+
Ein 24-jähriger Flüchtling wurde Ende Oktober auf dem Sportplatz liegend gefunden. Was passiert ist, haben Ermittler jetzt herausgefunden.

Schlimme Gerüchte machten die Runde

Verletzter Flüchtling: Das ist wirklich passiert

  • Veronika Mahnkopf
    VonVeronika Mahnkopf
    schließen

Tegernsee - Der Fall sorgte für Aufsehen: Ein Flüchtling lag scheinbar geschlagen und bewusstlos auf dem Sportplatz neben der Tegernseer Unterkunft. Jetzt ist klar, was wirklich passiert ist.

Die Gerüchteküche war heftig am Brodeln, nachdem am 31. Oktober ein Asylbewerber aus Pakistan auf dem Sportplatz neben der Tegernseer Asylbewerberunterkunft verletzt am Boden liegend aufgefunden wurde. Was passiert war, schien völlig unklar. Nachdem es zunächst den Anschein hatte, dass der 24-Jährige geschlagen worden war, berichtete die Polizei später von nur leichten Verletzungen des Mannes. Und während es von der Polizei hieß, der Flüchtling habe sich zu keiner Zeit in Lebensgefahr befunden, wollten Anwohner gesehen haben, wie der Pakistaner tot weggebracht wurde. Unterstützt wurde dieses Gerücht noch von der Veröffentlichung eines Fotos durch einen Blog, das angeblich den Toten zeigt. Wie sich herausstellte, war darauf nicht einmal eine liegende Person zu sehen. Von Anfang an ausgeschlossen wurde ein fremdenfeindlicher Angriff.

Jetzt ist klar, was an jenem Abend im Oktober wirklich passiert ist: Der junge Mann hat den Angriff vorgetäuscht. Wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd der Tegernseer Zeitung mitteilt, hat ein Security-Mitarbeiter um 21.40 Uhr den reglos am Boden liegenden 24-Jährigen auf dem Sportplatz gefunden. Er war, wie aus ermittlungstaktischen Gründen erst jetzt bekannt wird, locker gefesselt und schien nicht ansprechbar. Wegen des Verdachts auf Kopfverletzungen brachte ihn ein Rettungswagen ins Krankenhaus. Dort stellten Ärzte allerdings nur leichte Schürf- und Kratzwunden fest. Eine schwere Verletzung lag nicht vor.

Die Kripo Miesbach übernahm die Ermittlungen. Zunächst konnte der Mann nicht vernommen werden, weil er scheinbar eine Sprachblockade hatte. Diese war, wie sich herausstellte, möglicherweise vorgetäuscht. Eine rechtsmedizinische Untersuchung unterstützte erste Zweifel der Ermittler an einem Angriff. Mehr und mehr entstand der Eindruck, dass der Pakistaner sich die Kratzer und Abschürfungen selbst zugefügt hat. Versuche ergaben zudem, dass der 24-Jährige sich auch selbst gefesselt haben könnte.

Letztlich stellte sich heraus, dass die Kripo den richtigen Riecher hatte. Als der junge Mann vernommen werden konnte, verstrickte er sich zunehmend in Widersprüche und gab schließlich an, den Angriff vorgetäuscht zu haben. Sein Motiv: Er wollte zu seiner Familie verlegt werden, die als Asylbewerber in Frankfurt untergebracht ist. Der vorgetäuschte Angriff, so seine Hoffnung, würde seine Chancen für einen Umzug verbessern. Gegen den Flüchtling wird nun wegen Vortäuschens einer Straftat ermittelt.

Das Landkreiswetter

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare