufgrund der abgehörten Telefonate von einem späteren Zeitpunkt aus. Die Angeklagte wollte auch mit dem 67-Jährigen eine Fluss-Kreuzfahrt von St. Petersburg nach Moskau unternehmen, die sie mit ihrem Mann geplant hatte.

Der 41-jährige Liebhaber hatte keine Probleme mit seiner Beziehung zur Angeklagten. 2003, während des Jahrhundertsommers, waren sich beide näher gekommen und hatten rasch ein intimes Verhältnis begonnen. „Es war eine heiße Affäre“, sagte der Mann vor Gericht. Er habe ihre spontane Art geliebt, ihren offenen Austausch und den leidenschaftlichen Sex. Der Prozess dauert an.

Update vom 5. Oktober, 16.30 Uhr: Im Giftmord-Prozess hat eine Zeugin (83) vor dem Landgericht München II die Geldgier der angeklagten Arztwitwe (49) beschrieben. Demnach wollte sich die Angeklagte nach dem mutmaßlichen Mord an ihrem Mann das Vermögen eines wohlhabenden Nachbarn verschaffen. Doch dessen von ihm getrennt lebende Frau konnte das verhindern.

Im August 2018 war es in einem Mehr-Parteien-Komplex am Steinmetz-Platz in Tegernsee zu dem ungeklärten Tod des Augenarztes gekommen. Zunächst hatte die 49-Jährige von einem Herzinfarkt gesprochen, später von Selbstmord wegen Depressionen. Doch tatsächlich starb der 60-Jährige an einer Überdosis Insulin (das er nicht benötigte) in Verbindung mit Morphium, das ihm wohl seine Frau verabreicht hatte (wir berichteten), womöglich um an sein Vermögen zu kommen. Die 49-Jährige, eine gelernte Krankenschwester, hatte praktisch gleichzeitig im Haus einen 93-Jährigen betreut. Der Mann, ein früher erfolgreicher Immobilienmakler, hatte einst den Gebäudekomplex gebaut und besaß dort noch eine Wohnung. Die verkaufte er der Angeklagten für einen absoluten Freundschaftspreis in Höhe von 60 000 Euro. Diese Summe musste die 49-Jährige auch für drei Garagen bezahlen, die die Frau (83) des vermögenden Nachbarn ihr verkaufte.

Vorwurf: Angeklagte kassierte 3000 Euro schwarz - monatlich

Letztere beschrieb die Angeklagte gestern vor dem Landgericht München II als äußerst hilfsbereite Person. Nach dem Tod ihres eigenen Mannes habe die Angeklagte ihr angeboten, den Nachbarn bei sich in der Wohnung aufzunehmen, weil sie ihn dort besser pflegen konnte. Dabei war der 93-Jährige ein sehr lebenslustiger Mann – ähnlich wie es der Verstorbene gewesen war. Dessen drei erwachsene Kinder beobachten als Nebenkläger den Prozess. Für die Betreuung des Nachbarn hatte die Angeklagte laut der Zeugin 3000 Euro monatlich schwarz kassiert. Irgendwann habe sie auch versucht, an das Erbe des Sohnes zu gelangen. Eine halbe Million Euro sollte er ihr geben, um sich später die Erbschaftssteuer zu sparen. Der Prozess dauert an. ANGELA WALSER

Update vom 24. September, 15.15 Uhr: Im Prozess gegen eine Frau aus Tegernsee wegen des Mords an ihrem Ehemann haben erste Zeugen ausgesagt. Zwei Polizisten und ein Arzt schilderten dem Landgericht München II am Mittwoch Details über den Auffindeort des Opfers, das im August 2018 durch eine Überdosis an Medikamenten in seinem Bett gestorben war. Seine 49-jährige Witwe soll den Mann getötet und seine Urne auf dem Friedhof ausgegraben haben.

Mutmaßlicher Giftmord am Tegernsee: Arzt vermutete Suizid

Ein herbeigerufener Arzt berichtete, dass er einen Suizid des Verstorbenen vermutet hatte, da dieser über Depressionen geklagt hatte. Einer der Polizisten, die daraufhin die Wohnung untersuchten, sagte vor Gericht, er habe ein „eigenartiges Gefühl“ gehabt und eine Obduktion des Leichnams angeregt. Die Verdächtige wurde allerdings erst knapp ein halbes Jahr später festgenommen.

