Umfrage: Das sagt das Tegernseeer Tal über Ludwig Thoma
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Hanno Sollacher, Waakirchen, Schauspieler der Rottacher Ludwig-Thoma-Bühne, gestaltet Lesungen und Thoma-Abende:„Wenn ich Thomas „Heilige Nacht“ lese, gehe ich in der Regel nicht weiter auf Thoma ein. Ich will die schöne „Heilige Nacht“ ja nicht kaputt machen. Bei Thoma-Abenden aber erzähle ich nicht nur von seiner Freundschaft zum Kiem Pauli und seinen Theateraktivitäten in der Überfahrt, sondern auch von seinem Sinneswandel in seinen letzten Jahren. Da halte ich mich an die Fakten, werte aber nicht. Die Schmäh- und Hetz-Artikel gehören zu seinem Leben. Das darf man nicht verschweigen. Trotzdem verdanken wir Thoma vieles, das es ohne ihn nicht gäbe – beispielsweise die Ludwig-Thoma-Bühne.“
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Klaus Fresenius (m.), Rottach-Egern, Vorstandsmitglied der Gulbransson-Gesellschaft, die Vorträge zu Thoma durchführt:„Dass dieser kritische Geist, der Impulsgeber für die Simpl-Zeichner Gulbransson und Thöny war, so einen Gesinnungswandel durchlebte und sich und die eigene Leistung so verraten hat, sollte weder verschwiegen werden, noch sollte versucht werden, das biografisch durch seine Magenkrebserkrankung und die unerfüllte Liebe zu Maidi von Liebermann zu erklären. Brüche im Leben sollte man stehen lassen und aushalten können. Wenn sich Thomas Irrungen auch nicht wegdiskutieren lassen, Ludwig-Thoma-Straßen umbenennen sollte man nicht. Das eine kann gelten, und das andere muss nicht verdammt werden.“
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Werner Oberholzner, Direktor des Gymnasiums Tegernsee, wo teils Thomas „Lausbubengeschichten“ verfilmt wurden:„Thoma spielt an den Gymnasien generell eine geringe Rolle. Als Gegenstand ist er aus dem Deutsch-Lehrplan weitgehend rausgefallen. Es liegt an der Dichte des Lehrplans und der unglaublichen Breite des Literaturkorpus mit sehr, sehr vielen Schriftstellern, dass er in die zweite oder dritte Reihe gerutscht ist. Thoma gehört da einfach nicht in die Oberklasse. Bei uns wird in den 8. Klassen höchstens noch die „Lokalbahn“ als Beispiel für ein Drama gelesen. Unsere Deutsch-Kollegen hatten einmal eine Führung im Thoma-Haus. Sonst haben wir nicht so viele Berührungspunkte wie etwa ein Ludwig-Thoma-Gymnasium. “
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Martin Unterrainer (r.), Gröbenzell, liest seit knapp zehn Jahren Thomas „Heilige Nacht“ beim „Advent auf dem Wendelstein“:„Dass Thoma an seinem Lebensende Schmäh- und Hetzartikel verfasste, erwähne ich bei meinen Lesungen nicht. Ebenso wenig wie das Gedicht, für das er sechs Wochen einsitzen musste, weil es sich gegen Autoritätsinstanzen und gesellschaftliche Missstände richtete. Ich stelle vielmehr klar, dass Thoma ein schwieriger Mensch und Zeitgenosse war. Für meine Adventslesungen finde ich es wichtiger, dass Thoma seine „Heilige Nacht“ aus einer „seltsam rührenden Stimmung“ und nach der Lektüre des Lukas-Evangeliums auf der Tuften geschrieben hat. Und dass er es den Töchtern seines verstorbenen Freundes Taschner gewidmet hat.“
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Tegernsee, Hausdame im Thoma-Haus auf der Tuften, führt Gäste durch die Räume des Schriftstellers:„Wenn Besucher nach Thomas Hetzartikeln fragen, antworte ich meist mit einem Zitat von Maidi von Liebermann. Sie sagte, dass Thoma zwar der Erste gewesen wäre, der sich den Nazis angeschlossen hätte. Aber auch genauso schnell wieder draußen aus der Partei gewesen wäre. Wie es zu dem Bruch in seiner Persönlichkeit gekommen ist, werden wir wohl nie erfahren, auch weil Maidi von Liebermann Thomas Image sehr pflegte und genau geschaut hat, was an die Öffentlichkeit geht. Man muss differenzieren zwischen dem Literaten, der „Andreas Vöst“ und den „Ruepp“ geschrieben hat, und dem Autor jener unsäglichen Artikel.“
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Klaus-Dieter Graf von Moltke, Rottach-Egern, Hotelier, beheimatet das Porträt von Ludwig Thoma im Restaurant Dichterstub’n:„Ludwig Thoma, dessen Portrait neben dem Kobells, Stielers und Ganghofers in unserem Gourmetrestaurant Dichterstub’n hängt, ist als Zeitzeuge und Original in seiner Person zu würdigen. Authentizität, Konsequenz im Denken und Handeln sowie die kompromisslose Liebe zu seiner Heimat machen seine Einmaligkeit aus. Seine Überzeugungen – und auch wie sie sich über die Jahrzehnte und verschiedenen Schaffensperioden entwickelten – sind aus unterschiedlichen Perspektiven sicher kritisch zu hinterfragen. Fakt aber ist, dass mit die wichtigsten Werke der bayerischen Literatur von ihm stammen.“

Zum Geburtstag des umstrittenen Star-Autors

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Er schuf Weltliteratur, prägte die bayerische Kultur wie kein anderer und verfasste antisemitische Hetzschriften. Das denkt das Tal heute über seinen Prominenten Bewohner Ludwig Thoma.

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