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Projektentwickler ist „überzeugter denn je“ vom Almdorf - Baubeginn im Frühjahr 2023

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Von: Gerti Reichl

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So soll das Almdorf in Tegernsee nach der Fertigstellung aussehen.
So soll das Almdorf in Tegernsee nach der Fertigstellung aussehen.  © visualisierung: Ernst Tengelmann Projekt GmbH

Bauarbeiten im unteren Teil der Olaf-Gulbransson-Straße und auf der Zufahrt zum künftigen Almdorf am Fuße der Neureuth machen dieser Tage neugierig. Beginnt nun tatsächlich der Bau? Rainer Leidecker von der Tegernseer Ernst Tengelmann Projekt GmbH, die das Almdorf entwickelt, klärt auf.

Tegernsee – Eigentlich ist es die Olaf-Gulbransson-Straße, die seit vielen Wochen wieder einmal viel Verständnis von den Anwohnern abverlangt. Auf einer Länge von 330 Metern ist die Straße aufgerissen. Gärten, Mauern und Zäune werden zurückgebaut und neu errichtet – sie befanden sich teilweise auf städtischem Grund. Die aus den 1950er-Jahren stammende Wasserleitung wird erneuert, ebenso sämtliche Spartenleitungen wie Strom, Breitband oder Abwasserkanal. Anwohnern ist ausnahmsweise erlaubt, über die sonst gesperrte Westerhofstraße zu fahren. Zudem wird berichtet, dass Bauarbeiter morgens die Straße aufreißen und abends wieder zuschütten, um die Durchfahrt zu ermöglichen. Der Straßenausbau zerrt wieder einmal an den Nerven vieler Hausbesitzer, denn schon 2021 wurde von März bis Juli gebaut, allerdings an anderer Stelle. „Bis Weihnachten wird es wohl noch dauern“, meint Tegernsees Geschäftsleiter Hans Staudacher und bittet um Geduld.

Dabei wird es irgendwann noch dicker kommen. Denn der Ausbau der Olaf-Gulbransson-Straße ist lediglich Voraussetzung für die Verwirklichung der Abriss- und Neubaupläne für den Westerhof. Ein Fünf-Sterne-Gesundheitshotel mit 270 Betten, Personalzimmern, Chalets und Wellnessbereich plant Unternehmer Andreas Greither. Seit zwölf Jahren ist die Rede davon, doch der Weg ist gepflastert von einem immensen Genehmigungsverfahren und zahlreichen Klagen der Nachbarn (wir berichteten). Drei davon sind noch am Laufen.

Das Almdorf

In einem Aufwasch mit der Olaf-Gulbransson-Straße machen die Baufirmen gerade einen Stich hinauf Richtung Almdorf, einem weiteren angekündigten Mega-Projekt für Tegernsee. Die Neureuthstraße wird zwischen dem Abzweig und dem Wanderparkplatz von 3,50 auf fünf Meter verbreitert, zudem werden auch hier sämtliche Leitungen verlegt, die für den Bau des exklusiven Urlaubs-Domizils nötig sind. Auf dem 4500 Quadratmeter großen Grundstück selbst wird zudem bereits Erdreich ausgehoben.

Ist das der Beginn des ehrgeizigen Projekts, an dem inzwischen seit zehn Jahren geplant wird? „Es handelt sich noch nicht um den eigentlichen Start des Bauprojekts“, erklärt Rainer Leidecker, Mit-Erfinder des Projekts. Vielmehr gehe es um vorbereitende Arbeiten. Zum einen für das aufwendige Entwässerungskonzept, das im Dezember 2021 vom Stadtrat mehrheitlich befürwortet worden war. Zum anderen müsse die Wasserleitung der herzoglichen Familie verlegt werden, erklärt Leidecker. „Sie verläuft im oberen Bereich des Grundstücks und hätte die gesamte Baumaßnahme behindert.“

Nutzungskonzept überarbeitet

Die wichtigsten Frage, die man sich am Tegernsee aber stellt: Wann wird das Almdorf verwirklicht? Und: Wer wird es betreiben? Zuletzt, im Juli 2021, hatte Leidecker erklärt, dass man kurz vor der Vertragsunterzeichnung stehe. Wirklich Neues kann er auch jetzt nicht berichten. Allerdings habe man mit dem „künftigen Betreiber“ und aufgrund der „allgemeinen Situation“ das Nutzungskonzept noch einmal überarbeitet. „Im November werden wir eine Tektur bei der Stadt einreichen“, kündigt Leidecker an. Details wolle er nicht nennen. Entwickelt wird das Projekt weiter zusammen mit dem Münchner Architekten Christof Lampadius.

Auf dem Grundstück, wo das Almdorf entstehen soll, sowie auf der Zufahrt dorthin sind vorbereitende Baumaßnahmen im Gange
Auf dem Grundstück, wo das Almdorf entstehen soll, sowie auf der Zufahrt dorthin sind vorbereitende Baumaßnahmen im Gange © THOMAS PLETTENBERG

Laut Leidecker bekommt das Projekt nach bisheriger zehnjähriger Planung mehr Spielraum, was den zeitlich festgelegten Rahmen betrifft. Das Landratsamt Miesbach bestätigt dies auf Nachfrage. Hatte es bisher geheißen, dass die Baugenehmigung bis 2023 gilt, so wurde sie inzwischen bis August 2024 verlängert. „Die Arbeiten an der Straße und dem Kanal gelten nicht als Baubeginn für das Vorhaben und haben auf dessen Gültigkeitsdauer keinen Einfluss“, betont allerdings Sophie Stadler, Sprecherin des Landratsamts. Zum Durchführungsvertrag, der zwischen der Ernst Tengelmann Projekt GmbH und der Stadt geschlossen wurde und in dem Einzelheiten festgelegt sind, könne das Landratsamt nicht Stellung nehmen. In der Vergangenheit hatte dies auch die Stadt abgelehnt, dabei aber auf Konventionalstrafen verwiesen, sollte mit dem Almdorf nicht im festgelegten Zeitraum begonnen werden.

„Trifft den Zeitgeist“

„Wir sind fester denn je überzeugt von dem Projekt“, stellt Leidecker klar. „Die Einzelhaus-Thematik trifft den Zeitgeist und verhilft Tegernsee zu einem Alleinstellungsmerkmal.“ Das Almdorf sei ein „Unikat“, das in die Nische der Hotellandschaft am Tegernsee gut hineinpasse. Und was die Verzögerungen betrifft, so befinde er sich „in bester Gesellschaft mit den Herren Strüngmann und Greither“, merkt Leidecker an und meint damit deren seit Langem geplante Hotel-Anlagen in Bad Wiessee und Tegernsee.

Bis Ende Oktober werden die vorbereitenden Maßnahmen noch dauern, so Rainer Leidecker. Dann ist Winter. Für das Frühjahr 2023 kündigt er jetzt den Baubeginn an.

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