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Will sich bald vergrößern: Orthopädische Klinik an der Point.

Orthopädische Klinik: Die Ausgleichsfläche liegt am Starnberger See

Stadtrat winkt Planung durch: „Tegernsee ist kein Museum“

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Schon einmal musste die Deutsche Rentenversicherung ihre Pläne für den Klinikneubau an der Point komplett überarbeiten. Hoch umstritten sind sie immer noch. Der Stadtrat gab jetzt sein OK.

Tegernsee – Die Erweiterung und Runderneuerung der Orthopädischen Klinik auf der Point ist ein Projekt, das die Stadt seit vielen Jahren beschäftigt. Sie wird in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert, die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) übt nach wie vor Kritik. Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) Bayern Süd hat ihre Pläne inzwischen überarbeitet. Jetzt möchte sie in einem ersten Schritt eine neue Therapiehalle bauen. Sie soll auf der Tiefgarage errichtet werden. Weil dafür die Änderung des Flächennutzungsplans nötig ist, befasste sich der Stadtrat bei seiner jüngsten Sitzung erneut mit dem Thema. Schon im Februar hatte die Stadt ausführlich alle Stellungnahmen bearbeitet, die im Rahmen einer öffentlichen Auslegung eingegangen waren. Erneut mussten nun Stellungnahmen bewertet und beantwortet werden.

Es gibt eine Ausgleichsfläche: Die liegt am Starnberger See

Unter anderem die der Naturschutz-Abteilung im Landratsamt Miesbach. Die Untere Naturschutzbehörde stimmt der Planung zu und erteilt eine Befreiung vom Bauverbot im Landschaftsschutzgebiet. Zugleich fordert sie den Nachweis der ökologischen Ausgleichsfläche. Die befindet sich keinesfalls in der näheren Umgebung, sondern am Starnberger See bei der DRV-Klinik in Höhenried in der Gemeinde Bernried. Das sei gleicher Naturraum, heißt es in der Abwägung der Stadt. Zum Lärmschutz: Hier wird aufgrund eines Gutachtens, das den Betrieb auf dem benachbarten Sportplatz und der Bundesstraße beurteilt hat, der Einbau von schallgedämmten Fenstern und Lüftungseinrichtungen vom Landratsamt gefordert.

Erneute Kritik von Schlösser- und Seenverwaltung

Die Schlösser- und Seenverwaltung erneuerte ihre Kritik, wonach die Ausweitung der Baugrenzen wegen der Therapiehalle ein Präzedenzfall für andere Bauherren sein könnte. Auch Nachbarn könnten den Bau zum Anlass nehmen, ihre künftigen Bauwünsche näher zum Ufer zu rücken. Die Stadt nimmt diese Auffassung zwar zur Kenntnis, sieht aber keinen Präzedenzfall auf sie zukommen, zumal ähnliche, im öffentlichen Interesse stehende Nutzungen in der Nachbarschaft derzeit nicht zu erwarten seien. Die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes, findet die Stadt angesichts des öffentlichen Interesses an einem funktionsfähigen Klinikbetrieb hinnehmbar.

Greither: Klinikbau rechtlich unzulässig

Durch eine Anwaltskanzlei ließ Andreas Greither, Besitzer des nahe liegenden Stielerhauses, eine 14-seitige Stellungnahme abgeben. Unter anderem wird die Planung darin als rechtlich unzulässig erklärt – eine Auffassung, die die Stadt widerlegt.

Am Ratstisch führte der Bau der Therapiehalle abermals zu Diskussionen, nachdem Bauamtsleiterin Bettina Koch erneut die Maße offenlegte: Ab Oberkante Fußboden bis zur Dachhaut sei die in Leichtbauweise geplante Halle 5,30 Meter hoch. Die Ausmaße betragen 32 mal 38 Meter. Außerdem sei sie nicht 20 Meter, sondern 45 Meter vom Seeufer entfernt. Thomas Mandl (SPD) musste einräumen, dass ihm die Zustimmung schwer falle. Vor allem fand er es „seltsam“, dass am Starnberger See Flächen versiegelt würden. „Mit Bauchschmerzen“ sage er nun Ja, da die Pläne nun anders aussehen, als sie früher einmal vorgesehen waren. Dass die Planung verändert wurde, sei auch ein Verdienst der Schutzgemeinschaft. Weil die Therapiehalle auf der Tiefgarage, also einer bereits versiegelten Fläche gebaut werde und zudem saisonunabhängige Arbeitsplätze entstehen, könne er zustimmen. 

Ob nun von Halle, Gebäude oder Räumen die Rede sei, wollte Mandl dann doch noch wissen. „Muss ein Raum tatsächlich 5,30 Meter Höhe haben“, fragte er. Es sei von Arbeitsräumen die Rede, die tatsächlich höher seien als normale Zimmer, meinte die Bauamtsleiterin. Letztlich komme der Bau eher einer Halle als einem Raum näher. Vize-Bürgermeister Heino von Hammerstein (Bürgerliste) war weniger kritisch. „Die Höhe entspricht einem Bungalow“, meinte er. Dass kein großer Wall vor dem Gebäude angeschüttet wird, wertete er als positiv. „Diese Planung erlaubt die Fortsetzung des Klinikbetriebs“, fasste Hammerstein zusammen und erinnerte daran, dass die Furcht vor dem Abwandern der Klinik immer bestanden habe.

Zufrieden mit der Entwicklung zeigte sich FWG-Sprecher Andreas Obermüller. Er bedankte sich bei den Bürgern, die sich „mutig hingestellt“ und die erste Planung verhindert hätten. Er lobte die Arbeit des Stadtrats und wiederholte seine Aussage: „Tegernsee ist kein Museum“. Die maßvolle Entwicklung des Orts sei ein wichtiges Ziel, dem die Stadt somit näherkomme. Ehe der Stadtrat einstimmig die Änderung des Bebauungsplans verabschiedete, sagte auch Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) seine Meinung: Tegernsee müsse auch Familien mit Kindern Arbeitsplätze bieten. „Und wenn wir so locker damit umgehen, dann fehlt mir dafür jedes Verständnis.“

gr

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