Die Gästezimmer stehen bereit: Vermieterin Anastasia Stadler vom Webermohof in Rottach-Egern fürchtet aber, dass die aktuelle Corona-Situation nicht spurlos an ihrer Branche vorüber gehen wird. Foto. Archiv Thomas Plettenberg
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Die Gästezimmer stehen bereit: Vermieterin Anastasia Stadler vom Webermohof in Rottach-Egern fürchtet aber, dass die aktuelle Corona-Situation nicht spurlos an ihrer Branche vorüber gehen wird.

Viele Urlauber sind verunsichert

Vermieter am Tegernsee befürchten Stornos: Hohe Inzidenz „schlechte Werbung“ für die Region

  • Gabi Werner
    VonGabi Werner
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Der Landkreis Miesbach macht derzeit bundesweit Schlagzeilen mit seiner hohen Inzidenz. Das verunsichert auch Urlauber. Die Vermieter befürchten Stornierungen.

Tegernseer Tal – Mit seiner Rekord-Inzidenz beherrscht der Landkreis Miesbach seit Wochen die – zum Teil bundesweiten – Schlagzeilen. Das sorgt für Verunsicherung. Auch bei jenen, die ihren Urlaub im Tegernseer Tal geplant haben. Von einer Welle der Stornierungen kann laut Tourismus-Chef Christian Kausch derzeit zwar nicht die Rede sein. Es gebe aber durchaus Gäste, „die irritiert sind und Bedenken haben, jetzt wegzufahren“. Auch Anastasia Stadler, die in Rottach-Egern das Gästehaus Webermohof in Rottach-Egern betreibt, sagt: „Die hohen Zahlen sind natürlich eine schlechte Werbung für unsere Region.“ Das Buchungsverhalten der Gäste sei derzeit eher verhalten.

Vermieterin aus Rottach-Egern: „2G bringt nicht die große Stornowelle“

Seit Montag (15. November) gilt im Landkreis auch für Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe die 2G-Regel. Sprich: Einchecken dürfen nur noch Geimpfte und Genesene. Für Vermieterin Stadler ist das aber lediglich das „Topping“ auf eine ohnehin äußerst angespannte Situation. „Unsere Gäste sind sowieso zu 99 Prozent geimpft“, berichtet die Rottacherin. In ihren Augen wiegen da die hohen Inzidenzen und auch die fehlenden Adventsmärkte – die nach Ansicht Stadlers völlig zurecht abgesagt wurden – schon schwerer. „2G bringt nicht die große Stornowelle“, meint die Gastgeberin, die auch im Rottacher Gemeinderat sitzt.

Verunsicherung der Urlauber vor allem wegen hoher Corona-Zahlen

Ähnlich sieht es Daniel Strillinger. Er betreibt mit seiner Frau nicht nur den Steinbrecherhof in Bad Wiessee, sondern steht als Vorsitzender auch an der Spitze des örtlichen Kur- und Verkehrsvereins. Derzeit macht die Familie – wie so viele andere Gastgeber im trüben Monat November – Betriebsurlaub. Strillinger rechnet aber durchaus damit, dass es noch zu der einen oder anderen Stornierung seiner Gäste kommen wird. „Davon hört man ja ringsherum“, berichtet Strillinger. Der Aufschrei unter seinen Kollegen wegen ausbleibender Gäste – vor allem auch in der Gastronomie – sei deutlich zu vernehmen. Auch Strillinger schiebt die Verunsicherung der Leute in erster Linie auf die besonders heikle Corona-Situation im Landkreis. „Es gibt immer wieder Gäste, die anrufen und fragen, warum die Zahlen bei uns so hoch sind.“ Dabei ist der Vermieter überzeugt: Urlaub am Tegernsee und im Landkreis Miesbach stelle schon allein wegen der strengen Auflagen in der Gastgeber-Branche kein erhöhtes Risiko dar. „Und mit 2G wird es noch sicherer.“ Will trotzdem ein Gast wegen der aktuellen Lage stornieren, zeige sich sein Betrieb „offen und kulant“, macht Strillinger deutlich.

TTT empfiehlt kulante Handhabung bei Stornierungen

Das ist ganz im Sinne der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT). „Wir bitten die Gastgeber darum, dass Stornos kulant gehandhabt werden“, bestätigt TTT-Geschäftsführer Kausch. Er weiß aber auch, dass der Punkt Stornierungen für viele Gastgeber mittlerweile ein „sehr anstrengendes Thema“ sei. Oft wisse der Vermieter am Vormittag nicht, ob seine Zimmer am Abend gefüllt sind oder nicht: „Viele Buchungen kommen mittlerweile spontan, viele Stornierungen auch“, berichtet Kausch. Im Prinzip müsse der Gastgeber jeden Einzelfall selbst einschätzen. Denn der Tourismus-Chef macht auch klar: „Eine hohe Inzidenz allein rechtfertigt keine Stornierung.“ Immerhin schließe der Gast bei der Buchung einen Vertrag ab, in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) seien die Stornobedingungen klar geregelt. Kausch ist überzeugt: „Wenn beide Parteien ordentlich miteinander reden, finden sie eine Lösung.“

Tourismus-Chef: Zahlen vom Oktober waren „ein Traum“

Ob die Gästezahlen am Tegernsee wegen der akuten Corona-Situation tatsächlich einbrechen werden, kann Kausch derzeit noch nicht abschätzen. „Das werden wir erst im Dezember sehen.“ Anfang November jedenfalls sei die Buchungslage noch „extrem gut“ gewesen. Die Zahlen vom Oktober bezeichnet Kausch gar als „Traum“.

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Unterdessen ist Stadler überzeugt, dass die sich zuspitzende Corona-Lage nicht spurlos an ihrer Branche vorüber gehen wird. Dennoch lautet das Patentrezept der Rottacher Vermieterin: „Ruhe bewahren!“

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