Statt die Schwaighofbucht zu entschlammen, soll nun der Uferbereich ökologisch aufgewertet werden. Diese Entscheidung hat das Umweltministerium jetzt der Stadt Tegernsee mitgeteilt.
+
Statt die Schwaighofbucht zu entschlammen, soll nun der Uferbereich ökologisch aufgewertet werden. Diese Entscheidung hat das Umweltministerium jetzt der Stadt Tegernsee mitgeteilt.

Brisantes Schreiben an die Stadt

Verschlammung der Schwaighofbucht: Umweltminister will nicht eingreifen

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
    schließen

Mit plakativen Sprüchen kämpft der Verein „Rettet den Tegernsee“ gegen die Verschlammung der Schwaighofbucht. Doch ein neues Schreiben aus dem Umweltministerium zeigt: Die Bemühungen könnten vergeblich sein.

  • Seit Jahren kämpft der Verein „Rettet den Tegernsee“ gegen die Verschlammung der Schwaighofbucht
  • Das Umweltministerium hat sich nun klar positioniert: Man müsse nicht eingreifen
  • Verein will trotzdem weiter durchhalten - und kritisiert den Minister

Tegernsee Barfüßig und in Lederhose hatte sich Andreas Scherzer, Vorsitzender des Vereins „Rettet den Tegernsee“, im Sommer für eine Facebook-Aktion in die schlammige Schwaighofbucht gestellt, um seine Botschaft zu verbreiten: Er lade Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (FW) und Tegernseer Stadträte zum Schlammbad ein. Dazu ist es bisher nicht gekommen. Vielmehr flatterte jetzt ein Brief aus dem Ministerium auf den Schreibtisch von Rathauschef Johannes Hagn (CSU). Mit brisantem Inhalt: Die Verlandung der Schwaighofbucht, heißt es darin, werde vom Umweltministerium als „natürlicher Prozess“ gesehen. Die Feststoffeinträge seien zumutbar. Es handle sich um einen ökologisch schützenswerten Bereich, in dem eben eine Verlandung stattfinde. Der Freistaat sehe keinen Grund, in einen natürlichen Prozess einzugreifen. Vielmehr halte man deshalb eine möglichst schnelle ökologische Aufwertung des Uferbereichs für sinnvoll.

Bürgermeister will Gespräche mit allen Beteiligten führen

Markante Sätze, die Hagn jetzt in der jüngsten Stadtratssitzung zitierte. Er fügte noch hinzu, dass nun Gespräche mit allen wichtigen Beteiligten geführt werden müssten – mit dem Wasserwirtschaftsamt, der Schlösser- und Seenverwaltung, dem Fischereiverband und dem Ruderclub. „Wir müssen Möglichkeiten finden, wie wir gemeinsam proaktiv mit dieser Vorgabe des Ministeriums umgehen“, kommentierte Hagn das Schreiben. Dann werde die Verwaltung wieder im Stadtrat berichten. „Auf dieser Basis gehen wir nun weiter, wir begleiten das.“ Sollte dies nicht gewünscht sein, könnten gerne Anträge eingereicht werden.

Versinken die jahrzehntelangen Bemühungen des Vereins damit buchstäblich im Schlamm? Er sei überrascht und kenne den Inhalt des Schreibens nicht, reagiert Andreas Scherzer. „Ich hoffe, dass wir noch informiert werden und das Ministerium Geld für das Briefporto hat“, meint der Vorsitzende.

Für das Ministerium ist die Verlandung ein natürlicher Prozess

Das Ministerium schließt sich damit offenbar einer Stellungnahme des Wasserwirtschafts Rosenheim (WWA) und des Landesamtes für Umwelt an. Beide sind zu der Überzeugung gelangt, dass die Verlandung ein natürlicher, fortschreitender Prozess sei. Für eine Entschlammung, wie dies der Verein fordert, sieht das WWA zudem keine Rechtsgrundlage.

Scherzer will dennoch nicht locker lassen. Die Unterschriftensammlung für ein Bürgerbegehren, die der Verein zum Jahresbeginn gestartet hatte, will er in jedem Fall weiterführen. Etwa 350 Unterschriften stehen inzwischen auf den Listen mit folgender Frage: „Sind Sie dafür, dass die Stadt Tegernsee alles rechtlich Zulässige unternimmt, damit die zum Teil lebensgefährliche Verschlammung der Schwaighofbucht zwischen dem Anwesen Schwaighofstraße 2 im Norden und der Mündung der Rottach in den Tegernsee beseitigt, und das Baden im See wieder möglich wird?“ Scherzer will die für ein Bürgerbegehren nötige Anzahl von 400 Unterschriften voll machen.

Scherzer kritisiert: Minister trifft Entscheidung vom Schreibtisch aus

Der Vorsitzende kündigt an, dass der Verein noch viel Geduld haben werde. Geduld, was die Einstellung der Politiker zur Schwaighofbucht betreffe. „Wir haben schon viel Rauf und Runter erlebt“, sagt Scherzer und erinnert an Umweltminister Marcel Huber, der auf Anfragen stets aufgeschlossen und positiv reagiert habe. Oder an Ulrike Scharf, die sich vor Ort vom Problem überzeugt habe. Nun stehe mit Thorsten Glauber ein Politiker an der Spitze, der mit keiner Zeile bisher kommuniziert habe. Noch dazu sei er kein einziges Mal persönlich an der Schwaighofbucht gewesen und treffe die Entscheidung nun vom Schreibtisch aus, kritisiert Scherzer. „Diese Schwaighofbucht“, sagt der Vorsitzende, „wird alle Minister überleben. Wer 15 Jahre warten kann, der kann auch den nächsten Minister erwarten.“ Scherzer ist überzeugt, dass niemand in Tegernsee eine verschlammte Bucht will. „Wir warten ab.“

gr

Auch interessant

Kommentare