Zum Prozessauftakt am Montag hatte die 49-Jährige eine Aussage zu machen. Dazu kam es zunächst nicht. Die Anklage lautet auf Mord und Störung der Totenruhe. Das mutmaßliche Motiv formuliert die Staatsanwaltschaft so: Die Angeklagte „hatte entschieden, dass ihr Ehemann, von dem sie lange Jahre in erheblichem Ausmaß finanziell profitiert hatte, ihr nun zu nichts mehr nütze sei“.

Im November könnte Urteil zu Tegernseer Mordprozess fallen

Später soll die Witwe das Urnengrab ihres Mannes aufgebohrt und die Urne mitgenommen haben. Einen Teil der Asche füllte sie laut Anklage in ein Glas, den Rest in den Bezug ihres Kopfkissens. Als Nebenkläger in dem Verfahren sind die drei Kinder des Toten zugelassen. Nach Gerichtsangaben sind insgesamt 14 Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil könnte demnach Anfang November fallen.

Artikel vom 21. September: Tegernsee - Ekaterina R. hätte gerne etwas vor dem Landgericht München II gesagt. Immer wieder setzte sie zu einer Erklärung an. Doch dann griff ihre Verteidigerin Garina Hamel ihr durch den schmalen Schlitz der Corona-Schutz-Verbauung auf die Schulter, um sie zum Schweigen zu bringen. „Unsere Mandantin lässt sich heute nicht ein“, sagte später Mitverteidiger David Mühlberger. Sie könne Lebenslauf und Sachverhalt nicht trennen …

Ekaterina S. wird Schreckliches vorgeworfen. Im August 2018 soll sie in Tegernsee (Kreis Miesbach) ihren Mann umgebracht haben. Dafür gab ihm die gelernte Krankenschwester zunächst ein starkes Schlafmittel. Es sollte sich um sein abendliches Antidepressivum handeln. Als er einschlief, spritzte sie dem nicht an Diabetes leidenden Mann mehrmals Insulin. Doch der Mann starb nicht. Deshalb griff sie in den Morgenstunden des 8. August zu drei Ampullen Morphium.

Mord-Ermittlungen am Tegernsee: Staatsanwaltschaft nennt Geldgier als Motiv

Schließlich starb der 60-jährige Arzt. So steht es in der Anklage. Und, dass der Arzt im Ruhestand zu nichts mehr nütze war. Sein Vermögen hatte sie im Verlauf der Ehe schon auf sich überschrieben. Die Wohnung am Tegernsee gehörte ihr ebenfalls – er genoss allenfalls noch ein lebenslanges Nießbrauchsrecht. Bei ihrem Mann war also finanziell nichts mehr zu holen, und im Hintergrund winkte schon die nächste Beziehung zu einem vermögenden Herrn. „Durch den Tod ihres Mannes beabsichtigte die Angeschuldigte im Übrigen, sich dessen verbleibendes Vermögen als Erbe zu sichern“, las Staatsanwalt Matthias Braumandl vor.

Giftmord vom Tegernsee? Es sei ein Selbstmord gewesen, sagt die Witwe

Regungslos verfolgte die 49-Jährige seine Worte. In der Tatnacht hatten die beiden zum Abendessen noch eine Pizza mit Meeresfrüchten verspeist. Mit dabei war ein demenzkranker Nachbar (93), den Ekaterina später in seine Wohnung und dort zu Bett brachte. Daheim legten sich die Eheleute ebenfalls schlafen. Vorher hatten sie noch Sex. Der 60-Jährige fühlte sich geborgen. Am nächsten Morgen war er tot.

Mord-Prozess nach Arzt-Tod in Tegernsee: Ekatarina R. grub Urne wieder aus und...

Ekaterina ließ ihren Mann einäschern und auf dem Tegernseer Friedhof beisetzen. Es sei ein Selbstmord gewesen, erzählte sie. Irgendwann nachts schlich sie zum Friedhof, öffnete mit einem Akku-Schrauber die Grabplatte und entwendete die Urne. Einen kleinen Teil der Asche füllte sie in ein Glas ab und schrieb den Vornamen ihres Mannes darauf. Den Rest füllte sie in den Bezug ihres Kopfkissens und befriedigte sich darauf. Mindestens einmal. Auch das steht in der Anklage. Der Prozess dauert an. - Angela Walser

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