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Die Werkstatt hinter dem Ristorante: In seiner Garage schraubt Francesco Sabbatella leidenschaftlich gern an alten Vespa-Rollern herum.

Der Vespa-Schrauber von Tegernsee

Die geheime Leidenschaft des Francesco S.

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Tegernsee – Francesco Sabbatella kennt man eigentlich für seine Pizza. Was nur wenige wissen: Der 32-jährige Italiener kann nicht nur backen, sondern restauriert mit großer Leidenschaft alte Vespas.

Feuer für die Vespa, den weltweit wohl beliebtesten Roller des italienischen Unternehmens Piaggio, fing Francesco schon als Jugendlicher in seiner Heimat in Kampanien. „Damals durfte man in Italien Roller fahren ohne Führerschein, jeder war damit unterwegs.“ Auch der junge Francesco, der 1997 seine Heimat verließ, dann zunächst in der Eisdiele seiner Tante in München arbeitete und 2006 in Tegernsee ein italienisches Lokal eröffnete. 

Vor etwa vier Jahren packte ihn die Leidenschaft so richtig. Aber nicht etwa die modernen Modelle mit Chrom und Schnickschnack haben es ihm angetan. Es sind die alten Versionen des Erfolgs-Rollers, der 1946 erstmals in Rom vorgestellt wurde und dann eine unglaubliche Siegesfahrt hinlegte. 70 Jahre wird die Vespa (italienisch für Wespe) heuer. Auf die Jubiläumsmodelle einer limitierten Edition fahren eingefleischte Vespa-Fans derzeit besonders ab.

Wer selbst eine Vespa besitzt, der weiß, wie zickig die alte Diva manchmal sein kann: Sie springt nicht an, weil sie Feuchtigkeit nicht mag, Übernachten im Freien schon garnicht. Trocken und warm muss es sein. Italien-Wetter eben. „Jetzt ist es super am Tegernsee“, sagt Francesco und sperrt die Tür zu seiner kleinen Garage hinter dem Ristorante auf. Acht alte Vespas hat er hier hineingepfercht. „Ein Freund macht sie in Italien für mich ausfindig“, erzählt der 32-Jährige. „Wenn eine Maschine gut ist, dann lass ich sie herbringen.“ Dabei sei selbstverständlich, betont Francesco, dass die Carabinieri in Italien alles abgesegnet haben.

Sein ganzer Stolz ist derzeit eine Vespa VBB 1T, Baujahr 1961. „Die siehst du nicht jeden Tag“, sagt er stolz und deutet auf den matten Lack, der einen Farbton irgendwo zwischen blau und grün hat. 79 000 Kilometer steht auf dem winzigen Tacho, der Plastikteppich auf dem Trittbrett ist ziemlich zerschlissen. Der Sitz ist in Plastik eingewickelt, der frühere Besitzer hat ihn wohl durchgesessen. Das Besondere: Der Roller hat einen seitlichen Beifahrersitz. „Ja, so sind die Frauen in Sizilien früher gefahren“, weiß Francesco, klappt einen mit schwarzem Isolierband umwickelten Bügel um und macht’s vor. Etwa 4500 Euro sei sie wert. „Original ist mehr wert als restauriert.“

Wann, mamma mia, hat der fleißige Pizzabäcker auch noch Zeit, alte Vespas wieder auf jung zu trimmen? „Morgens um acht zum Beispiel“, sagt Francesco, der auf Bestellung schraubt und immer wieder Roller zum Verkauf ins Lokal stellt. „Dann schalte ich das Handy ab und mach die Tür zu.“ 30 Stunden muss er durchschnittlich investieren, „mindestens.“ Er baut alles aus, lässt das Blech sandstrahlen und sitzt dann in der engen Garage auf einem leeren Biertragl, um die Teile mit einer Handvoll Schraubenschlüssel und Zangen wieder zusammenzubauen. Basta. Henning, sein 50-jähriger Freund aus Mindelheim, hilft ihm oft dabei. „Er kommt dann mit dem Anhänger und nimmt die Maschinen mit.“

Draußen knattert’s. Robert aus Bad Wiessee testet eine Vespa 50n, Baujahr 1969. Francesco hat sie komplett restauriert, Kurbelwelle, Lager, Motor, alles. Ein Tacho wurde eingebaut, weil das Pflicht ist in Deutschland. Mit ihrem cremefarbenen Lack und dem cognacfarbenen Kunstleder-Sitz steht sie elegant da. „Sie hat einfach Charme“, schwärmt der 37-Jährige, der dafür seine neue, knallrote 125er-Primavera eintauscht. 

Alt gegen Neu, mal etwas Anderes. Dass die alte Dame nur Tempo 60 schafft, statt 110 im Vergleich zur neuen Vespa, spiele keine Rolle. Am Tegernsee sei das völlig ausreichend, meint Robert. Bis der Tausch perfekt wird, muss Francesco allerdings noch nachbessern. Kupplung und Bremse funktionieren noch nicht einwandfrei. Das Teil muss wieder in die Garage. Pizzabäcker Francesco macht wieder den Schrauber.

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