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Die Verlandung der Schwaighofbucht schreitet voran. Für den Verein „Rettet den Tegernsee“ gibt es nur eins: die Bucht ausbaggern.

Initiative wendet sich an Umweltministerin

Schwaighofbucht: Verein „Rettet den Tegernsee“ will Dampf machen

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Der Schlamm soll raus aus der Schwaighofbucht. Schnell. Dass die Stadt Tegernsee erst einen Workshop zur Lösung des Problems angesetzt hat, gefällt Andreas Scherzer vom Verein „Rettet den Tegernsee“ absolut nicht.

Tegernsee – Damit Bewegung in die Sache kommt, hat sich Andreas Scherzer direkt an Umweltministerin Ulrike Scharf gewandt. Das Problem Schwaighofbucht ist der Ministerin nicht neu. Am 14. September, kurz vor der Bundestagswahl, war sie auf Vermittlung ihres Parteifreunds Alexander Radwan (CSU) an den Tegernsee gekommen, um sich die Situation erläutern zu lassen. Wegen des starken Regens spazierte sie zwar dann doch nicht die Bucht entlang, dennoch war das Gespräch in der Erinnerung von Andreas Scherzer und Ernst Lehmhofer vom Verein „Rettet den Tegernsee“ ein Erfolg. Die Ministerin, erklärt Scherzer, habe ihre Unterstützung zugesagt.

Für ihn heißt das: Der Freistaat erkennt das Problem als solches an und will es auch schnell in den Griff bekommen. Die Lösung liegt für die Vereinsvertreter auf der Hand. „Der Schlamm muss ausgebaggert werden“, meint Scherzer. Nach Gesprächen mit Unternehmern, die den Auftrag gerne übernehmen würden, ist er davon überzeugt, dass dies auch durchführbar wäre.

Der Schlamm wird an der Schwaighofbucht in einem Becken gelagert und abtransportiert. Dass die Stadt nach einem ersten Gutachten eine Vielzahl von offenen Fragen sieht und jetzt erst einmal einen Workshop anberaumen will, hält Scherzer für überflüssig. Zumal die Stadt selbst ja gar nicht zuständig sei, sondern der Freistaat. Am Runden Tisch werde das Projekt nur zerredet.

„Die Stadt soll jetzt nicht künstlich bremsen“, findet Lehmhofer. Dass der Stadtrat nun noch den Antrag prüfen lässt, die Fläche künstlich komplett zu verlanden und nutzbar zu machen, können die Vereinssprecher schon gar nicht verstehen. „Die Leute wollen, dass der Tegernsee bewahrt wird“, ist Scherzer überzeugt.

Schon jetzt dauern die Debatten um die Entschlammung der Schwaighofbucht aus Sicht des Vereins viel zu lange. „Seit drei Jahren tun wir da rum“, sagt Scherzer. 1400 Unterschriften habe die – von Gertraud Eberwein angestoßene – Initiative 2015 gesammelt, das müsse doch genügen. Scherzer hat Umweltministerin Scharf jetzt schriftlich um einen Termin gebeten. „Wir werden fragen, ob sie ihr Wort hält“, sagt Lehmhofer. Der Freistaat, findet der Verein, möge das Ausbaggern sofort anordnen und natürlich bezahlen. Noch vor dem Sommer.

Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) schüttelt nur den Kopf. „Einfach so ausbaggern, das geht nicht.“ Das sei auch beim Ortstermin im September klar gewesen. Die Ministerin habe ihre Unterstützung für das Verfahren zugesagt – nichts weiter. Die Stadt Tegernsee, obwohl nicht zuständig, habe die Rolle des Mediators übernommen. „Wir wollen das sauber abarbeiten.“ Dazu gehöre die Organisation eines Workshops mit allen Beteiligten, auch den zuständigen Behörden. Mit dem Umweltministerium stehe die Stadt in engem Kontakt.

Wie komplex das Problem ist, hatte Hagn schon bei der Präsentation des Gutachtens erläutert. „Es ist auch ein Präzedenzfall für alle Seen in Bayern“, erklärt Hagn. Zwar werde an See-Häfen bisweilen gebaggert. „Aber hier geht es um eine andere Dimension.“ Rund 120.000 Kubikmeter Schlamm-Wasser-Gemisch müssten aus dem See gehievt und zum Trocknen am Ufer gelagert werden. Anschließend ist der getrocknete Schlamm zu entsorgen. Wie das technisch zu stemmen ist, was der Prozess kostet und ob es überhaupt sinnvoll ist, gegen die Verlandung zu kämpfen: alles ungeklärt.

Die Stadt hat das Gutachten jetzt an die Behörden weitergegeben. Auch der Naturschutz ist ein Thema: Der Fischereibeauftragte des Bezirks warnt vor dem Eingriff in die Bucht. Der Workshop kann erst stattfinden, wenn die Beteiligten sich mit dem Thema vertraut gemacht haben, Termine abgestimmt sind. Ob der Workshop noch vor der Sommerpause über de Bühne geht, ist offen. Hagn setzt das Zeitfenster großzügig: „Der Termin findet noch in diesem Jahr statt.“

jm

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