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In der Werkstatt der Bootsbauer-Familie Grieblinger in Bad Wiessee wurde das Ruderboot in vielen Arbeitsschritten repariert. Inzwischen wartet es in Tegernsee auf seinen ersten Einsatz nach der Winterpause.

Fährbetrieb zwischen Tegernsee und Rottach

Der "Überführer" legt wieder ab - im frisch restaurierten Boot

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Tegernsee - Der Fährbetrieb zwischen der Point und dem Seehotel Überfahrt gehört zu den besonderen Attraktionen am Tegernsee. Der „Überführer“ legt bald wieder ab – mit einem erneuerten Boot.

Nass ist es ihm reingegangen im vergangenen Jahr. Nicht etwa wegen vieler Regentage oder mangelnder Kundschaft. Im Gegenteil: Zwischen 20 und 40 Mal rudert der „Überführer“ Stefan Mayr (44) täglich zwischen Mai und Ende Oktober Einheimische und Ausflügler über die engste Stelle des Tegernsees zwischen der Point und dem Rottacher Hotel Überfahrt. Manchmal stehen die Leute sogar Schlange. Dann klingeln sie – so ist’s der Brauch – die Glocke an der An- und Ablegestelle und warten, bis Mayr wieder bereit ist für eine neue Überfahrt. Zwischen acht und 15 Minuten dauert die Passage, je nach Wind und Wetter, doch sie beschert in jedem Fall ein unvergessliches Erlebnis vor traumhafter Kulisse. „Ich hab’ einen Traumjob“, gesteht der 44-jährige Schlierseer, der 2011 den Fährbetrieb von der Stadt Tegernsee gepachtet hat und selbstständig betreibt. Ein Job, der zu den traditionellsten am See überhaupt gehört: Seit über 500 Jahren gibt’s den Fährbetrieb an dieser Stelle schon.

2014 jedoch ging’s Mayr also nass rein – und zwar buchstäblich. „Ich musste täglich das Wasser aus dem Boot schöpfen, das war kein Zustand mehr“, sagt Mayr, der bei Bürgermeister Johannes Hagn sein Leid klagte. Der Rathauschef, dem die Schifffahrt am Tegernsee seit seiner Kindheit eine Herzensangelegenheit ist, zögerte nicht lange, ließ bei der Bootsbauer-Familie Grieblinger in Bad Wiessee einen Kostenvoranschlag machen und gab die Reparatur in Auftrag.

In den 50er-Jahren hatte Josef Grieblinger, der Vater des heutigen, gleichnamigen Firmen-Mitinhabers, ein 9,50 Meter langes Boot nach dem Vorbild einer historischen Ruderfähre mit flachem Holzboden und einfacher Beplankung gebaut. „Christopherus“ hieß dieser Bootstyp. In den 60er-Jahren fertigte Grieblinger dann zusammen mit dem Tegernseer Bootsbauer Bartl Rixner die um einen Meter kürzere „Seerose“ an. 1991 entstand eine neue „Seerose“, zugelassen für 18 Personen. Sie wurde später auf den Namen „Tegernsee“ getauft. „Trotz guter Betreuung war es nicht mehr möglich, das Boot dicht zu bekommen“, sagt Josef Grieblinger (58), der sich in seiner Wiesseer Werkstatt zusammen mit seinen Söhnen Toni (31) und Josef jun. (26) sowie Christoph Rixner an die umfassende Reparatur machte.

In vielen Arbeitsschritten fertigten die Bootsbauer einen stabilen Unterwasser-Rumpf aus Kunststoff, der schließlich mit den verbleibenden, auf Vordermann gebrachten Planken aus Eichen- und Tannenholz zu einem robusten Ruderboot verbunden wurde. Auf Wunsch der Stadt wurde das Christopherus-Bildnis auf dem Hinterteil, „dem Spiegel“, übermalt. „Hier soll das Tegernseer Wappen drauf“, sagt Grieblinger, wobei noch nicht geklärt ist, ob ein Kunstmaler Hand anlegen oder ein Holzschnitzer sein Werk vollbringen soll.

Vier Wochen lag die Ruderfähre auf dem Trockenen, ehe sie am Wiesseer Yachtclub per Kran wieder ins Wasser gehievt wurde und Josef Grieblinger persönlich für eine Jungfernfahrt zu den Rudern griff. Ein Mitarbeiter des Tegernseer Bauhofs schleppte sie schließlich mit einem Arbeitsschiff der Staatlichen Schifffahrt zur Point, wo die Ruderfähre in einem Bootshaus seither auf ihre ersten Fahrgäste wartet. Inzwischen hat auch der TÜV das Boot abgenommen, „ohne Mängel“, fügt Grieblinger stolz hinzu.

Auch wenn der Betrieb offiziell erst am 1. Mai startet: Wenn das Wetter mitspielt, will „Überführer“ Stefan Mayr dieses Wochenende das erste Mal nach der Winterpause sein Ruderboot zu Wasser lassen. In Lederhose und mit Tegernseer Strohhut wird er die Gäste von 10 bis 18 Uhr hin und her rudern, Fragen zu Land und Leuten beantworten und auf Wunsch Tipps für weitere Ausflüge geben. 2,10 Euro kostet die einfache Fahrt für Erwachsene, 1,10 Euro für Kinder. Nass geht’s Stefan Mayr garantiert nicht mehr rein.

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