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Haben die Unterschriftenaktion zum Erhalt der Orthopädischen Klinik auf der Point gestartet: die Patienten Thomas Gradl (r.) und Ralf Lindner. 

Unterschriftenaktion gestartet

Jetzt wollen Patienten die Klinik retten

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Das Gezerre um den Ausbau der Orthopädischen Klinik geht inzwischen auch den Patienten gehörig auf die Nerven. Sie machen sich Sorgen um die Zukunft und haben eine Unterschriftenaktion gestartet.

Tegernsee – Thomas Gradl aus Tegernbach bei Freising hat drei Schulter-Operationen hinter sich. Jedes Mal kam er zur Reha in die Orthopädische Klinik nach Tegernsee und verließ anschließend wohlauf das Haus. Auch jetzt ist er nach fünf Wochen guter Dinge, seinen Job als Maschinenschlosser wieder antreten zu können. „Die Klinik liegt mir am Herzen“, gesteht der 47-Jährige. Wenn er vom Heilungserfolg der Patienten und der schönen Umgebung schwärmt, dann ist er damit nicht alleine: Weil hier echte Freundschaften entstehen, organisiert er einmal jährlich sogar ein „Reha-Treffen“. 

Seit Jahren verfolgt Gradl das Gezerre um die Ausbaupläne. „Wir Patienten kriegen die Debatten verschärft mit“, sagt Gradl. Ärzte, Personal, Therapeuten, alle würden sich über die unsichere Zukunft beklagen. „Keiner weiß so recht, wohin die Reise geht.“ 

Deutlich zu spüren war dies im November, als Mitarbeiter in Sorge um ihre Arbeitsplätze demonstrierten.

Es sei eigentlich dreist von der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Bayern Süd als Betreiberin der Klinik, findet Gradl, dass sie keine konkreten Aussagen mache, ob der Ausbau nun hier durchgezogen wird oder neue Pläne an einem Alternativ-Standort verfolgt werden. Von einem Grundstück in der Oberpfalz war schon die Rede, und auch nach der leer stehenden May-Klinik in Kreuth wurde schon geschielt.

Gradl will, dass endlich was passiert. Daher hat er eine Interessengemeinschaft gegründet. Der Münchner Ralf Lindner (49), dessen erster, vierwöchiger Reha-Aufenthalt nach einem Bänderriss in der Schulter jetzt ebenfalls zu Ende geht, greift ihm von Anfang an unter die Arme und hilft mit beim Sammeln. Knapp 100 Unterschriften haben sie schon auf den Listen, mit denen der Vorstand der DRV und die zuständigen Ministerien aufgefordert werden, die Reha-Klinik in Tegernsee zu erhalten. „Der Standort mit seinem Heilklima und der zur Erholung einladenden Landschaft muss für die Versicherten unter der Trägerschaft der DRV erhalten werden“, heißt es darauf. Überall, wo sie Helfer finden, ob in Cham, Regensburg oder Moosburg, sammeln sie Unterschriften. Nach drei Monaten will Gradl die Listen an die Versichertenvertreterin Verena Di Pasquale überreichen.

Viel Zeit bis zur Vollendung des Drei-Stufen-Plans, der mit der Modernisierung des Hauses Wedelstaedt begonnen wurde, mit dem Bau einer 5,30 Meter hohen Therapiehalle fortgeführt und schließlich mit dem Bau eines Bettenhauses als Ersatz für das Haus Schönblick beendet werden soll, bleibt nicht mehr. „Das Haus hat schon viele Mängel und neue kommen dazu“, warnt Linder und berichtet von der seit drei Monate geschlossenen Sauna, von der schlechten Wärmedämmung der Zimmer im siebten Stock, von der wegen Baufälligkeit geschlossenen Therapiehalle mit Kletterwand und Kneipp-Becken oder von der Sperrung der Duplex-Garagen im Haus Schönblick – wegen Durchrostung.

Wo ist Sand im Getriebe? Bei der DRV? Bei der Stadt? Im April 2017 hatte der Stadtrat einstimmig gezeigt, dass er hinter der Klinik und den Plänen auf der Point steht. Er verabschiedete die Stellungnahmen zur Änderung des Bebauungsplans und schickte diesen in eine zweite Auslegungsrunde. Seitdem wird an einem juristisch einwandfreien Durchführungsvertrag zwischen Stadt und DRV gefeilt. „Der Vertrag pendelt hin und her“, sagt Bürgermeister Johannes Hagn (CSU). Und ein Jahr sei für so einen Vertrag durchaus im zeitlichen Rahmen. Dass es sich bei der DRV nicht um eine Privatperson handle, die schnellstmöglich ans Ziel kommen wolle, sondern um einen „Verwaltungsbetrieb“ mit vielen Ebenen, könnte ein Grund für die lange Dauer sein.

Und die DRV? Sprecher Jan Paeplow betont, dass die Versicherung am Stufenplan festhalte, im engen Austausch mit der Stadt stehe und Vorbereitungen für die Änderung des Bebauungsplans „final“ getroffen würden. „Sobald die notwendigen Schritte abgeschlossen sind und Rechtssicherheit besteht, kann die Umsetzung beginnen.“ Man suche nicht nach weiteren Grundstücken, die beiden Flächen in Kreuth und Neualbenreuth würden aber weiter geprüft – als Plan B. „Und der“, so Paeplow, „bleibt Plan B und nicht Plan A.“

gr

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