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So hätte die Planung für das A-ja-Resort ausgesehen.

Pläne an der Perronstraße verworfen

Aus fürs A-ja-Resort in Tegernsee

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Tegernsee - Jahrelang haben die Pläne für ein über 300-Betten-Hotel der A-ja Resort und Hotel GmbH in Tegernsee-Süd für Proteste gesorgt. Jetzt haben sich Projektentwickler und A-ja von ihren Plänen verabschiedet. 

Bei den knapp 20 Mitglieder der Interessengemeinschaft Perronstraße 7-9 knallen die Sektkorken, denn ihr Kampf hat sich gelohnt: Die A-ja Resort und Hotel GmbH wird ihre Pläne für ein 310-Betten-Hotel in Tegernsee-Süd zu den Akten legen – endgültig. „Eine sehr überraschende und wirklich erfreuliche Nachricht“, reagiert Bernhard Schex von der Münchner Kanzlei Heussen. Er hatte die Anwohner mit ihrem Protest von Anfang an vertreten. Einem Protest, dem sich die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) und auch vier Stadträte angeschlossen hatten. Auch Bürger liefen Sturm: Etwa 50 private Einwände, so viel wie bei keinem anderen Vorhaben zuvor, waren im Januar 2014 ins Rathaus geflattert, nachdem die Pläne im Stadtrat diskutiert worden waren. 

In Folge gingen A-ja und der Projektentwickler dann zumindest teilweise auf den Protest ein: Ein Architektenwettbewerb wurde gestartet, um sämtlich Einwände zu verarbeiten. Das Siegermodell des Münchner Architekturbüros F.R.A.U. lag im Sommer 2015 vor. Aus einem anfangs mit 332 Betten geplanten, riegelartigen Gebäudekomplex wurde eine dreigliedrige z-förmige Anlage. Geblieben war das „Billig-Image“, auch wenn A-ja dagegen stets ankämpfte. Dies war dem Konzept geschuldet: 39 Euro hätte die Nacht pro Person in dem nicht klassifizierten Hotel mit Vier-Sterne-Level gekostet. Für alle weiteren Angebote – etwa Wellness oder Gastronomie – hätte der Gast je nach Benutzung bezahlt. Interessengemeinschaft und SGT ließen sich jedoch nicht beirren. Weder vom Investitionsvolumen von rund 30 Millionen Euro, noch von angeblich 80 Vollzeit-Arbeitsplätzen. Und so überzeugte auch der zweite Anlauf nicht. Umso mehr ist SGT-Vorsitzende Angela Brogsitter-Finck jetzt erleichtert: „Gegen günstigere Übernachtungspreise ist nichts einzuwenden, aber hier handelte es sich um eine Mogelpackung.“ Die Planung sei zu massiv gewesen, sagt Brogsitter-Finck. „Das Konzept hatte mit bayerischer Tradition und bayerischem Lebensgefühl nur sehr wenig zu tun. Insofern ist es erfreulich, wenn auf diesem Premium-Grundstück etwas entsteht, das dem Tourismus im Tal wirklich förderlich ist.“ 

Holger Hutmacher, Geschäftsführender Gesellschafter der Hamburger A-ja Resort und Hotel GmbH, zieht eine nüchterne Erkenntnis aus den vergangenen Jahren: „Das Projekt war politisch und gesellschaftlich nicht durchzusetzen.“ Er habe immer klar gemacht, dass das Hotel die Größe von 310 Betten gebraucht hätte, um es wirtschaftlich betreiben zu können, so Hutmacher. Zu weniger sei er nicht bereit gewesen. Dass A-ja auch nicht bereit war, ein Schaugerüst aufzustellen, um die ganze Dimension zu veranschaulichen, trug nicht gerade zur Verbesserung der öffentlichen Meinung bei. Zur Erstellung eines Vorhaben- und Erschließungsplans als Grundlage für die Aufstellung eines Bebauungsplans kam es erst gar nicht: Die Option, das 1,5 Hektar große Grundstück von der Unicredit zu kaufen, wurde nicht eingelöst, das Projekt ist gescheitert. „Tegernsee ist schon ein außergewöhnlich schwieriger Fall“, sagt Hutmacher. „So viel Widerstand und so wenig Objektivität habe er nirgendswo sonst erfahren. A-ja, betont er, habe dennoch weiterhin großes Interesse an einem Hotel am Tegernsee. 

Ein Hotel an diesem Standort bleibe das Ziel der Stadt, betont Bürgermeister Johannes Hagn (CSU), der am Montag noch nicht offiziell über das Aus informiert war. „Tegernsee braucht Betten.“ Er respektiere die Entscheidung, betont aber, dass der Stadtrat mit der Mehrheit von 12:4 Stimmen zuletzt die geänderte Planung mitgetragen hätte. 

„Ich bin nicht traurig“, reagiert SPD-Sprecher Thomas Mandl auf die Nachricht. Er sei immer dagegen gewesen, anfangs noch als einziger im Stadtrat. „So ein Hotel hätte nicht zur Destination Tegernsee mit höherwertigen Angeboten gepasst."

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