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Nach Appell für Verzicht auf Feuerwerk: So lief die Silvesternacht am Tegernsee

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Von: Sebastian Grauvogl

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Feuerwerk, Tegernsee
Klare Sicht herrschte an Silvester: Wohl auch, weil diesmal nicht ganz so viel geböllert wurde wie zuvor. © Thomas Rychly

Etwas weniger laut, etwas weniger lang: So haben viele Beobachter das Silvesterfeuerwerk im Tegernseer Tal erlebt. Eine Folge des Appells zum Verzicht auf Pyrotechnik?

Tegernseer Tal – Von einem Ufer zum anderen blicken: Das war selbst in klaren Silvesternächten in den vergangenen Jahren kaum möglich am Tegernsee. Zu dicht war der Pulverdampf, den die explodierenden Feuerwerkskörper in den Nachthimmel gehustet hatten. Umso überraschter war Christian Kausch heuer, als er von seinem Heimatort Bad Wiessee die Lichter Tegernsees erspähen konnte. „Ich denke, das ist ein guter Indikator, dass diesmal etwas weniger geböllert wurde“, sagt der Geschäftsführer der Tegernseer Tal Tourismus (TTT) GmbH auf Anfrage unserer Zeitung. Wenn man die bereits seit langem gebuchten Feuerwerke der großen Hotels und Restaurants abziehe, sei die private Knallerei doch „merklich zurückgegangen“, meint Kausch. Ein Vergleich der Bilder der Webcam auf dem Wallberg bestätige diesen Eindruck, so der TTT-Chef.

Lasershow in Kreuth kommt gut an

Dabei habe es zuerst nicht nach einer ruhigen Nacht ausgesehen, berichtet Johanna Ecker-Schotte, Vorsitzende des Tierschutzvereins Tegernseer Tal. Bereits am Nachmittag seien in Rottach-Egern die ersten Böllerschüsse zu hören gewesen. Um der Lärmbelastung zu entkommen, floh Ecker-Schotte zur Laser-Show nach Kreuth. „Eine wunderbare Veranstaltung“, schwärmt sie. „Und es wurde beeindruckend wenig geschossen.“

Das hebt auch der Bürgermeister im Bergsteigerdorf lobend hervor. Rund 700 Leute seien zusammengekommen, um das feinstaubfreie Spektakel zu bewundern, sagt Josef Bierschneider. Gut angekommen seien auch die heuer neu eingeführten Projektionen auf dem Grüneck sowie die begleitende Feuershow – mit echten Flammen, wohlgemerkt. Als zusätzliche Bereicherung habe sich der Jahresrückblick mit Bildern und Videos von Thomas Hafner erwiesen. „Ein sehr gelungener Abend“, findet Bierschneider.

Lasershow in Kreuth
Farbrausch ohne Feinstaub: Mit spektakulären Lichteffekten zog die Lasershow in Kreuth die Besucher in der Silvesternacht in ihren Bann. Aufs private Feuerwerk zu verzichten fiel da nicht schwer. © Max Kalup

Zweitwohnsitzler lassen es trotzdem krachen

Den hätte sich Angela Brogsitter-Finck auch am nördlichen Ende des Tegernseer Tals gewünscht. Doch hier habe der Appell der Initiative „Feiern ohne Feuern! Stoppt private Feuerwerke!“ wenig Wirkung gezeigt, bedauert die Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT). Bei ihr in Waakirchen sei es von 23.30 Uhr an rund eine Stunde lang „wahnsinnig laut“ gewesen, so Brogsitter-Finck. Auch in Gmund sei viel geböllert worden. Aus Rottach-Egern hat die SGT-Vorsitzende erfahren, dass es dort offenbar viele Zweitwohnungsinhaber ordentlich haben krachen lassen. Wohl auch, weil sie vom Aufruf der Initiative nichts mitbekommen hätten.

In Festenbach, wo es sonst nicht selten so zugegangen sei wie am Münchner Stachus, hätten die Leute heuer mehr auf (lautlose) bengalische Feuer gesetzt. „Das ist wenigstens etwas sanfter“, findet Brogsitter-Finck. Ein Ausweg aus der Böllerei führt für sie aber weiter nur über ein generelles Verbot. „Anders geht es leider nicht.“

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Appell hat auch junge Leute erreicht

Etwas mehr Zuversicht hegt Ecker-Schotte am Neujahrstag. Sie habe schon das Gefühl, dass der Appell nicht verpufft sei und erfreulicherweise auch junge Leute zum Feuerwerksverzicht animiert habe. Letztlich würden sich die meisten Menschen an Silvester einfach einen guten Grund zum Treffen und gemeinsamen Feiern wünschen. Und diesen Wunsch könne eben nicht nur ein Feuerwerk, sondern auch eine Lasershow wie in Kreuth erfüllen.

Vorsilvesterparty am Dorfplatz in Dürnbach
In Feierlaune waren die Besucher der Vorsilvesterparty am Dorfplatz in Dürnbach. © Andreas Leder

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Diejenigen, die vielleicht sogar als Trotzreaktion auf die Bitte um Verzicht für ordentlich Krach gesorgt haben, kann Ecker-Schotte zwar nicht verstehen, will sich von ihnen aber auch nicht in ihrem Engagement Contra Pyrotechnik bremsen lassen. „Ich wünsche auch denen ein gutes neues Jahr.“ Das will Kausch unter anderem dafür nutzen, weitere Gastgeber im Tal von einer Abkehr vom Silvesterfeuerwerk zu überzeugen. Optimal wäre es, wenn auch der Einzelhandel sein Angebot etwas einschränken würde. „Dann“, ist der TTT-Geschäftsführer überzeugt, „würde sich der Kreis schließen.“ Und gut feiern könnte man trotzdem.

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